Foto: Abury

Andrea Kolb: „Im Handwerk steckt kulturelles Kapital“

Andrea Kolb will mit ihrem Social Business Abury dem traditionellen Handwerk in Ländern wie Marokko und Ecuador frische Impulse geben.

 

Traditionelles Handwerk trifft junge Designer

Abury ist ein Social Business, das die traditionelle Handwerkskunst aus Ländern wie Marokko mit den Designs junger Nachwuchstalente verbindet. So entsteht eine Zusammenarbeit, die beweist, wie gut Mode und Nachhaltigkeit zusammenpassen.

Wir haben die Gründerin Andrea Kolb zum Interview getroffen und mit ihr über die Idee, ihren Hintergrund und ihr Lieblingsrezept gesprochen.

Könntest du uns kurz das Konzept hinter Abury erklären?

„Wir sind die erste internationale Plattform, die junge Designer und traditionelle Handwerks-Communitys zusammenbringt. Durch diese direkte Zusammenarbeit von Designer und Kunsthandwerker entsteht eine neue Art von ,Luxury Style´, der die Exklusivität und Qualität des Handgemachten mit den echten Geschichten der Menschen vor Ort verbindet. Jedes Produkt weist zum Beispiel die Produktionszeit aus, die für die Herstellung benötigt wurde. Wir investieren 50 Prozent der Profits aus den verkauften Kollektionen hauptsächlich in Bildungsprojekte, beispielsweise geben wir die Produktionszeit in Bildungszeit zurück. Dafür haben wir die „Abury Foundation“ gegründet. So wollen wir über den Profitshare den Menschen, Designern wie Kunsthandwerkern, ermöglichen, Ihre Zukunft mit ihren eigenen Händen zu gestalten.“

Wie ist dein persönlicher Hintergrund, der dich auf die Idee zu Abury gebracht hat?

„Auf die Idee gekommen bin ich, als ich seit 2007 fast zwei Jahre in Marrakesch lebte und ein altes Riad mitgebaut habe. Dort bin ich intensiv in Kontakt mit dem traditionellen Handwerk und den Menschen dahinter gekommen und habe erfahren, dass dieses leider nichts mehr wert ist. Handwerk wird schlecht bezahlt und bietet damit keine Perspektive für die Jugend und stirbt so langsam aus. Klingt bekannt, denn bei uns war es ja nicht anders. Dort hat die Jugend aber nicht sehr viele Alternativen. Für mich steckt im Handwerk kulturelles Kapital und 1001 versteckte Möglichkeiten. Angefangen hat dann alles, als ich ich eine alte Berberische geschenkt bekam. Einmal habe ich dann eine der wunderschönen Taschen aus Marrakesch mit nach Deutschland genommen. Und alle meine Freundinnen fanden sie so toll, dass sie auch eine wollten. Da habe ich angefangen, mir ernsthaft über ein soziales Businessmodell Gedanken zu machen – das war dann bereits 2011.“

Nachhaltigkeit spielt in deinen Kollektionen eine große Rolle, wie sehr kannst du das auch in deinen Alltag übertragen?

„Nachhaltigkeit hat ja wahnsinnig viele Facetten. Bei unseren Produkten spielt neben ökologischen Aspekten ja vor allem die soziale Verantwortung eine große Rolle. Ökologisch bewusst zu leben ist nicht immer einfach und wenn man sich mit dem Thema ernsthaft beschäftigt, weiß man ja auch, was man gerade anrichtet. In vielen Bereichen fällt es mir überhaupt nicht schwer, nachhaltig zu leben. Ich kaufe tatsächlich sehr wenig Mode, wasche vorsichtig und schaue, dass ich Lieblingsteile im Schrank habe, die ich lange behalte und anziehe. Ich esse seit Ewigkeiten kein Fleisch und fahre Strecken in Deutschland wirklich gerne mit dem Zug – meine Eltern wohnen in Stuttgart und gerade solche langen Strecken genieße ich. Allerdings gibt es dann natürlich auch einiges, das einem schwerfällt. Fliegen ist bei mir das große Problem in der CO2-Bilanz, denn ich fliege regelmäßig nach Marokko und in andere Länder. Man kann heute ja für einen eigenen neutralen CO2-Fußabdruck sorgen, was ich auch oft tue, aber trotzdem wäre ja eigentlich Vermeiden besser, als ,Strafzoll´ zu zahlen. Außerdem habe ich noch ein Auto in Berlin, da wir eben oft auch etwas transportieren müssen und es dann einfach praktisch ist, aber das wird wohl mein letztes eigenes sein. Bei den ganzen Carsharing-Angeboten ist das wirklich nicht mehr nötig.”

