Foto: anafricancity.tv

An African City: Wie eine Webserie mit unseren Vorurteilen aufräumt

Accra ist das neue New York – zumindest in der Webserie „An African City“. Sie begleitet fünf gut ausgebildete junge Afrikanerinnen auf ihrem Weg sich in der ghanaischen Gesellschaft zu behaupten.

 

An African New York City

Fünf intelligente, selbstbewusste und wahnsinnig gut angezogene junge Frauen sind die Protagonistinnen einer Webserie von Nicole Amarteifio und Millie Monyo. Die fünfzehnminütigen Folgen drehen sich um Karriere, Beziehungen und Emanzipation. Diskutiert werden diese Themen in hippen Cafes, angesagten Restaurants oder in den schicken Wohnungen der Protagonistinnen. So weit, so „Sex and the City“. Das Besondere an dem Leben von Zainab, Ngozi, Nana Yaa, Sade und Makina: Es spielt in Accra, der Hauptschadt Ghanas. „An African City“ erzählt ihre Geschichten.

Alle fünf sind junge afrikanische Frauen, die in den USA oder England studiert haben und nun nach Ghana zurückgekehrt sind. Sie gehören der ghanaischen Oberschicht an, wollen Karriere machen und kämpfen mit den kleinen und großen Hürden, die ihnen diesbezüglich in den Weg gelegt werden. Und nebenbei kreist immer wieder alles um das Thema: Sex.

Die Serie schafft damit zwei Dinge: Zum einen zeigt sie ein Afrika, dass wir bisher aus den Medien und in Serienadaptionen kaum kennen. Die fünf Powerfrauen haben die gleichen Probleme, die Freundinnen in New York, Paris und Berlin haben. Sie erleben frustrierende und tolle Dates, sie haben wahnsinnig schlechten und wahnsinnig guten Sex, sie sind tot unglücklich und über alles glücklich verliebt, sie versuchen sich in einer patriacharlischen Gesellschaft zu behaupten und ihre emanzipativen Lebenswege gegenüber alten Rollenklischees durchzusetzen. Dabei sind sie durchgängig top gestylt – nahezu ausschließlich in afrikanischen Designern. Sie haben Spaß an ihrer Sexualität und sprechen ganz offen darüber. Männer nehmen in der ganzen Serie dabei erfrischender Weise nur Nebenrollen ein.

Ein neuer Blick 

An African City führt uns also vor Augen, wie einseitig unser Bild von Afrika als Elendskontinent ist. Sicherlich symbolisieren die fünf Freundinnen mit Nichten die Mehrheit der ghanaischen oder gar afrikanischen Gesellschaft. Aber sie geben einen Einblick in eine Realität, die eben zu einem umfassenden Bild des Kontinents auch dazu gehört. Und sie zeigt, dass es junge, aufstrebende Frauen gibt, die den Kontinent verändern können.

Zum anderen schafft die Serie es aber auch immer wieder, wichtige Kritik an den herrschenden Verhältnissen in Afrika zu üben. Ein Beispiel: Drei der fünf Freundinnen sind gemeinsam auf einem Date in einem Restaurant mit drei Männern, die für die Regierung arbeiten. Das Thema kommt auf Kondome. Die Männer sind äußerst überrascht darüber, dass die Frauen, bis auf Ngozi, die die Gläubige unter den Freundinnen ist und als einzige keinen Sex vor der Ehe will, nur mit Kondomen Geschlechtsverkehr haben. Das würden sie doch gar nicht brauchen, denn sie würden ja „clean“ aussehen. Sade, Mekena und Ngozi sind entsetzt über so viel Ignoranz und sagen den Männern offen, was sie davon halten. Wofür sie am nächsten Tag leider die Quittung bekommen. Die sehr
erfolgreiche Geschäftsfrau Mekena bekommt Besuch von ihrem wütenden
afrikanischen Geschäftspartner, der ihr eröffnet, dass sie die Aufträge der
Regierung verlieren, wenn Mekena sich nicht bei den Männern entschuldigt.
Leider ist auch das immer noch afrikanische Realität. „An African City“ gibt
uns einen ungeschönten Einblick.

Wichtige Diskussionen werden am Pool geführt

Ein anderes Beispiel: Die fünf Freundinnen liegen am Pool und diskutieren ihr Sexleben. Am offenherzigsten spricht mal wieder Sade, die definitiv mit der Derbheit der von vielen heißgeliebten Samantha mithalten kann. Dann erzählt Mekena von ihrer aktuellen sexuellen Frustration und wie sehr sie darauf hofft, dass dieser Trockenphase am kommenden Abend ein Ende gesetzt wird. Und dann erklärt sie zögerlich, dass sie nicht weiß, ob sie es schafft darauf zu bestehen, dass ihr Sexpartner ein Kondom benutzt. Dafür bekommt sie direkt einen Einlauf von ihren Freundinnen, die ihr die Brisanz ins Gedächtnis rufen wollen, die es hat, in Afrika kein Kondom zu benutzen. Daraus entwickelt sich eine Diskussion über westliche Propaganda. Wir erfahren, dass die HIV-Rate
in Washington D.C. genauso hoch ist. Was Sade zu dem Schluss bringt: „Propaganda or not, it is your life, Mekena!“

Wo bleibt der Rest der ghanaischen Gesellschaft?

An der Serie gibt es aber auch einige Kritikpunkte: Wie schon angesprochen, spiegeln die fünf Frauen nur einen sehr geringen Prozentsatz der Bevölkerung in Ghana wieder. Die Themen, die sie beschäftigen, sind die einer priviligierten Schicht. Dennoch räumt die Serie, wie beschrieben, immer wieder auch Kritik für die gesellschaftliche Situation ein. Nicht alles wird offen angesprochen, aber durch die Darstellung des Alltags der jungen Frauen, wird viel Kritik unterschwellig geübt. Zu kritisieren sind sicherlich auch die manchmal etwas holprig wirkenden Dialoge. Die Serie kann nicht verstecken, dass sie mit einem geringen Budget produziert wurde. So sind die fünf Frauen aus Mangel an Statisten oft die einzigen Gäste in einem Restaurant. Und vielen Nebendarstellern merkt man an, dass sie eben keine echten Schauspieler sind. Diese Dinge tun unserer Begeisterung aber nur wenig Abbruch, denn wir sind dankbar für den neuen Blick den die fünf Frauen uns eröffnen. 

Die erste Staffel von An African City ist frei auf Youtube verfügbar. Nach dem Erfolg der ersten Staffel, kann man die zweite Staffel auf der Website kaufen.


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