Foto: Pexels

Wie es sich anfühlt, wenn das erste Mal mit dir Schluss gemacht wird

Heute wurde zum ersten Mal mit mir Schluss gemacht – und das tut verdammt weh.

So verletzt war ich noch nie

Viele kennen das Gefühl, ich nicht – bis heute. Ein Tag, der in mir Gefühle ausgelöst hat, die ich vorher so nicht kannte. Ein Tag, der mein Verständnis von zwischenmenschlichen Beziehungen in Frage stellt. Bis heute hatte ich keine Vorstellung davon, wie es sich anfühlt, wenn jemand mit dir Schluss macht. Ich dachte immer das wäre alles nicht so schlimm. Schließlich gibt es ja tausend Optionen da draußen.

Allerdings bin ich bisher in meinem Leben auch noch nie so enttäuscht worden. Ich kenne das Gefühl und den Ablauf wohl aus Erzählungen, hatte aber bis zum heutigen Tage gedacht, mir würde das sicherlich nicht passieren. War ich doch gerade gestern noch so euphorisch über das, was sich in der Vergangenheit entwickelt hat und blickte frohen Mutes in die gemeinsame Zukunft. Doch dies sollte sich heute binnen weniger Momente ins Gegenteil umkehren, als ich mit der Realität konfrontiert werde, die so ganz anders ist als sie vor meinem inneren Auge zu sein schien.

Alles wie immer?

Am Anfang ist noch alles ganz normal. Ein Gespräch wie jedes andere. Wir sitzen uns gegenüber. Wir schauen uns in die Augen. Wir freuen uns, dass wir endlich mal wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen und reden können – zumindest denke ich das. Reden über die gemeinsame Zeit, die Beziehung und vielleicht über die Visionen für einen kommenden Urlaub, die gemeinsame Zukunft eben.

Das war früher am heutigen Tag, als ich immer noch glaubte damals zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen zu sein. Ich glaubte, wir würden richtig gut zusammen passen. Nach einem Jahr Beziehung kennt man sich ja schließlich, oder? Nun wundere ich mich über diesen besonderen Blick in seinen Augen. Und wenige Minuten später auch über die Worte, die aus seinem Mund kommen und so gar nicht zu den Vorstellungen passen, die gerade noch so euphorisch durch mein Herz getanzt sind. Dann dauert es nur wenige Sekunden bis ich realisiere, dass mit mir gerade Schluss gemacht wird. Dass so wie ich bin nicht reicht. Dass ich nicht gut genug bin.

„Du bist toll, aber …”

Er findet, dass ich eine ganz tolle Frau bin, so inspirierend, kreativ, offen und immer gut gelaunt. Dass ich eine unerschöpfliche Energie an den Tag lege und die Zeit mit mir wirklich wunderbar war. Ich sei so selbstbewusst und würde immer meine eigene Meinung sagen. Er bewundere mich für diese Qualitäten, die er bei sich nur allzu oft vermissen würde. Aber mehr sei da leider nicht. Für mehr hätte es einfach nicht gereicht. Überhaupt wäre ich ja auch ein bisschen vorlaut und hätte einen ziemlich eigenen Kopf. Das wäre jetzt alles nicht meine Schuld. Aber daran kann man leider nicht arbeiten. Es wäre ein Jahr lang wirklich toll gewesen. Das Jahr hätte sein Leben sehr bereichert.

Mein Aktivitätsdrang und meine Leidenschaft zu erleben wäre für ihn selbst förderlich gewesen. Er hätte sich selbst verändert und wäre durch mich in sich selbst weiter gewachsen. Aber für eine längere Beziehung sind die Vorstellungen, Charaktereigenschaften und Ideen, wie man sich gemeinsam entwicklen könne, dann doch zu unterschiedlich. Ich würde eben nicht zu 100 Prozent zu ihm passen und das wäre ihm erst nach dieser langen Zeit klar geworden.

Er macht für mich Schluss – ernsthaft?!

