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Ausnahmezustand am Flughafen: Wenn die Reise zur Zerreißprobe wird

Verhexter hätte mein Tag kürzlich kaum sein können: Erst durch den Stau Moskaus gekämpft, dann mit hängender Zunge an mein Gate am Flughafen gehetzt, nach einer Stunde endlich in den Flieger gestiegen. Und was passiert? Nichts.
Wir stehen vier Stunden lang ohne Informationen oder Versorgung auf dem Rollfeld und die Maschine bewegt sich keinen Zentimeter.
Nervig? Ja. Vor allem aber: unheimlich spannend!

 

Denn das Ausgeliefertsein in der geschlossenen Maschine bedeutete natürlich einen unvergleichbaren Druck. Da lösten sich Pläne in nichts auf, verpufften Hoffnungen auf Anschlussflüge und -züge, verfielen scheinbar entspannte Menschen in Platzangst und Stress.

Blind vor Rage

Als wir die Maschine endlich verlassen durften, ließ das Schauspiel noch lange nicht nach. Während man uns gute fünf Stunden ohne Informationen am Schalter warten ließ, konnte ich zusehen, wie die Menschen um mich herum zu Tieren wurden. Aggressives Schreien, haltloses Weinen, bis hin zu Bestechungsversuchen des Flughafenpersonals – alles war dabei.
Nun möchte ich nicht behaupten, dass ich die Ruhe in Person war – das wäre zu weit gegriffen. Aber im Vergleich zu meinem Umfeld steckte ich den Druck doch durchaus gut weg. Weil ich gelernt habe, bei mir zu bleiben, wenn mein Umfeld durchdreht.

Das Chaos am Moskauer Flughafen konnte ich nicht verhindern. Weder als man uns endlos warten ließ, noch als meine Mitreisenden und ich uns schließlich darauf einstellten, die Nacht am Gate zu verbringen. Was hätte ich denn auch tun sollen?

Es gibt für alles eine Lösung

Anstatt mich in Rage und Unruhe zu steigern, nehme ich unveränderbare Situationen daher lieber hin. Ich aß mit einem netten Pärchen zu Abend, ich bat einen Englisch sprechenden Russen, mir alle Durchsagen zu übersetzen, ich baute mir ein provisorisches Nachtlager aus Sitzbänken. Kurz: Ich bewahrte bestmöglich Ruhe und reagierte unter den für mich durchaus ungewohnten Umständen mit gesundem Pragmatismus. So konnte ich nach Lösungen suchen und tun, was im Rahmen meiner Möglichkeiten lag, um die Situation einigermaßen angenehm zu gestalten.

Wenn Sie Dinge nicht verändern können, ist Ihre beste Handlungsoption oftmals, sich einfach in sie zu fügen und das Bestmögliche daraus zu machen.

Ihr ganz eigener Ruhepol

Das hat nichts mit blinder Gottergebenheit zu tun. Ich möchte Sie nicht anstiften, sich zurückzulehnen und das Schicksal über sich rollen zu lassen. Vielmehr rate ich Ihnen, dass Sie in unveränderbaren Drucksituationen ganz bewusst herunterfahren. Das gilt am Moskauer Flughafen ebenso wie bei privatem Stress oder im hektischen Büroalltag. Ob Sie sich nun im vollgestopften Flugzeug in ein gutes Buch vertiefen, bei der stressigen Familienfeier mal einen kurzen Spaziergang zwischendurch einlegen oder im Büro mal für 15 Minuten den Anrufbeantworter einschalten – nutzen Sie die Zeit bewusst: Sie können runterfahren, tief durchatmen und sich einen Ruhepol schaffen. Schon ist wieder Denkkapazität frei, um sich anschließend konzentriert der Drucksituation zu stellen und pragmatisch nach Lösungen zu suchen.

Als ich nach dem Moskauer Dilemma in Deutschland aus dem Flughafen spazierte, staunte mein Mann nicht schlecht, dass ich noch lächeln konnte. Klar, ich hatte mich ja auch nicht unnötig unter Druck setzen lassen von Dingen, die ich ohnehin nicht ändern kann.

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