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Altersarmut bei Frauen: Was wir jetzt dagegen tun müssen

Finanzen waren nie mein Thema. Doch irgendwann kamen die Fragen: Wie viel Rente werde ich einmal bekommen? Und wie viel brauche ich überhaupt, um gut leben zu können? Könnte mich Altersarmut etwa auch treffen?

 

Altersarmut in Deutschland 

Wer wie ich in einer Stadt wie München wohnt, hat mit Sicherheit schon das ein oder andere Mal beobachten können, wie scheinbar „normal“ aussehende Senioren in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen. Oft merkt man ihnen an, wie beschämt sie darüber sind, diese Arbeit tun zu müssen. Die Vorstellung im Müll zu kramen und schwere Flaschen für manchmal nur acht Cent das Stück durch die Gegend zu tragen ist furchtbar. Vor allem in einem Wohlstandsland wie unserem. Aber die traurige Wahrheit ist, dass diese Menschen nunmal nicht anders können. 

Aber hören wir auf sentimental zu sein und werfen mal einen Blick auf die Fakten und die Frage: Kann dir so etwas auch eines Tages passieren, oder bist du als Frau mit deinem tollen Job und deinem liebevollen Ehemann safe?

Altersarmut: die Fakten 

Die Altersarmut in Deutschland steigt erheblich, und zwar besonders unter Frauen. Falls du denkst, du kannst dich jetzt zurücklehnen, weil du einen gut bezahlten Job hast und noch dazu einen Freund oder Ehemann, der ebenfalls gut verdient, solltest du umso dringender diesen Beitrag lesen. Denn weder dein gut bezahlter Job, noch deine glückliche Familie können dich sicher vor Armut im Alter bewahren. Laut einer Studie der Wirtschaftsforschungsinstitute DIW und ZEW im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, wird in 20 Jahren jeder fünfte 67-Jährige von Altersarmut bedroht sein. Das Armutsrisiko der Neurentner steigt laut den Autoren von aktuell 16,2 Prozent auf 20,2 Prozent.

Was bedeutet eigentlich armutsgefährdet?

Altersarmut klingt zunächst wie ein schwammiger Begriff. Ab wann ist man denn überhaupt armutsgefährdet? Statistisch betrachtet gilt als arm, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung hat. Das trifft heutzutage auf mehr als 12,9 Millionen Menschen zu. Somit bist du als Single dann arm, wenn du weniger als 917 Euro netto verdienst. Eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind (unter sechs Jahren) ist mit weniger als 1.192 Euro monatlich arm. Und eine vierköpfigen Familie, je nach Alter der Kinder, mit 1.978 Euro bis 2.355 Euro netto.

Vielleicht freust du dich jetzt, weil du schon allein mit deinem eigenen Nettogehalt noch eine vierköpfige Familie versorgen könntest, ohne als arm zu gelten. Aber wie sieht denn deine Rente später einmal aus?

Die Standardrente

Laut der aktuellen Statistik der Deutschen Rentenversicherung liegt die monatliche Standardrente in den alten Bundesländern bei 1.231,45 Euro und in den neuen Bundesländern bei 1.217,25 Euro (Stand: 01.07.2015). Klingt eigentlich ganz gut. Wir Singles sind hier also definitiv über der Grenze zur Altersarmut, oder?

Leider nein! Denn die Standardrente wird nur vom sogenannten Eckrentnern erreicht. Eckrentner ist, wer 45 Jahre lang stets das Durchschnittsgehalt aller Versicherten bezogen und daraus auch immer in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Falls du also mit 26 Jahren dein Studium beendet und erst einmal drei Praktika gemacht hast, um dann mit einem niedrigen Anfangsgehalt  einzusteigen, könntest du schon Probleme bekommen. Gleiches gilt, für den Fall, dass du mit 17 eine Ausbildung angefangen und dann drei Kinder bekommen hast und eine Auszeit von insgesamt sieben Jahren hattest.

Viele Versicherte gehören also nicht der Kategorie „Eckrentner” an. Denn wer kann schon 45 Beitragsjahre in der Rentenversicherung nachweisen? Wer hat in den 45 Jahren permanent das Durchschnittsgehalt aller Versicherten verdient

Standardrente vs. realer Rente

Sehr viele Versicherte müssen also mit wesentlich niedrigeren Altersrenten als der Standardrente rechnen. So lag der durchschnittliche Zahlbetrag der Versichertenrenten am 1. Juli 2014 bei 1.061 Euro für Männer bzw. 770 Euro für Frauen in den alten Bundesländern und 993 Euro (Männer) bzw. 532 Euro (Frauen) in den neuen Bundesländern.

