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Ein gutes Netzwerk muss verlässlich sein – 10 Tipps, wie das gelingt

Im beruflichen Umfeld brauchst du ein belastbares, zuverlässiges Netzwerk – und das entsteht nicht im virtuellen Raum. 10 Tipps für Einsteiger und Profis, wie der Aufbau eines guten Netzwerkes funktionieren kann.

Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt …

Noch in den 90er-Jahren erregten amerikanische Wissenschaftler mit der Beschreibung des „Kevin Bacon“-Phänomens einiges Aufsehen. Zur Veranschaulichung des engen Beziehungsgeflechts unter Menschen zeigten sie, dass kein Schauspieler mehr als drei Kollegen braucht, um eine Verbindung zu
dem damals noch jungen und aufstrebenden Schauspieler Kevin Bacon herzustellen. Alles nach dem Motto: Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt … Von Rudi Carell bis zu Heike Makatsch: Alle standen in irgendeiner Beziehung zu Bacon.

Heute können wir via Facebook, Instagram und anderer sozialer Netzwerke mit jedem Superstar „befreundet” sein. Die Kevin Bacon-These erstaunt kaum noch jemanden. Wir haben uns längst daran gewöhnt. Viele Stars sind nur einen Klick entfernt. Doch wie funktioniert ein wirkliches Netzwerk?

Ein profundes, belastbares Netzwerk ist das Ziel

Auf den Social Media-Plattformen sind wir heute gut und schnell miteinander vernetzt. Das gilt vornehmlich für den privaten Bereich. Im beruflichen Umfeld muss ein profundes, belastbares Netzwerk anders angegangen werden. Nur wie?

Helfen hier Instagram und Co? Eher nein, denn ein erfolgreiches Netzwerk basiert auf Vertrauen und persönlichen Bekanntschaften. Diese entstehen
nicht im virtuellen Raum. 10 Tipps für ein professionelles Netzwerk:

1. Definiere dein Ziel!

Nicht nur als Young Professional macht es Sinn, offen und neugierig zu sein. Gehst du zu Branchenevents oder Abendveranstaltungen solltest du dir ein Ziel stecken. Das kann lauten, einfach einmal zu hören, was in der Branche so los ist. Es kann aber auch darin bestehen, mit einem bestimmten Unternehmensvertreter ins Gespräch zu kommen oder eine Fachfrage mit zwei Experten zu klären. Weniger sollte es um das Einsammeln von Namen, Titeln und Posten gehen, sondern vielmehr um den Austausch auf Augenhöhe.

2. Ziehe los!

Erst einmal losgehen! Wer sich nicht zeigt, kann nicht gesehen werden. Nutze Fach-Veranstaltungen, aber ebenso Mittagessen mit Kollegen oder abendliche Programmpunkte. Auch wenn die Fussballguck-Runde ohne dich stattfindet oder das Fitnessstudio dich schmerzlich vermisst, nutze Austausch und Input außerhalb des klassischen Arbeitsumfeldes.

3. Stell dich vor!

Sei in der Lage deinem Gegenüber auf Nachfrage kurz und knackig zu sagen, wer du bist und in welcher Funktion du mit ihm sprichst und gegebenenfalls kurz das Unternehmen vorzustellen, für das du stehst. Mach dich dabei weder kleiner noch größer als du bist. Das Ganze sollte nicht mehr als 30 Sekunden in Anspruch nehmen oder anders gesagt: Die Fahrstuhlfahrt vom Erdgeschoss bis zum fünften Stock. Monologe gehören auf die Theaterbühne, nicht auf einen Netzwerkabend.

4. Gemeinsamkeiten entdecken!

Vorbereitung ist das halbe Leben. Das war schon die Lebensweisheit meiner Großeltern. Aber Vorbereitung ist auch für erfolgreiches Netzwerken wichtig. Wer ist auf der Veranstaltung, wen möchte ich treffen, was möchte ich? Gerade, wenn ich gezielt Kontakte für mein Netzwerk rekrutieren möchte, sollte ich mir vorher Gedanken machen, was uns verbindet. Gibt es im bestehenden Netzwerk vielleicht jemanden, der mich vorstellen kann? Wenn nicht, nutze Projekte, gemeinsame Hobbys oder den eben gehörten Vortrag als Gesprächsanlass.

