Foto: Amanda Berens

Anna Wolfers: „Auf Messen entdeckt man kaum noch etwas“

In ihren Goldig-Läden verkauft Anna Wolfers bunte Mode für junge Frauen. Warum sie die selten auf Messen findet, erzählt sie im Interview.

 

Eigentlich ist Anna Wolfers Schauspielerin. Seit viereinhalb Jahren hat sie sich mit mehreren Modegeschäften namens Goldig jedoch noch ein zweites Standbein aufgebaut. Die Läden gibt es mittlerweile in Köln, Berlin und Hamburg. Manchmal steht Wolfers trotz 18-monatigem Sohn noch selbst im Laden und verkauft, ansonsten kümmert sie sich um Konzept, Einkauf und Buchhaltung von Goldig.

Klar, dass sie zur Fashion Week nach Berlin fährt. Dieses Mal aber nicht, um über die Messen zu streifen und Bestellungen zu schreiben, sondern um im Pop-Up-Store auf der Messe Show & Order ihre bunte Mode an Einkäufer, aber auch Endverbraucher zu verkaufen. Mit EDITION F hat Anna Wolfers sie auf der Show & Order über ihre Läden, Messen und Marken gesprochen.

Was ist das Konzept von Goldig?

„Ich habe mich immer geärgert, dass die Generation, die nach mir kommt, angewiesen ist auf die großen Ketten, wie H&M und Zara oder neuerdings Primark. Entweder müssen sie mit dem Strom schwimmen oder richtig Geld auf den Tisch legen. Ich bin auf viele Messen gefahren und habe mich umgeschaut, was es gibt. Ich biete den Leuten eine Alternative zu den großen Ketten. Ich habe hauptsächlich skandinavische Label, ein paar englische, ab und zu auch spanische. Außerdem verkaufe ich ein paar handgemachte Sachen, bedruckte Jutebeutel zum Beispiel, und in Berlin und Köln auch Vintage.“

Auf was für Messen gehst du?

„Grundsätzlich gehe ich natürlich schon zur Berlin Fashion Week, Bread & Butter, Premium und Show & Order. Ich finde es aber schwierig, man entdeckt kaum noch etwas. Es gibt nichts, was es nicht schon gibt. Manchmal bin ich enttäuscht, wenn ich von einer Messe komme. Dann gehe ich nach zwei Stunden wieder, weil ich merke, es ist alles noch das gleiche. Ich lasse mich gerne auf Reisen inspirieren. Wenn ich ein tolles Teil sehe, schaue ich, wovon es ist oder ich spreche auch Leute an, wenn ich Sachen gut finde.“

Woran liegt es denn, dass man auf den Messen nur wenig entdecken kann?

„So ein Messestand auf der Bread & Butter kostet ja nicht nur 3,50 Euro. Das muss man sich als kleine Brand erst mal leisten können. Die großen Marken dominieren deshalb die Messen. “

Warst du bei dieser Fashion Week überhaupt auf den Messen?

„Ich ordere auf Messen sowieso grundsätzlich kaum noch. Irgendwann sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und am Ende des Tages weißt du nicht mehr, was schön ist oder nicht. Ich guck mir die Sachen an und wenn ich etwas sehe, was mich inspiriert und ich noch nicht kenne, lass ich mir ein Kärtchen geben. Nur selten finde ich etwas so toll, dass ich sofort ordere. Meine Brands ordere ich sowieso immer im Showroom. Große Häuser machen das natürlich anders. Da ist Zeit Geld. Die haben einen strikten Terminplan für die Messen, rasen durch und gucken sich um und ordern, was das Zeug hält.“

Ist es bei dir so, dass du nur dann eine neue Marke dazu orderst, wenn eine andere dafür herausfällt?

„Bei vier Läden natürlich nicht. Ich habe Goldig seit viereinhalb Jahren und es gibt immer Brands, von denen man irgendwann Abschied nimmt, weil sie nicht mehr zu einem passen. Dann entdeckt man vielleicht gerade etwas Neues, was genau passt.“

Was ist mit den kleinen Showrooms, die es während der Fashion Week gibt, sind die interessanter für dich?

„Die kleinen Showrooms sind ja eher von den Designern. Das liegt in einem preislichen Bereich, der für mich gar nicht infrage kommt. Ich finde immer noch, dass Nachhaltigkeit und Ökomode ein großes Thema sind. Meiner Meinung nach ist es aber in dem Preissegment, wo ich mich befinde, noch etwas einfallslos, es gibt hauptsächlich Basic-Teile oder Shirts. Wir haben verschiedene Label, die auch grüne Serien produzieren. Da greif ich dann gerne mal zu. Ein zwölfjähriges Mädchen versteht es jedoch nicht, warum das eine Top 12,90 Euro und das andere 49,90 Euro kostet.“

– In eigener Sache – 

So gründest du erfolgreich dein eigenes Modelabel: EDITION F Webinar mit fashionsparkle-Gründerin Judith Behmer

Im Webinar am 26. Januar 2017 erklärt euch Judith, wie ihr euch erfolgreich im Mode-Business selbstständig macht, warum ein gutes Produkt alleine nicht reicht und wie ihr eine Strategie entwickelt, die auf die Gegebenheiten des Marktes zugeschnitten ist. Jetzt mehr erfahren und Tickets sichern!

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.