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Acht Tipps zum Auswandern

Du spielst mit dem Gedanken, (für einige Zeit) auszuwandern?
Tu es! Vielleicht helfen dir meine Erkenntnisse aus Italien.

 

Sei mutig

Als ich 2012 mit meinem damaligen Freund nach Italien
(Südtirol) auswanderte, konnten wir vorab keine Wohnung dort mieten. Das
ist in einem fremden Land ohne Kontakte und vorzuweisendes Top-Einkommen eh schwierig, in Südtirol, mit seinem liebenswerten, aber vorerst verschlossenen Bergvolk, nahezu unmöglich. So verbrachten wir die ersten Nächte im Zelt  auf dem Campingplatz. Wir setzten uns eine Frist, wie lange wir es dort auszuhalten gedachten, immerhin war es schon September. Ob wir den ganzen Winter im Zelt verbrachten, kannst du weiter unten nachlesen.

Sei schlau

So mutig du auch sein sollst, sei trotzdem schlau. Und schlau heißt, du solltest vorbereitet sein und unter anderem folgende Fragen vorab klären:

  • Gibt es meinen Beruf im Auswander-Land, wird er bestenfalls gesucht und wird mein Abschluss dort anerkannt?
  • Wie überbrücke ich die Zeit der Jobsuche? Habe ich Rücklagen? Kann ich Arbeitslosengeld aus Deutschland mitnehmen?
  • Kann ich Versicherungen etc. im Ausland nutzen, kann ich manches pausieren lassen? (Meine Haftpflichtversicherung galt zum Beispiel ganz normal in Italien und meine BAFöG-Rückzahlung konnte ich pausieren.)
  • Spreche ich die Landessprache oder kann ich mit Englischkenntnissen wirklich dort arbeiten?

Sei tapfer

Ich bin eine gut aus- und weitergebildete Pädagogin und
dachte, im deutschsprachigen Norden Südtirols sollte es möglich sein, in meinem Beruf zu arbeiten. Pädagogische Stellen sind aber zumeist staatlich ausgeschrieben, somit sind Italienischkenntnisse Pflicht. Was ich erst vor Ort in Erfahrung brachte. Ich bekam trotzdem schnell ein Jobangebot – in einer
Speckfabrik! Somit packte ich also Speck am Fließband ein. Speck einpacken, am Fließband und in einer Kühlhalle arbeiten, Schutzkleidung tragen – das ist
alles nicht schlimm. Wirklich, das ist aushaltbar. Und auch Anfeindungen sind
eine Zeit lang aushaltbar. Tapfer sein, Zähne zusammen beißen, das Ziel nicht
aus den Augen verlieren. Ich verstand ja sogar, warum ich angefeindet wurde.
Ich war anders und der Job war nicht überlebenswichtig für mich, da ich
jederzeit in Deutschland einen besseren finden konnte. Ich war nicht aus existentiellen Gründen ausgewandert und vielleicht nicht dankbar genug. Irgendwann ging es mir aber nicht mehr gut damit und es war an
der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.

Sei kreativ

Nun zu der Frage, ob uns im Südtiroler Tiefschnee die Zehen
abgefroren sind. Nein. Im Aufenthaltsraum des Zeltplatzes lag eine
Dorf-Zeitschrift, in der ich einen Artikel las über einen Auswanderer, der
jetzt in der Pizzeria Schupferwirt arbeitet. Die Pizza ist, nebenbei, übrigens sehr zu empfehlen. Abends aßen wir dort und löcherten den besagten Mann mit Fragen und bekamen so den entscheidenden Tipp, um eine Wohnung zu finden. Manche Ferienwohnungen werden „über Dauer“ mit mündlichem Mietvertrag vermietet, die Miete wird bar gezahlt. Ob das gänzlich legal ist, war uns, da wir uns dort anmelden konnten, egal.

Sei frei

Wir haben in Berlin unsere Wohnung aufgelöst und den Großteil unseres Besitzes verkauft, gespendet und verschenkt, da wir in einem Fiat Panda
auswanderten. Ich wiederhole: in einem Fiat Panda. Zu zweit. Auswandern. Alle Sachen, die ich im Ausland nicht dabei hatte, vermisste ich auch zurück in Deutschland nicht.

Sei treu

Wen ich allerdings zuweilen vermisste, waren Freunde und Familie. Daher mein Tipp: ganz schnell Internet besorgen und über Internettelefonie und andere Kanäle in Kontakt bleiben.

Sei offen

Sei aber auch offen für neue Kontakte. Eine meiner besten Freundinnen habe ich in Südtirol kennengelert und meinen 30. Geburtstag habe ich im Kreis toller Menschen verbracht. Ich habe mich an die Aussprache gewöhnt, liebe jetzt das Südtiroler Essen und konnte meinen kulturellen Horizont erweitern.

Sei dankbar

Egal, in welchem Job du im Endeffekt landest, wie einsam du dich manchmal fühlst, wie ungleich du behandelt wirst – zurück in Deutschland wirst du irgendwann dankbar sein für diese Erfahrungen.

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