Foto: Amy Schumer: The Girl with the Lower Back Tattoo | Gallery Books

Amy Schumer: „Die Menschen wollen, dass du das perfekte Opfer bist“

Ja, die US-Comedian Amy Schumer ist verdammt lustig. Doch mit ihrem gerade erschienen Buch zeigt sie eine ernste Seite – denn hier erzählt sie in persönlichen Essays von ihrer Erfahrung mit sexueller Gewalt und dem Weg den sie ging, um heute da zu sein, wo sie ist.

 

„Ich zeige euch meine Fehler, meinen Schmerz, mein Lachen“

Gewalttätige Beziehungen? Das passiert doch nur schüchternen Frauen und Männern, mit einem geringen Selbstbewusstsein. So lautet zumindest das gängige Vorurteil. Doch kennt nicht fast jeder von uns einen Menschen, der in einer Beziehung bereits psychische oder physische Gewalt erlebt hat und wenn er oder sie endlich darüber reden kann, wundern wir uns, dass wir erstens nichts davon mitbekommen haben und zweitens, es so gar nicht zu dieser Person passt, dass sie das mitgemacht hat? Nun, Erklärungen sind hier nicht im Schwarz und Weiß zu finden. Ebenso wenig wie es für sexualisierte Gewalt eindeutige Schablonen gibt, mit denen wir von außen festlegen können, was dazu zählt und was nicht. Und doch geschieht genau das Opfern immer wieder.

Etwa Amy Schumer, der US-Comedian, die vor allem für ihren Witz, ihre große Klappe, ihren Feminismus und dafür bekannt ist, wirklich schonungslos humorvoll mit sich selbst umzugehen. In ihrem gerade erschienen Buch „The Girl With the Lower Back Tattoo“, erzählt sie in persönlichen Essays von ihrer Familie, von einer gewalttätigen Beziehung sowie von Fehlern die sie gemacht hat. Und sie schreibt darüber, wie sie ihre Jungfräulichkeit an ihren damaligen Freund verlor, der Sex mit ihr hatte, als sie im Halbschlaf war – ohne dass er zuvor mit ihr gesprochen, sie geküsst oder er sichergestellt hätte, dass sie überhaupt wach ist.

„Without asking first, without kissing me, without so much as looking me in the eyes – or even confirming if I was awake.“

Er entschuldigte sich am nächsten Tag dafür und sie sagte ihm, alles sei OK – schließlich wollte ihr 17-Jähriges Ich nicht, dass sich ihr Freund schlecht fühlt.

„I was seventeen years old and wanted my boyfriend to like me.“

Heute kann sie offen sagen, dass das alles andere als OK, sondern ein Übergriff war. Und dennoch muss sie sich von anderen Menschen immer wieder anhören, das sei doch nicht wirklich sexualisierte Gewalt gewesen, es sei doch schließlich ihr Freund! Und sie hätte es doch sicherlich auch gewollt. Aber auch dazu findet  Amy im Interview mit dem US-Talkshowmoderator Howard Stern über ihr Buch deutliche Worte:

„People, they want you to have been raped perfectly, and they want you to be a perfect victim. People hear me say that and they go, ‘no, she’s like a slut’ and ‘I bet she knew’ — like, right away, you start doubting. We’re so critical and it makes victims really not wanna speak up, and so I think it’s me saying, look, I didn’t have a perfect rape.“

Sexualisierte Gewalt hat viele Gesichter – und wir sollten Menschen darin bestärken, offen darüber zu sprechen, was ihnen widerfahren ist, statt sie gleich wieder zum Schweigen zu bringen. Alles andere stärkt die Rape Culture, in der wir leben und fördert damit eine Kultur des Duldens, Schämens und Vertuschens, die einfach nur unerträglich ist.

Amy Schumer: „The Girl with the Lower Back Tattoo“, Gallery Books, August 2016, 336 Seiten.

Am 1.9. 2016 erscheint das Buch in deutscher Sprache im Piper Verlag.

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