Foto: Ben Wolf

Carolin Niemczyk: „Auf Tour bleibt kaum Zeit für die Beziehung“

Carolin ist die eine Hälfte des Band-Duos Glasperlenspiel. Jetzt ist nicht nur das neue Album erschienen, sondern kommt auch noch ihr erstes Buch heraus.

 

Sich Zeit für seine Leidenschaften nehmen

Sie singt, sie bloggt und jetzt schreibt sie auch noch ein Buch: Carolin Niemczyk von Glasperlenspiel. Aber wie bekommt man das eigentlich alles unter einen Hut und wie geht man damit um, wenn der Bandkollege auch noch der eigene Partner ist? Wir haben mit ihr über ihre Leidenschaft für DIY, das Tourleben als Paar und die Herausforderung einer nachhaltigen Lebensweise gesprochen.

Ende Mai erscheint euer neues Album, ihr geht auf Tour und ihr tretet beim Bundesvision Song Contest an. Darüber hinaus designst du selbst und bloggst über Mode. Wann machst du das alles?

„Ja, das frag ich mich momentan ehrlich gesagt auch. Ich liebe das alles, was ich tue und mache das mit großer Leidenschaft und das ist wohl der Grund, weshalb sich das alles unter einen Hut bringen lässt. Aber manchmal muss ich dann doch ein bisschen zurückschrauben und mir mal einen Tag Zeit für mich nehmen. Gerade in einer so turbulenten Zeit wie jetzt merke ich, wie wichtig das ist.“

Daniel ist nicht nur dein Bandkollege, ihr seid auch zusammen. Wie ist es für die Liebesbeziehung, so viel mit dem Partner zusammenzuarbeiten? Kommt es da oft zu Konflikten?

„Na klar kommt es zu Konflikten, aber das ist doch völlig normal, wenn man viel Zeit miteinander verbringt und zusammen Entscheidungen treffen muss. Wir haben aber ein gutes Gleichgewicht zwischen den Beziehungen Freund-Freundin und Bandkollegen gefunden. Wenn wir unterwegs sind, bleibt nicht viel Zeit für die Beziehung, deswegen nehmen wir uns diese an freien Tagen, um mal ganz entspannt einfach ein ganz normales Paar sein zu können.“

Das neue Album heißt „Tag X“. Ihr sagt, dass ihr euch in den letzten beiden Jahren als Musiker stark entwickelt habt. Kannst du kurz erklären, woran du das festmachst und was genau das Album für euch markiert?

„Wir haben zu ,Tag X‘ vieles anders gemacht als bei den beiden vorherigen Alben. Wir haben mit einem festen Team zusammengearbeitet, wodurch die Song-Schreibphase sehr intim und persönlich war. Ich habe mich beispielsweise auch viel von außen inspirieren lassen. Von den Menschen, die durch die Straßen laufen, von denjenigen, die mir etwas von sich erzählen und mich durch ihre Geschichten erreichen. Es steckt viel Emotion und Herzblut in dem Album und auch wenn die Geschichten oftmals den Hintergrund eines Beobachters haben, steckt einiges von meiner und Daniels Persönlichkeit drin, denn wir befassen uns immer sehr intensiv mit den Geschichten, die wir schreiben.“

Habt ihr Bedenken, ob eure Fans bei dieser Entwicklung mitgehen?

„Nein. Ich glaube, wichtig ist, dass man bei sich bleibt und das macht, womit man sich wohlfühlt. Wenn das wirklich von Herzen kommt und authentisch ist, dann wird das auch den Menschen gefallen, die sich von unseren Geschichten angesprochen fühlen.“ 

[scald=1586:sdl_editor_representation]

Bevor ihr Glasperlenspiel gegründet habt, habt ihr beide in einer Kirchenpopband gesungen. Welche Rolle spielt der Glaube in deinem Leben?

„Ich habe mich damals mit zwölf Jahren bei Daniels Band beworben, die keine reine Kirchenband war. Wir haben viel bei Stadt- und Schulfesten gespielt und auch bei größeren Festen in der Kirche. In meinem Leben spielt der Glaube eine Rolle. Allerdings unterscheide ich mittlerweile Glaube und Institution, die oftmals nur als ein politisches Instrument fungiert. Es gibt mir persönlich aber Halt, zu glauben, dass es etwas gibt, das über Allem steht, egal ob man es nun Allah, Gott oder Buddha nennt.“ 

Im Herbst erscheint dein eigenes Do-It-Yourself-Buch. Was zeigst du darin?

