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Anfangen ist schwer

Eigentlich will ich nur schreiben. Doch immer wieder traue ich mich nicht.Jetzt und hier bringe ich den Mut auf.

 

Es ist manchmal einfach so schwer etwas zu beginnen. So lange schon nehme ich mir vor zu schreiben. Doch immer wieder scheue ich mich davor. Was habe ich schon der Welt mitzuteilen? Wer will schon hören, was ich zu sagen habe? Und überhaupt, wasbefähigt mich, anderen etwas über das Leben zu erzählen, wo ich doch selbstkeine Ahnung habe?  

Es ist erstaunlich, wie leicht ich mich häufig entmutigen lasse, obwohl ich eigentlich für eine Sache brenne. Obwohl schon lange etwas in mir brodelt und hinaus will. Aber da ist immer die Angst noch nicht genug zu wissen, nicht gut genug zu sein. Was weiß ich schon. Ich bin doch gar nicht qualifiziert genug, um irgendwelche Dinge von mir zu geben. Was, wenn ich einen Internetbeitrag verfasse und irgendjemad sieht, dass etwas darin falsch ist.Das ich irgendwelche Aspekte nicht beküksichtigt habe. Wenn jemand erkennt, dass da nur ein naives Wesen seine inkompetente Sichtweise der Dinge wiedergibt? Ich habe so sehr Angst davor, etwas falsch zu machen, dass ich mich häufig gar nicht erst traue anzufangen und mich auszuprobieren. Aber warum ist das so?  

Sich mit anderen vergleichen 

Eine Falle, in die ich sicher immer wieder tappe ist die, dass ich mich zu sehr vergleiche. Ich lese die Blogs und Bücher von anderen, die schon lange schreiben und somit viel Übung haben und stelle dann die Erwartung an mich selbst, es genauso gut zu machen. Doch natürlich werde ich nicht gleich beim ersten Versuch dieselbe Qualität erreichen. Uns so verliere ich den Mut bevor ich überhaut begonnen habe. Doch das ist verrückt! Ich kann doch nicht meine „Erstlingswerke“ mit denen von Autorinnen und Autoren vergleichen, die Jahre oder gar Jahrzehnte Vorspung und Übung haben. Natürlich muss ich erst viele, vielleicht richig miese Arktikel und Texte schreiben, bevor es läuft, bevor mal ein wirklich guter Text entsteht. Also: Texte schreiben und veröffentlichen – fertig! Und dann den nächsten und den nächsten. Einfach schreiben und üben und lernen. Eigentlich so einfach. Und doch so unheimlich schwer, dass ich mich bisher einfach nicht richtig getraut habe.   

Es lohnt sich anzufangen 

Dabei müsste ich es eigentlich besser wissen. Denn in anderen Bereichen habe ich es ja durchaus schon hinbekommen mich zu trauen und hinterher auch stolz auf meine Leistung zu sein. Vor ein paar Jahren habe ich angefangen zu Joggen (und inzwischen auch wieder damit aufgehöft, aber das tut hier eigentlich gerade nichts zur Sache). Es war so, dass ich im Mai mit dem Lauafen begonnen habe und nicht einmal zwei oder drei Kilometer weit gekommen bin, ohne zwischendrin Gehpausen einzulegen oder anzuhalten. Das war am Anfang ganz schön frustrierend. Doch relativ schnell wurde ich besser, die Gehpausen kürzer und seltener und die Distanzen länger. Irgendwann entschied ich mich, dass ich im Oktober an einem 10km-Lauf in unserer Stadt teilnehmen wollte. Und dafür hatte ich nur zwei Ziele: Ankommen und nicht die letzte sein. Und voilà: das habe ich auch gut hinbekommen! Ich war wahnsinng stolz auf mich. Denn ich war, bevor ich mit dem Laufen angefangen hatte, ein ziemlicher Sportmuffel und bin es eigentlich auch heute noch. Aber ich habe mir ein Ziel gesetzt, das mich motiviert, aber nicht unter Druck setzt. Und dieses Ziel habe ich erreicht.