Ach ja, und das hätte ich doch bestimmt auch gemerkt. Ich bin doch eigentlich auch nicht 100 Prozent glücklich und das würde man mir auch anmerken. Also eigentlich tue er mir gerade einen Gefallen, indem er mit mir Schluss macht. Denn ich bin ja auf der Suche nach etwas ganz Anderem. Das alles sagt er mir jetzt, nachdem es ein Jahr lang so gut geklappt hat, ich mir so viel Mühe gegeben habe und viel Zeit und Energie in die Beziehung investiert habe. Jetzt, wo wir quasi bei einer wirklich festen Bindung angekommen sind. Jetzt, wo Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung eine Rolle spielen sollten. Jetzt macht er einfach Schluss. Ohne Vorwarnung. Ohne Kompromisse. Ohne mir noch eine Chance zu geben, mögliche Probleme in den Griff zu bekommen. Ohne um unsere Beziehung zu kämpfen.

Und zu allem Überfluss will er es nun so aussehen lassen, als hätte ich es doch genauso gewollt. Nein. Diesen Gefallen will ich ihm nicht tun. Ich will ihm nicht sein schlechtes Gewissen nehmen. Er soll ruhig sehen, dass ich enttäuscht und traurig bin. Darüber, wie er mich behandelt hat, mich ausgenutzt hat.

Inzwischen laufen mir nur noch Tränen über mein Gesicht. Dieses Gespräch war ein totaler Schock. Hatten wir uns in den letzten Monaten noch über die gemeinsame Zukunft Gedanken gemacht, werde ich jetzt einfach abserviert. Sitzen gelassen. Verarscht. Hintergangen. Innerlich merke ich, wie ich langsam aber sicher versteinere. Wie mein Blick Richtung Fenster wandert, um ihm nicht mehr in die Augen gucken zu müssen. Wie ich eigentlich nur noch weg will, da es sich eh nicht mehr lohnt zu reden. Mit jemanden, wie ich langsam realisiere, für den ich so viel getan habe – und dem ich scheißegal bin.

Es tut verdammt weh

Was bleibt ist die Enttäuschung. Enttäuschung über den Menschen, den ich dachte zu kennen. Über einen Menschen, mit dem ich so viel Zeit verbracht habe und von dem man dachte, ich könnte ihm vertrauen. Einen Menschen, der es geschafft hat, meine eigenen Gedanken wandern zu lassen. Einen Menschen, den ich als vermeintlich aufrichtig und ehrlich kennengelernt habe. Und jetzt muss ich feststellen, das war alles nur gespielt. Nur gelogen. Nur vorgetäuscht.

Ich zweifle an meiner Menschenkenntnis, die mich offensichtlich so vollkommen im Stich gelassen hat. Ich bekomme plötzlich Angst vor der Manipulationsfähigkeit der Menschen. Und ich fühle mich schlecht, weil ich verarscht worden bin. Wirklich schlecht. Weil ich um den Glauben an das Gute im Menschen betrogen worden bin, so fühlt es sich gerade an. Weil ich vertraut habe und ausgenutzt worden bin. Weil ich mich dreckig und klein fühle. Nichts von wegen tolle Frau mit viel Selbstbewusstsein. Ist ja schön, dass ihm das so sehr gefallen hat an mir, aber gerade empfinde ich genau das Gegenteil. Er hat mich ausgesogen und lässt mich jetzt links liegen. Das tut ziemlich lange, ziemlich weh.

Denn was er in mir ausgelöst hat, ist der Glaube, dass ich nicht gut genug bin. Dass wie ich bin, nicht gereicht hat. Dass ich wieder einen Menschen nicht von mir überzeugen konnte. Dass ich den Kampf um Wertschätzung und Anerkennung wieder einmal verloren habe. Ich frage mich: Warum will mich eigentlich niemand haben? Bin ich wirklich so viel schlechter als die anderen?Kann ich mit den anderen da draußen nicht mithalten? Habe ich Nichts zu bieten. Was also zurückbleibt ist der Selbstzweifel und die Tatsache, dass mein erster Arbeitgeber heute mit mir Schluss gemacht hat.

Mehr bei EDITION F

Unvorstellbar schmerzhaft: Wie es ist, den Job zu verlieren. Weiterlesen

Erst schwanger, dann arbeitslos – in Großbritannien verlieren tausende Frauen nach der Babypause ihren Job. Weiterlesen

Über Abhängigkeiten und die Kunst, sich dabei selbst nicht zu verlieren. Weiterlesen

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.