„Ich liebe es, kreativ zu sein. Ich probiere gerne Dinge aus, egal ob an der Nähmaschine, in der Küche oder mit Kleber und Schere bewaffnet am Tisch. Ich finde es wahnsinnig toll, wenn man tolle Einrichtungsgegenstände und vor allem auch Mode selbst kreieren oder individuell verändern kann. Ich kam auf Idee, meine kleinen Projekte festzuhalten, diese in ein schönes Buch zu packen und das mit gleichgesinnten Bastel- Kreativ-Verrückten zu teilen.“

Was begeistert dich so am Selbermachen?

„Wenn du etwas selbst entwirfst und kreierst, ist das immer individuell und etwas Besonders, das nur du hast. Diesen Gedanken finde ich sehr reizvoll am Selbermachen. Das Schönste ist doch, wenn man ein Kompliment für etwas bekommt, das man selbst gebastelt, genäht oder entworfen hat.“

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für dich. Wie setzt du das in deinem Alltag um?

„Dass man bei allem, was man tut, einen Blick auf unsere Umwelt und Mutter Erde hat, finde ich wichtig. Es fängt schon mit unserem Wasserverbrauch an. Ich muss beim Zähneputzen nicht den Wasserhahn munter weiter laufen lassen. Außerdem lebe ich seit knapp drei Jahren vegetarisch und habe meinen Konsum von Milchprodukten reduziert. Komplett auf ein gutes Stück Käse zu verzichten, würde mir dann wirklich sehr schwer fallen. In Sachen Mode fällt es mir oftmals nicht leicht, komplett konsequent zu sein. Mein Kleiderschrank ist auch mit Lederjacken und -taschen bestückt. Wenn es um vegane Mode geht, ist sicherlich Stella McCartney DIE Vorreitern, denn sie ist eine der wenigen großen Designer, die ihre Mode konsequent aus nachhaltigen und veganen Materialien herstellt und somit eine Frau ist, die ich sehr bewundere.“ 

Auch hier ist Zeit ein Thema. Wie machst du das neben der Band?

„Momentan habe ich leider nicht allzu viel Zeit, um mich kreativ auszutoben. Ich halte aber alle, die sich für Mode, DIY und Beauty interessieren, über alle meine neuesten Errungenschaften und Ideen auf meinem Blog C&Co auf dem Laufenden.“

Welche Sache würdest du gerne selbst machen, traust es dir aber (noch) nicht zu?

„Ich würde gerne mal ein aufwendigeres Kleid nähen. Bodenlang mit Spitze und Tüll. Dafür muss ich aber noch ein bisschen üben.“

Nach dem Buch wissen alle, dass du nicht nur singen, sondern auch nähen und kochen kannst. Welche versteckten Talente würde man bei dir nie vermuten?

„Ich kann ziemlich gut Basketball spielen.“

 Welchen Rat würdest du jemandem geben, der noch nach eigenen Talenten sucht?

„Sich ausprobieren. Einfach mal versuchen! Wenn du gerne schreibst, dann schreib über Themen, die dir wichtig sind und die dich interessieren und starte vielleicht sogar deinen eigenen Blog. Wenn du sich für Möbel interessierst und handwerklich begabt bist, dann fang an dein erstes eigenes Möbelstück zu bauen. Der beste Tipp ist, glaube ich, sich zu überlegen, was einen erfüllt und was man wirklich mit Leidenschaft macht. Auch auf die Gefahr hin, erst einmal falsch zu liegen oder viel Arbeit vor sich zu haben. Aber am Ende hoffentlich erfüllt zu sein durch das, was man macht.“

glasperlenspiel_album_cover_-tag_x-_-_cms_source.jpg
 

Glasperlenspiel: „Tag X“ erscheint am 29. Mai 2015.

 

Mehr bei EDITION F

Mieze Katz: „Albumarbeit ist die Suche nach Verbündeten“. Weiterlesen

Balbina: „Es ist nicht leicht, anders zu sein“. Weiterlesen

Tice: „Ich sag‘ auch Dinge, die Typen vielleicht nicht rappen würden“. Weiterlesen

 

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.