Wäre ich mit dem Gedanken ans Laufen gegangen, bereits nach kurzer Zeit einen Marathon in Bestzeit zu absolvieren, hätte mich sicher ganz schnell der Mut verlassen oder ich hätte gar nicht erst angefangen zu trainieren. Mit dem kleineren Ziel, an dem Lauf teilzunehmen, anzukommen und nicht letzte zu sein, habe ich meinen Fokus mehr auf das Training gelegt. Die Teilnahme am 10km-Lauf war Motivation, um am Joggen dranzubleiben. Aber die Teilnahme war das Ziel, nicht eine utopische Laufleistung. Und so lief ich dreimal die Woche nach oder vor der Arbeit und hatte meinen Spaß am Laufen. Ich genoss die Sonne und freute mich über die Schönheit der Umgebung. Das Laufen war das, was mir Spaß bereitete und es ging nicht so sehr darum Bestleistungen zu erbringen. Ich habe mir selbst keinen Druck gemacht und mir selbst gegenüber keine unrealisischer Erwartungshaltung aufgebaut. Ich habe mich und meine Leistung wohlwollend betrachtet.  

Was will ich eigentlich? 

Warum aber fällt es häufig so schwer beim Schreiben die gleichen wohlwollenden Blick einzunehmen? Warum kostets es soviel Überwindung und ist so schwer den Mut aufzubringen? Ich will doch gar nicht morgen schon den nächsten Bestseller schreiben. Ob ich überhaupt je ein Buch schreiben will, wer weiß das schon? Es geht mir vielmehr darum zu teilen, was mich Beschäftigt.
Die Dinge, die ich lese, höre, sehe in meine Worte zu fassen und so für mich mehr Klarheit zu erlangen. Ich möchte auf diese Weise meine Kreativität ausleben und die Anregungen und Gedanken nutzen, die ich täglich selbst aus Texten und Blogs ziehe. Und vielleicht gelingt es mir auch andere zu inspirieren.  

Unsicheres Terrain 

Doch genau hier gelangen wir auch den wunden Punkt an der Sache. „Andere“. Wenn ich meine Gedanken veröffentliche, dann begebe ich mich auf unsicheres Terrain. Was werden andere dazu sagen? Werden mir Leute fiese Kommetare unter meinen Text schreiben? Was, wenn ich einen Blog starte und mir gehen die Ideen aus? Und was, wenn ich gar nicht so viel zu sagen habe, um einen Blog zu füllen und am Leben zu halten? Was, wenn ich Quatsch schreibe, weil ich gar nicht ausreichend recherchiert habe? Wärend ich tippe merke ich bereits, wie die Unsicherheit sich langsam wieder ihren Weg in meine Gefühlswelt schleicht und mein Kopf sich auf einen inneren Shitstorm vorbereitet, um meinen Mut diesen Text zu veröffentlichen im Keim zu ersticken.  

Das Wagnis eingehen 

Doch diesmal will ich ihn nicht gewinnen lassen. Denn mal ehrlich, was soll denn schon wirklich passieren? Das Internet ist so wahnsinng voll, dass mein kleiner Text wohl kaum zur Kenntnis genommen werden wird. Wahrscheinlich liest ihn sowieso niemand. Und wenn, wird sich keiner die Mühe machen, sich dazu in negativen Kommentaren auszulassen. Und wenn doch, dann hat
die Person wohl wirklich gerade nichts besseres zu tun. Im besten Fall bekomme ich vielleicht ja auch eine positive Rückmeldung. Auf jeden fall kann ich dann Stolz sein, endlich den Mut aufgebracht und angfangen zu haben. Mir geht es um den Prozess des Schreibens und nicht um die Resonanz. Und das ist es was zählt.
 

Anfangen um besser zu werden 

Eine Bekannte hat mir neulich eine sehr schöne Geschichte dazu erzählt. Es ging um ihre Firmenhompage. Auch ihr war es schwer gefallen, den ersten Schritt zu unternehmen und ihre Hompage an den Start zu bringen. Schließlich ging es hier um ihre Firma. Ein Kollege hat ihr Mut gemacht und es dann sehr treffend in etwa so zusammen gefasst: „Deine erste Hompage muss
dir peinlich sein. Du stellst sie online und dann merkst du, was die Kunden brauchen und passt sie an. Wichtig ist nur anzufangen. Sonst hast du auch nichts, was du verbessern kannst. “  

In diesem Sinne geht nun auch dieser Text online. Ich gehe das Wagnis ein und nehme mir vor auch weiter zu schrieben. Aber ich werde mich auch weiterhin nicht selbst unter Druck setzen. Ich schreibe in erster Linie für mich. Und wenn ich den einen oder die andere dadurch ein wenig inspirieren kann, auch einem Herzenswusch anzugehen, freue ich mich umso mehr.  

 

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