Mal ganz ehrlich: Wer kann denn von 532 Euro Rente leben? Davon könnte ich momentan nicht mal meine Miete bezahlen. Abgesehen davon, muss die Rente übrigens versteuert werden. Nicht zu vergessen die Krankenversicherung, die du natürlich auch noch davon zahlen musst. Dass Arztkosten im Alter steigen, muss ich an dieser Stelle vermutlich nicht explizit erwähnen.

Wie sollte deine Rente aussehen?

Die gesetzliche Rente reicht für die Alterssicherung also nicht aus. Private Vorsorge ist unverzichtbar, denn schon heute haben rund 22 Millionen Bundesbürger eine durchschnittliche Rentenlücke von über 800 Euro im Monat!

Wie viel brauchst du im Alter zum Leben? Idealerweise stehen dir später 60 Prozent von deinem jetzigen Bruttogehalt zur Verfügung. Angenommen, du verdienst aktuell 3.000 Euro brutto, solltest du also mindestens 1.800 Euro monatliche Rente haben, damit du deinen Lebensstil halten kannst. 

Man geht davon aus, dass man im Alter weniger Bedürfnisse hat und weniger braucht. Dabei ist aber schon von vornherein klar, dass der Staat diesen Beitrag nicht abdecken wird. Aktuell sind ca. 45 Prozent durch die gesetzliche Rentenversicherung abgedeckt. Das wären 1.350 Euro. In Wirklichkeit ist es noch weniger. Wenn du dich nur auf die gesetzliche Altersvorsorge verlässt, fehlen dir jeden Monat 450 Euro zum Überleben! Es ist also bereits vorgesehen, dass du dich um die restlichen 15 Prozent selbst kümmerst. Falls du das noch nicht machst, dann wird es jetzt  höchste Zeit, Geld zu sparen und rentabel anzulegen!

Risikogruppe: Frauen

Wie wir oben gesehen haben, ist jeder Fünfte also von Altersarmut betroffen. Wenn man bedenkt, dass wir den niedrigsten Arbeitslosenstand seit Ewigkeiten haben und die deutsche Wirtschaft grad im Höhenflug ist, ist diese Zahl schlimm. Nicht nur schlimm, sondern alarmierend ist der Blick auf Frauen: Das Armutsrisiko für alleinstehende Frauen liegt bei: 27,8 Prozent!

Hintergrund ist, dass Frauen nach ihrer Elternzeit häufig in Teilzeit oder einen Mini-Job einsteigen, um sich weiterhin um die Kinder kümmern zu können. Der Mann arbeitet Vollzeit und bringt nicht nur das Geld nach Hause, sondern zahlt dadurch auch regelmäßig in seine eigene Rentenversicherung ein. Was passiert, wenn die Ehe geschieden wird oder wenn die beiden generell nicht verheiratet sind? 

Worüber sich heute niemand Gedanken machen möchte, kann morgen schon Altersarmut bedeuten. Selbst, wenn man viele Jahre verheiratet war, wird die Rente deines Ex-Mannes später keine zwei Haushalte versorgen können.

Deine Altersvorsorge als Mutter

Helma Sick, deren Bücher ich dir wärmstens ans Herz lege (besonders dann, wenn du Mutter bist) hat folgenden Rat: Geh mit deinem Freund oder Mann zum Finanzberater, lass dir ausrechnen, wie viel Geld dir abhandenkommt, wenn du zu Hause bleibst und die Kinder hütest. Für diese Summe, die dir im Alter fehlt, muss eine private Altersvorsorge für dich abgeschlossen werden, die dir dann später einen würdevollen Ruhestand sichert. Mit oder ohne Ehemann.

Es ist vielleicht nicht die romantischste Sache, die du mit deinem Freund oder Mann tun kannst, aber ein Mann, der dich liebt, wird wollen, dass es dir auch später ohne ihn gut geht. In den meisten Fällen ist die Entscheidung für ein Kind, eine gemeinsame Entscheidung. Die Ausführung der Erziehung leider immer noch einseitig.

Übrigens werden dir später auch deine Kinder dankbar sein, weil du nicht auf ihre Hilfe angewiesen bist, sondern auch deine Enkelkinder im besten Fall unterstützen kannst.

Was also tun?

Falls du dich noch nicht mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, dann hoffe ich, dass du diesen Wake-up-Call ernst nimmst und anfängst deine finanzielle Lage zu analysieren und deine finanzielle Zukunft zu planen. 

Fang an dein Geld zu sparen, investiere es rentabel in Aktien, ETFs oder auch Kryptowährungen, und überlass deine Zukunft nicht dem Zufall. Hör vor allem auf, dich  auf andere Menschen oder den Staat und die Politik zu verlassen.

Dieser Beitrag ist zuerst auf Fortunalista.de erschienen. Wir freuen uns, dass er auch hier veröffentlicht wird.

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