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BiVisibilityDay

Am 23. September war BiVisibilityDay.
Und nicht erst seit Spartacus wissen wir, dass die Menschen in der griechisch-römischen Antike kein Problem damit hatten, sich LiebespartnerInnen zu teilen. Wer nur für ein einziges Geschlecht (egal ob für das eigene oder das gegensätzliche) Empfindungen hatte, galt als „Freak“ und als Spießer.
Warum haben von den LGBTQ gerade die Bisexuellen ein Problem, ernst genommen zu werden?

 

Haben es Bisexuelle schwerer?

Natürlich ist es, egal welches coming-out, für niemanden einfacher oder für alle gleich. Für die einen wird es ein Schock sein zu erfahren, dass die beste Freundin, Tochter, Arbeitskollegin lesbisch ist, andere werden nur müde lächeln und zu ihrem Kumpel, Bruder, Nachbarn sagen, hab ich doch eh schon immer geahnt, dass du schwul bist. Wer eine klare Linie fährt, nur homo- oder heterosexuelle Beziehungen führt, ist für andere greifbarer. Einfacher einzuordnen.

Bisexuelle Menschen hingegen werden oftmals bedauert und belächelt, weil sie sich ja nicht entscheiden können. Aber wer will das schon? Und wer muss das denn? Oder aber man unterstellt ihnen, dass sie sich ja nur nicht trauen, sich 100%ig zu outen. Wenig hilfreich sind übrigens hierbei Studien die besagen, dass Frauen entweder alls lesbisch oder bi sind.

Die meisten Menschen denken nunmal, beabsichtigt oder nicht, in Systemen – in Schwarz und Weiß, oben oder unten, in Mann und Frau, homo und hetero. Dieses Kategorisieren ist ganz normal, hilft uns Dinge einzuordnen und abzuschätzen. Können wir etwas nicht in eine Kategorie packen, wissen wir damit erstmal nichts anzufangen. Bisexualität mag daher für manche schwerer greifbar sein. Vielleicht gerade weil es so viele Facetten gibt. Es gibt Frauen, die in festen Beziehungen leben, deren Partner ihnen aber sexuelle Abenteuer mit anderen Frauen erlaubt, weil dies oft nicht als fremdgehen angesehen wird. Es gibt nicht-monogame Beziehungen, in der ein Mann gleichzeitig einen anderen Mann und seine Frau liebt. Ich kenne viele die sagen, sie würden gleichgeschlechtlichen Sex gerne einmal ausprobieren, aber eine feste Partnerschaft – nein danke. Es gibt Menschen, denen es vollkommen gleichgültig ist, in wen sie sich verlieben, heiraten und bezüglich Sex oder Liebesbeziehung keine Präferenzen für ein Geschlecht haben. 

Viel höhere Chancen?

Weiterhin wird Bisexualität auch häufig mit Promiskuität gleichgesetzt. Schließlich kann man ja mit jeder und jedem. Sind Bisexuelle deswegen zu beneiden? Weil die Erfolgschancen größer sind? Tatsächlich sind sie das nicht. Wenn man sich nicht ausschließlich in solchen Kreisen bewegt, trifft man im Alltag nunmal doch öfter auf den heterosexuellen Mann oder Frau. Und auch wenn das Klischeedenken ist, aber meiner Erfahrung nach kommen Heteromänner doch öfter mit der Fantasie eines Dreiers und Heterofrauen erzählen, wie sie mit 15 mal betrunken die beste Freundin geküsst haben. Weil es das ist, wann sie unter Bisexualität verstehen. Vor kurzem erst trat daher der Begriff ‚bi-courious‘ in Erscheinung. Menschen, die sich als Hetero bezeichnen, aber eben neugierig und aufgeschlossen sind und vielleicht Lust auf ein Abenteuer haben. 

Aber es sind nicht nur die Heteros, die es befremdlich finden können. Viele Bisexuelle beklagen, dass sie sich auch in der LGBTQ Community nicht aufgehoben oder ernst genommen fühlen. Es gibt Lesben, die ausschließlich Lesben suchen und sich nichts mit bisexuellen Frauen vorstellen möchten. Die Überwindung gegenüber einer Lesbe offen erwähnen zu müssen, dass man auch Männer ranlasse ist oft groß, weil die Angst dann erst recht abzublitzen mitspielt. Oder steht am Ende auch hier das eigene Klischeedenken über sich vor Männern ekelnden Lesben eher im Weg als das eigene outing? 

Am Ende gehört anstatt Selbstverständlichkeit noch immer viel Mut dazu, sich eben nicht einkategorisieren zu lassen und nicht einzukategorisieren. Und vor Allem sich selbst einfach als normal zu empfinden.

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