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Wie ich auf der Suche nach dem passenden Beruf mich selbst gefunden habe

Über den Weg, den für mich passenden Beruf zu finden habe ich mehr über mich und mein Umfeld gelernt, als in den Jahren meines Studiums. Eine Erkenntnis war dabei besonders ausschlaggebend: learning by doing und keine Angst vor Fehlern halfen besonders bei meiner beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung.

 

Seit geraumer Zeit habe ich mich immer wieder gefragt, wie ich

herausfinde, was ich will. Ich habe nachgedacht und nachgedacht und dabei gar nicht realisiert, was mich dabei so sehr am Vorankommen blockiert: das Überanalysieren alleine half mir nicht, zu finden, was ich suchte. Erst, als ich begann, den Gedanken Taten folgen zu lassen, viele falsche und zum Teil merkwürdige Wege einzuschlagen, kam ich dessen, wonach ich mich sehnte, immer ein Stückchen näher. Aus dieser Erfahrung zog ich mehrere Schlussfolgerungen.

1. Fang endlich an.

Seit Monaten habe ich mein Masterstudium beendet und bin auf
der Suche nach meinem Traumjob. Ich bewarb mich für eine Vielzahl an Jobs
und fuhr zu Vorstellungsgesprächen. Zu Beginn war mir jedoch nicht
wirklich klar, was ich wollte. Ich bewarb mich für jede Stelle, die
ansatzweise interessant klang. Viele meiner Freunde und Bekannte verstanden nicht, weshalb ich mich so schwer tat, mich zu entscheiden. Manche argumentierten, ich solle mir vielleicht erstmal klar werden, wohin ich wolle, bevor ich mich bewarb. Doch mein Bauchgefühl riet mir, genau derart vorzugehen, wie ich es schließlich tat. Ich wurde schon öfter gefragt, womit ich meine Entscheidung erklären könne und ich konnte darauf lediglich mit „meiner Intuition“ antworten. Wie soll ich denn erklären, dass es sich richtig anfühlt in einer Welt, in der meinem Eindruck zufolge alles rational entschieden werden sollte und nur solche Entscheidungen die Richtigen seien? Für mich trafen diese rationalen Entscheidungen nie ins Schwarze meines Bedürfnisses oder meines Weges, vielmehr brachten sie mich von meinem Weg ab und führten in Sackgassen.

2. Gespräche veränderten mein Leben

Da ich nicht genau wusste, wohin ich wirklich wollte, mich meine Intuition jedoch bestärkte, mich weiter zu bewerben und darin Erfahrungen zu sammeln, hörte ich auf zu erzählen, ich wüsste nicht, wohin es gehen sollte. Ich bewarb mich einfach und nahm jede Einladung zum Vorstellungsgespräch wahr. Bei einer meiner ersten Gespräche bekam ich den Tipp, einen gewissen Punkt in meinem Lebenslauf zu ergänzen, da mein Profil als solches zwar sehr vielseitig sei, doch dieser Punkt noch fehle. Mir wurde dabei bewusst: wenn ich aus jedem der Gespräche solch eine großartige Information ziehen würde, hätte ich möglicherweise über den Einstieg in die Arbeitswelt mehr in einem Jahr gelernt, als während meines gesamten Studiums. Und nach über einem halben Jahr mit einer Vielzahl an Bewerbungen und Gesprächen kann ich nun tatsächlich sagen,
dass mein Selbstbewusstsein und meine Selbstwahrnehmung sich derart
verbessert haben, als hätte ich an Coachings oder Bewerbungstrainings
teilgenommen. Jedoch war es wesentlich kostengünstiger und
praxisbezogener.

3. Lernen durch Handeln

Nicht alles, was glänzt besteht aus Gold. Ich kam sehr oft an den Punkt, an dem
ich erschöpft und frustriert Zuhause saß und mich fragte, wann dieser ätzende
Prozess der Selbstdarstellung endlich ein Ende hätte. Oder ich war ausgelaugt
von dem ständigen neben her arbeiten, weil das Geld nicht an den Bäumen
hängt. Zudem war es teilweise äußerst desillusionierend zu erkennen,
dass es nichts Perfektes gibt, auch keinen perfekten Job. Immer muss man
 Kompromisse schließen, sei es in der Liebe, der Karriere oder der
eigenen Entfaltung. In den schlimmsten Momenten, in denen ich kraftlos
und erschöpft auf meiner Coach lag und nicht bereit oder fähig war,
etwas Positives in dem Ganzen zu sehen, erkannte ich eine Sache: ich
hätte niemals so viele Unternehmen und Führungskräfte in einer so kurzen
 Zeit wie in dieser kennengelernt. Darüber hinaus erkannte ich, dass ich
 am besten lerne, wenn ich es selbst probiere. Das eigene Praktizieren
gepaart mit der Vorstellung oder der Idee/ der Theorie, wie etwas
funktioniert, festigt sich erst im  Langzeitgedächtnis und funktioniert
motorisch, wenn es versucht wird. Sei es das Tragen von drei Tellern
beim Kellnern, was ich tatsächlich langsam beherrsche oder das
Musizieren. Und selbst bei Spitzensportlern ist längst bekannt, dass
Übung nicht alles ist, es muss auch mental durchdacht sein. Somit
verschafft die Verbindung zwischen Motorik und Vorstellung eine
Grundlage, auf der basierend eine Tätigkeit oder Ähnliches erfolgreicher
 und bewusster trainiert und ausgeübt werden kann. Und allem Vorweg
steht die erste Handlung, durch die schließlich gelernt wird.