5. Authentisch bleiben!

Warum vorspielen jemand zu sein, der man nicht ist? Bleib authentisch, hab Spaß, bleib locker! Nichts ist schlimmer als ein gelangweiltes, lustloses Gegenüber. Es gibt bei jedem solche Tage, aber dann ist es besser, zuhause zu bleiben. Wenn Situationen unangenehm sind, kannst du dich leicht entziehen, indem du dich kurz entschuldigst und das Gespräch verlässt.

6. Höre zu!

Eine Tugend, die wir in unserer Welt der Selbstinszenierung und -darstellung manchmal sehr vernachlässigen: Zuhören. Lass dein Gegenüber reden und höre zu! Achte darauf, was er/ sie sagt, stelle Fragen und zeige Interesse. So kann sich oft ein lebhaftes Gespräch entwickeln. Lass dich nicht hinreißen zu Besserwisserei. Das ist das Ende eines jeden Gesprächs. Auch heftige politische Diskussionen eignen sich nicht für ein erstes Kennenlernen.

7. Bleibe aufmerksam!

Networking trägt es schon im Namen: Netzwerken ist Arbeit. Oberstes Gebot ist es, stets wach und aufmerksam zu bleiben und alle Sender auf „Empfangen“ zu stellen. Das kann sehr anstrengend sein. So wie bei einem Vorstellungsgespräch. Es hilft, wenn du dir einen Zeitrahmen von einer oder zwei Stunden setzt. Mein Tipp: Pausen einlegen, sich ab und an zurückziehen. So kannst du dir auch Notizen zu Personen machen.

8. Klasse statt Masse!

Beim Netzwerken geht es in erster Linie um Klasse, weniger um Masse. Klar, es gibt immer Menschen, die von Gruppe zu Gruppe gehen und Visitenkarten ergattern. Aber gute Kontakte sind die, die sich an dich erinnern. Es ist nicht ungewöhnlich an einem Abend mit nur einem guten neuen Kontakt nach Hause zu gehen. Jäger- und Sammlerleidenschaften kannst du anderswo ausleben. Helfen kann der Zwei-(Blazer-)Taschen-Trick: Nachdem du die Visitenkarte des anderen gelesen hast, steckst du sie in eine deiner Taschen. Die Karten von
Leuten, zu denen du auch weiterhin Kontakt halten möchtest, in die rechte (Blazer-)Tasche, die Nervensägen in die linke.

9. Kletten identifizieren und abschütteln!

Auf allen beruflichen Veranstaltungen gibt es „Kletten“: Menschen, die sich nicht wohlfühlen und daher den ganzen Abend an deiner Seite bleiben. Zwar ist es angenehm, die ganze Zeit mit jemandem zusammenzustehen, doch so lernst du weniger neue interessante Menschen kennen. Da hilft nur eins: Abschütteln. Entweder verabschiedest du dich mit dem Hinweis, jemand anders noch einmal „Hallo!“ sagen zu wollen oder du bist ganz offen: „Ich dreh noch mal eine Runde!“ Das ist eine Floskel, die nicht unfreundlich rüberkommt.

10. Bereite das Kennenlernen nach!

Fast genauso wichtig wie das Losgehen ist die Nachbereitung. Spätestens zwei Tage nach dem Kennenlernen solltest du Kontakt zu deinen neuen Bekannten aufnehmen. Am besten mit einer direkten, persönlichen Mail mit Dank für das nette Kennenlernen und einem Ausblick auf zukünftige Gespräche oder Projekte. Dabei helfen Business-Plattformen wie Xing oder LinkedIn. Vergiss hier nie, deine Kontakte mit Stichworten zu versehen. Tipp: Notiere dir immer Ort, Zeit und Thema des Erstkontakts. Das erleichtert die spätere Ansprache.
Die „Bacon-Theorie”, die in den 90ern so viel Aufmerksamkeit erzeugt hat, kannst du auch auf dein eigenes Netzwerk anwenden. Ein funktionierendes Netzwerk basiert auf dem Prinzip der Freundesfreunde: Jedes neue Mitglied bringt seinerseits neue Kontakte ein. Auch die kannst du nutzen. Das ist dann die Kür.

Beim Aufbau Deines Netzwerk solltest du dich immer am 70-20-10-Prinzip orientieren: Nutze 70 Prozent deiner Zeit, um anderen zu helfen. Nutze 20 Porzent der Zeit, um dich selbst zu präsentieren und 10 Prozent
deiner Zeit, um andere um Hilfe zu bitten. In ein echtes und verlässliches Netzwerk musst du Zeit investieren, denn es basiert auf Vertrauen und Zurückhaltung. Wie du es gestaltest und nutzt, liegt allein bei dir!

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