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Wenn die Führungskraft auch gleichzeitig Mensch ist …

Wer Menschen bewegen will, muss sich selbst emotionalisieren. Aber das gelingt nur, wenn Sie als Führungskraft zu einer Verhaltensänderung bereit sind – und Gefühle vorleben.

 

Was werden jetzt alle von mir halten? Vor der Verkündung dieser Entscheidung hatte ich echt Schiss: Ca. 18 Jahre lang war ich Cheftrainer Ski-alpin in der Skisparte der Betriebssportgruppe. Wir sind in der Zeit eine richtig eingeschworene Gemeinschaft geworden und viele der „Werksfahrer“ sind mir mehr als ans Herz gewachsen – aber nun, im Trainingslager in Kaprun, musste ich es ihnen sagen: „Das war’s. Ich höre auf. Ciao.“

„Was ein abgebrühter Hund, der Stefan. Macht seine Pläne und lässt uns hocken. Dem sind wir vollkommen egal.“ Das, dachte ich, werden vermutlich einige Reaktionen sein. Doch es kam ganz anders.

Panzer erzeugt das falsche Bild

Als ich vor die Gruppe trat, hat es mich vollkommen übermannt. Ich habe gezeigt, wie schwer mir der Abschied fällt, es sind jede Menge Tränen geflossen und plötzlich habe nicht nur ich, sondern auch einige andere geheult wie die Schlosshunde. Aber das war niemandem im Skiteam peinlich, sondern einfach ein überraschender und unerwartet tiefer, einzigartiger, auch schöner Moment.

Wir kennen alle diese Situation, in der wir etwas Negatives mitteilen müssen. Natürlich auch im Arbeitsleben, in dem oft harte Entscheidungen anstehen. Doch viel zu viele Führungskräfte oder Chefs im Mittelstand verstecken sich in diesen Momenten hinter einem Panzer. Sie wollen nicht ihre Gefühle zeigen, nicht die Kontrolle verlieren – weil das doch nichts im Business-Kontext zu suchen hat! Und weil sie das nie gelernt haben. Doch genau das bringt erst die Probleme und Missverständnisse. Durch die mangelnde Herzlichkeit werden Dinge falsch interpretiert.

Emotionen bewegen

Für mich stehen Führungskräfte fast schon in der Pflicht, Gefühle zu zeigen und auch bei harten Maßnahmen und schlechten Nachrichten Mensch zu bleiben. Denn erst durch Gefühle entsteht Ehrlichkeit, Herzblut, Hingabe für die Sache – und damit letztlich auch Erfolg. Wer Menschen emotional bewegen will, muss selbst emotionalisiert sein. Nur wenn ich als Führungskraft zu einer Verhaltensänderung bereit bin und das dann auch vorlebe, können auch die Mitarbeiter ihr Verhalten ändern. Dafür braucht es Mut und Risikobereitschaft, aber beides lohnt sich.

Mit einigen Fahrern aus dem Skiteam werde ich eng in Kontakt bleiben. Wir schreiben uns Nachrichten, telefonieren oder mailen uns. Dass meine Entscheidung trotz allem positiv aufgenommen wurde, lag daran, dass meine wahren Gefühle sichtbar geworden sind.

Natürlich müssen Sie bei der Verkündung schlechter Nachrichten nicht immer heulen wie ein Schlosshund – es geht um die richtige Dosis an Emotionen. Sie sollen auch nichts vortäuschen, sondern schlicht echt und ehrlic h bleiben und zeigen, was Sie wirklich fühlen.

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