Foto: Cottonbro | Pexels

Ein Abschiedsbrief

Ein geliebtes Haustier, die erste große Liebe, die perfektionistischen Ansprüche an sich selbst – unsere Geschäftsführerin Lana hat sich in ihrem Leben schon von einigen Sachen getrennt. Was sie aus den einzelnen Abschieden gelernt hat, schreibt sie in diesem Brief.

Liebe Leser*innen,

Abschiede fallen manchen super leicht. Mir nicht. Ich musste in meinem Leben schon einige Abschiede nehmen, alle waren sie unterschiedlich hart und unterschiedlich lang und alle haben mich etwas Neues gelehrt.

Der erste große Abschied war der Tod unseres Hundes Linus – englisch ausgesprochen wegen Charlie Brown. Linus war übrigens ein Mädchen. Ich habe sie zu meinem fünften Geburtstag geschenkt bekommen. Meine Mutter wusste, dass mein Lieblingsname damals Katrin war und zu verhindern, dass ich den Hund so nannte, hat sie kurzerhand den Unisex-Namenstrend eröffnet. Linus war zwölf Jahre lang meine Freundin. Als mir meine Mutter eines Tages am Telefon mitteilte, dass sie Linus wegen ihrer Krebserkrankung einschläfern lassen musste, saß ich auf dem Schlafzimmerboden in der Wohnung meiner ersten großen Liebe und war geschockt. Bis heute habe ich keine Träne um Linus geweint. Dieser Abschied schien kurz, aber in Wahrheit ist er einer der längsten, den ich je hatte. Auch 20 Jahre später habe ich den kleinen Hund noch immer nicht ganz gehen lassen. Abschied nehmen will gelernt sein – das hat mich der Abschied von unserer Dackelin Linus gelernt.

„Gelernt habe ich aus dieser Trennung vor allem eins: Nach Beziehungen verabschiedet man sich nicht nur von Menschen, sondern auch von Ideen.“

Apropos erste große Liebe. Als besagter Mann und ich uns trennten, war das Drama groß – zumindest auf meiner Seite, denn er hatte drei Wochen später bereits eine neue Freundin. Naja, wir waren sehr jung. Ich habe ihm verziehen und er mir auch. Gelernt habe ich aus dieser ersten Trennung vor allem eins: Nach Beziehungen verabschiedet man sich nicht nur von Menschen, sondern auch von Ideen. In diesem Fall musste ich mich von der romantischen Idee verabschieden, mein gesamtes Leben mit meiner ersten großen Liebe zu verbringen. Das war eine bittere Pille. In dieser Zeit habe ich auch viel über mich selbst gelernt. Das hat mich auf meine Beziehungen danach besser vorbereitet. Und alle weiteren Abschiede haben mich dann immer wieder anderes gelehrt.

Meinen ersten Job habe ich mit Mitte 20 verloren. Damals dachte ich, meine Karriere wäre zu Ende, bevor sie überhaupt angefangen hatte. Und uff, gefeuert werden, das ist ein Schlag in die Magengrube. Gelernt habe ich: Wenn man Jobs verliert, verliert man eigentlich nichts. Nur das Ego ist für kurze Zeit ein bisschen ramponiert. Ich halte es in der Karriere seitdem wie Aaliyah: „If at first you don’t succeed, dust yourself off and try again.“

„Im Moment muss ich mich vor allem von meinen perfektionistischen Ansprüchen an mich selbst verabschieden.“

Vergangenes Jahr habe ich einen neuen Job angefangen und ein Kind bekommen. Im Moment muss ich mich daher vor allem von meinen perfektionistischen Ansprüchen an mich selbst verabschieden. Denn Kind versorgen, Unternehmen führen, unterstützende Partnerin sein, Sport machen, Freundinnen treffen und bei alledem strahlend aussehen – das geht nicht so leicht, wie es uns vermeintlich auf Instagram vorgemacht wird. Das musste ich erst schmerzlich lernen, bevor ich mich nach und nach befreiter fühlen konnte. Work is still in progress …

Und auch wir von EDITION F verabschieden uns nach zwei Jahren. Von EDITION F Plus. Diesem Abschied stehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegenüber. Aber das lachende ist wichtiger, denn es sieht in die Zukunft und da warten spannende Dinge auf uns und unsere Leser*innen. Zum Beispiel unser neuer Newsletter EDITION F Voices: Alle zwei Wochen bekommt ihr von unseren EDITION F Expert*innen Gedanken, Trends und Empfehlungen rund um die Themen New Work, Familie, Popkultur, Gesellschaft sowie Sex und Körper direkt in euer Postfach. Natürlich immer betrachtet durch eine feministische Brille und gleichberechtigt gedacht. Also einer neuen neugierigen Stimme in eurer Inbox, die ihr auf jeden Fall auf laut stellen müsst. Ich freue mich, wenn ihr EDITION F Voices hier abonniert.

Und jetzt wünsche ich euch noch ganz viel Spaß beim Lesen und Stöbern in unserem letztem EDITION F Plus Monat, in dem sich – Überraschung! – alles um das Thema „Abschiede“ dreht.

Es verabschiedet sich
Lana

Bye – Wie wir Abschied nehmen und was wir dafür brauchen

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