Foto: Alicia Keys | Instagram

Women’s March: Die Revolution hat gerade erst begonnen

Der Women’s March in Washington und überall auf der Welt hat gezeigt, wir sind viele und wir können etwas bewegen.

 

Alicia Keys auf dem Women’s March: „Wir werden uns erheben“

Der vergangene Samstag wird in Geschichte eingehen, so viel steht fest: Über fünf Millionen Menschen haben sich am 21. Januar auf der ganzen Welt zusammengefunden, um gemeinsam und friedlich für eine gerechtere Welt zu demonstrieren, Zusammenhalt zu zeigen und klarzumachen: Wir sind viele, wir sind da und wir werden nicht stoppen, bis sich etwas ändert. Der Women’s March war kein einmaliges Ereignis, er markiert den Anfang einer Bewegung, die noch viel vor sich hat. Wie es nach der Demonstration weitergehen soll, zeigen die Initiatorinnen mit einem zehn Punkte-Programm für die nächsten 100 Tage, das nach und nach auf der Website vorgestellt wird.

Punkt eins ist bereits online und setzt ähnlich wie mit dem gemeinsamen Gang da an, dass wir alle etwas bewegen und uns einmischen können – und es dazu nicht viel mehr braucht, als den Willen, sich Gehör verschaffen zu wollen. So sieht der erste Schritt des Aktionsplans vor, dass alle Unterstützerinnen und Unterstützer einen Brief an die entsprechenden Senatoren ihres Bundesstaat schicken, in dem sie deutlich machen, welche gesellschaftspolitischen Themen ihnen besonders am Herzen liegen, warum und wie dazu beigetragen werden kann, dass es in diesem Bereich vorangeht. Wenn hierbei auch nur halb so viele Unterstützer mitziehen, wie sich am vergangen Wochenende eingefunden haben, werden die US-Senatoren in den nächsten Wochen jedenfalls ziemlich viel Post erhalten – gut so!

Prominente Unterstützerinnen: Heute stehen wir Seite an Seite

Auch viele prominente Unterstützerinnen haben sich an diesem Tag in Washington zusammengefunden und machen deutlich, das auch sie nicht bereit sind, länger zu schweigen. Ganz zum Unmut von Trump, der gleich auf Twitter verlauten ließ, dass die Prominenten „der Sache“ schaden würden. Nun, wenn mit die Sache er selbst und die Regierung, für die er steht, gemeint ist, ist  diese Analyse nicht von der Hand zu weisen. Aber was bewegte denn nun die prominenten Frauen, die sich entschlossen haben, an diesem Samstag mit auf die Straße zu gehen?

Madonna rief etwa dazu auf, die Wahl Trumps nicht als Ende von etwas, sondern als Anfang einer neuen Bewegung zu sehen: „Das Gute hat nicht die Wahl gewonnen, aber das Gute wird am Ende gewinnen.“  Und weiter: „Die Revolution beginnt jetzt.“

Schauspielerin Scarlett Johannson machte in einer sehr persönlichen Ansprache deutlich, warum es so wichtig ist, gegen die finanziellen Kürzungen durch die neue Regierung bei Plannend Parenthood, einer Organsation, die Dienste zur Familienplanung (inkl. Verhütung, Schwangerschaftstests und Abtreibungen) anbietet, Flagge zu zeigen und dass dieser Tag erst der Anfang sei. „Ich verspreche, weiterhin unermüdlich für diese Sache zu kämpfen.“ Auch Miley Cyrus hatte ihr Demonstrationsplakat dem Support der Organisation gewidmet.

Schauspielerin America Ferrera zeigte sich kämpferisch und betonte ebenfalls , dass mit diesem Tag, mit dieser Demo alles erst beginnt: „Zusammen werden wir kämpfen, standhalten und gegen jede Aktion eintreten, die das Leben und die Würde von uns allen, von den Mitgliedern unserer Community bedroht.“ Drew Barrymore zeigt sich besonders bewegt von dem Zusammenhalt, den die Demo enthüllt: „Ich liebe Frauen. Ich lebe für meine zwei Töchter. Und ich bin heute erfüllt von Stolz und dem Gemeinsamkeitsgefühl mit allen Frauen.“

Amy Schumer verkündete schon einen Tag vor der Demo via Instagram, warum sie auf die Straße gehen wird. „Ich werde morgen mit Liebe im Herzen und Hoffnung in unsere Zukunft an der Demonstration teilnehmen. Ich marschiere aus vielen Gründen. Aber vor allem, weil ich einfach dabei sein will und deutlich machen möchte, dass ich gemeinsam mit allen für das kämpfen werde, was richtig ist. So dass wir alle sicher und gleichberechtigt zusammenleben können.“ Und Alicia Keys bringt es schlussendlich auf den Punkt: „Wir sind Mütter. Wir sind Beschützerinnen. Wir sind Künstlerinnen. Wir sind Aktivistinnen. Wir sind Unternehmerinnen, Doktorandinnen, Vorsitzende in Industrie und Technologie. Unser Potenzial ist grenzenlos. Wir werden uns erheben.“

Besonders erwähnenswert ist aber auch die Rede von Gloria Steinem und Angela Davis, als langjährige Aktivistinnen für die Rechte der Frauen. Steinem kommentiert in ihrer Ansprache nicht nur die politische Gegenwart messerscharf, sondern schlägt auch einen Bogen zum Einfluss des politischen Protests der Vergangenheit – und macht deutlich, was Zusammenhalt alles bewegen kann: „(…) dieser Tag wird uns für immer verändern, weil wir zusammenstehen. Jeder von uns wird für sich selbst, aber auch im Kollektiv, nicht mehr der selbe sein.“ Auch Angela Davis nutzt diesen Tag um noch einmal an die Geschichte der Unterdrückung und Skalverei zu erinnern und die Black Lives Matter-Bewegung hervorzustellen, bis sie mit der Bedeutung des Protests in der Gegenwart schließt: „Das hier ist eine Demonstration der Frauen und sie repräsentiert das Versprechen des Feminismus gegen die schädigende Mächte, die von der Staatsgewalt ausgehen kann. Ein inklusiver und intersektionaler Feminismus, der uns alle dazu aufruft, gegen Rasismus, Islamophobie, Antisemtismus, Frauenfeindlichkeit und kapitalistische Ausbeutung unsere Stimme zu erheben.“ Hier könnt ihr die gesamte Rede nachlesen.

Mehr bei EDITION F

80 Künstlerinnen protestieren gegen Trumps Sexismus. Weiterlesen

Michelle Obama: „Starke Männer müssen Frauen nicht kleinhalten, um sich mächtig zu fühlen“ Weiterlesen

Wenn eine Feministin auf Frauenfeinde trifft: Laurie Penny auf dem Parteitag der Republikaner. Weiterlesen

+ posts

Silvia hat von 2014 bis zum Herbst 2019 für EDITION F gearbeitet, zunächst als freie Journalistin, dann als Redakteurin und seit dem Jahr 2017 als Redaktionsleiterin. Seit Oktober ist sie freie Autorin und Kolumnistin und schreibt auf EDITION F weiterhin ihre Kolumne „Thirtysomething“. Im März 2019 erschien im Goldmann-Verlag ihr erstes Buch: „A Single Woman: Ein Plädoyer für Selbstbestimmung und neue Glückskonzepte“. Foto: Jennifer Fey

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.