Du arbeitest immer wieder mit jungen Designern zusammen, nach welchen Kriterien wählst du sie aus?

„Wir haben gerade gemeinsam mit Harper’s Bazaar Deutschland und KPMG die ,Abury Design Experience´ gelauncht, mit dem Motto ,It’s in your hands – using design to inspire change´. Internationale, junge Designer können sich bis zu fünf Jahre nach ihrem Abschluss für eine Art Stipendium bewerben, um drei Monate in eines ,unserer´ Länder zu gehen – im Moment Marokko oder Ecuador. Wir arbeiten mit den Botschaften zusammen, die den Gewinnern dann eine Einführung in die Kultur geben und noch weiter unterstützen. Es kann sich jeder bewerben und aus den besten zehn wird ein Gewinner durch ein Public Voting und einer durch die Jury gewählt.“

Quelle: Abury

 

Inzwischen hast du neben Marokko auch Projekte in anderen Ländern gestartet, welche Bedinungen müssen dort erfüllt sein, um für eine Zusammenarbeit mit Abury in Frage zu kommen?

„Die Länder, beziehungsweise die Communitys suchen wir auf verschiedenen Wegen. Zum einen bekommen wir auch hier Bewerbungen – dann recherchieren wir Qualität und soziale und ökologische Standards. Außerdem überzeugen wir uns dann einmal persönlich von den Standards – das kann aber auch beispielsweise durch Leute in den Ländern geschehen, denen wir vertrauen. Dann besteht die Möglichkeit, dass wir jemanden aus einer Gemeinschaft direkt kennenlernen oder wir recherchieren Communitys, die wir spannend finden.“

Welches war deine liebste Station bisher?

„Irgendwie ist die liebste immer die nächste. Im Moment würde ich sehr gerne in die Mongolei oder nach Myanmar – wir recherchieren gerade nach Kontakten. Da wir in Asien noch kein Projekt haben, steht das ganz oben auf der Wunschliste.“

Um Marokko ein wenig ins ferne Deutschland zu holen, kannst du uns ein Rezept für ein Gericht verraten, das du von dort mitgebracht hast?

„Ein Rezept…ich esse zwar wirklich gerne, aber ich bin nicht die tollste Köchin und deswegen auch mit Rezepten eher spärlich ausgestattet. Ich backe aber gerne und in Marokko gibt es Pastilla au Lait – ein Törtchen aus ganz vielen, einzelnen hauchdünnen Teigschichten, mit Milch-Mandelcreme dazwischen! Extrem süß und sehr lecker!“

Rezept Pastilla au Lait

Zutaten:

  • 500 ml Milch
  • 100 Gramm Zucker
  • 1 Zimtstange
  • Geschmolzene Butter
  • Orangenblütenwasser
  • 2 EL Speisestärke
  • Filoteig

Speisestärke mit etwas Milch in einem kleinen Schälchen auflösen. Die restliche Milch mit dem Zucker, dem Orangenblütenwasser und der Zimtstange aufkochen lassen. Nachdem die Milch aufgekocht ist, die aufgelöste Speisestärke hinzugeben und den Topf vom Herd nehmen. Die Masse rühren, bis sie eine cremige Konsistenz erreicht hat. Die Milchcreme durch ein Sieb geben, um verbleibende Klümpchen herauszufiltern. Nun die Creme abkühlen lassen und in der Zwischenzeit die Filoblätter zuschneiden. Dafür mit einem Messer um einem Glas (ca. 4 cm Durchmesser) fahren und den Filoteig so in gleichmäßige Kreise schneiden. Backpapier auf ein Backblech legen, jedes Filostück mit geschmolzener Butter bestreichen und bei 180 Grad für 10-15 Minuten goldbraun backen.

Servieren: Ein Esslöffel Milchcreme auf einen Teller geben, zwei Filoblätter darauf stapeln und erneut eine Schicht Milchcreme darauf geben. Dies wiederholen, bis 3-4 Schichten entstanden sind, geendet wird mit der Milchcreme, über die noch ein wenig Zimt gestreut wird.

Bewerbungen für die „Abury Design Experience“ gerne hier.

Mehr auf EDITION F:

Cathrin Brandes: „In Sachen Fleisch entsteht ein neues Bewusstsein.“ Weiterlesen

Pro Bono: Lohnt sich das für mein Unternehmen? Weiterlesen

Die Macht der Moral. Weiterlesen

Madeleine: „Bewusster Konsum ist auf Instagram kein Thema.“ Weiterlesen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

About Zeen

Power your creative ideas with pixel-perfect design and cutting-edge technology. Create your beautiful website with Zeen now.

Weitere Beiträge
Meine Bilanz nach einem halben Jahr als alleinerziehender Vater