4. Grenzerfahrungen und ihr Erkenntnisgewinn

Vielleicht scheint es abgedroschen, die Bewerbungsphase als Grenzerfahrung zu
bezeichnen. Und doch fühlte sich diese zeitweise genau derart an. Ich kam an
meine eigenen Grenzen, hinterfragte meinen Körper, meinen Geist und meine
Bedürfnisse und prüfte dabei, welche Tätigkeit für mich die Richtige war.
Anstatt irgendeine Stelle anzunehmen, um endlich eine Anstellung zu haben,
arbeitete ich in drei verschiedenen Tätigkeiten, um mich über Wasser zu halten
und fand dabei heraus, was das Richtige für mich war. Neben den 
Vorstellungsgesprächen und den Bewerbungen, die ich schrieb, blieb da
kaum noch Zeit für meine Freunde oder mich selbst. Einerseits kam es mir
 in dieser Phase so vor, als würde ich immer wieder neu Beginnen und
andererseits genoss ich den Erkenntnisgewinn, den ich mir bei jedem
neuen Gespräch zu Nutze machen konnte. So fing ich zum Beispiel damit
an, Bewerbungen anders aufzubauen: ich ließ das Anschreiben komplett weg
 und verwies lediglich in der E-Mail kurz auf mein großes Interesse an
der ausgeschriebenen Position und dem jeweiligen Unternehmen. Bei fast
allen dieser Bewerbungen wurde ich kontaktiert und zum Gespräch
eingeladen. Außerdem nahm ich mir die Zeit, Bücher zu lesen, in denen es
 unter anderem um die Fragen ging, wie ich meinem Gegenüber ein Gefühl
von verstanden werden und Anerkennung vermitteln konnte und probierte
mich mit diesem Wissen direkt aus.

In einem Gespräch stieß ich besonders an meine Grenzen. Ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, in dem ich für eine klar definierte Position vorsprach. Zuerst unterhielt ich mich mit dem Abteilungsleiter, der von Anfang an absolut von mir angetan war. Das Gespräch verlief sehr positiv. Direkt
im Anschluss daran hatte ich ein kurzes Interview mit dem Koordinator
des Departement Deutschlands. Dieser beharrte das gesamte Gespräch
hindurch darauf, dass ich ihm eine bestimme Terminologie definieren
solle. Ich konnte das jedoch nicht, da ich weder aus dem BWL-Bereich
kam, noch die gewünschten Worte fand, die er hören wollte. Am Ende des
Gespräches  offenbarte er mir, dass jene Stelle, für die ich vorsprach,
bereits besetzt sei. Er hätte jedoch eine weit aus einfachere Position,
die ich übernehmen könne. Ich wusste in diesem Moment bereits, dass er
von Anfang an nach Mitteln und Wegen gesucht hatte, mich in diese
Position zu drängen. Unabhängig davon, ob die Stelle tatsächlich
vergeben war oder nicht. Bei der mir angebotenen Stelle fühlte ich mich
direkt unter Wert verkauft, ich hätte mir damit meine eigene Motivation
und Fähigkeit geraubt, mich zu entfalten. Und sagte ab.

5. Berufliche Entscheidungen und Nachhaltigkeit

Dieses oben beschriebene Gespräch frustrierte mich derart, dass ich zwei Tage
lang keine Lust mehr hatte, mich noch weiter anzustrengen. Ich zweifelte
kurzzeitig daran, ob ich so behandelt wurde, weil ich das „Falsche“ studiert hatte
 oder weil ich eine Frau war? Ob es wirklich an meinem Wissen lag oder
an „fehlenden Kompetenzen“. Nach diesen zwei Tagen reinster Frustration
raffte ich mich zusammen und beschloss: ich werde die Zeit für das
nutzen, was für mich selbst entscheidend ist, denn die Zeit ist unser
wertvollstes Gut. Daraus zog ich außerdem, dass ich mich niemals klein
machen werde, unabhängig davon, was ich bisher erreicht, welche
Kenntnisse und Erfahrungen ich gewonnen habe oder wer ich bin. Wenn ich
etwas erreichen möchte, dann erreiche ich das, ich muss mir nur das
richtige und dazu passende Umfeld schaffen, in dem diese Entwicklung
möglich ist. Natürlich kann es sein, dass ich in Schubladen gesteckt
werde aber das sind nicht meine Probleme und ich werde mir die
Schubladen anderer nicht länger aneignen. 

6. Mein Fazit

Die Berufswelt ist so vielseitig und verrückt, dass es sich lohnt, genau
herauszufiltern, welcher Zweig zu einem persönlich passt und nicht, wo
man gut verdient oder super Ansehen erlangt. Und auch die Art der
Arbeitsweise, ob angestellt, freiberuflich, ob von Zuhause aus oder in einem Büro, ob in einem kleinen Team, als Einzelkämpfer oder als Teil eines großen Teams, ob national oder international. All diese Faktoren können getestet und ausprobiert werden.
Und es lohnt sich. Zur Zeit arbeite ich in zwei Sparten als Freiberuflerin und
in einer als Aushilfe, das klingt anstrengend und stressig und ist es auch.
Aber es ist zudem sehr vielseitig und eindrucksvoll, und inspirierend, wenn ich
die Augen offen halte.

Mein Tipp an jede_n Suchende_n

Finde heraus, welcher Typ Mensch du bist, was du brauchst, wonach du dich
sehnst, teste, was dich interessiert, lass dich nicht selbst in Schubladen stecken, habe keine Angst zu scheitern, du lernst aus Fehlern sehr viel mehr als daraus, es nicht probiert zu haben. Achte auf dein inneres Mantra und auf dich selbst. Wenn du aus der passiven Empfängerrolle in die aktive Macherrolle gehst, selbst, wenn dies anfangs sehr schwer sein kann, wirst du finden, wonach du suchst.

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