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Pro Bono: Lohnt sich das für Unternehmen?

Welche Vorteile bringt das soziale Engagement meinem Unternehmen? Nach welchen Kriterien sollte ich eine NGO auswählen? Zwei Experten im Interview.

 

Elf Milliarden Euro für CSR

Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Gerade Unternehmen erwartet in dieser Zeit eine Flut von Spendenanfragen für soziale Projekte. Für viele deutsche Firmen ist gesellschaftliches Engagement schon lange eine Selbstverständlichkeit: Gut zwei Drittel aller deutschen Unternehmen setzen sich laut dem Engagementbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2012 für wohltätige Zwecke in ihrem Umfeld ein.

Elf Milliarden Euro investieren sie schätzungsweise jedes Jahr in die Gesellschaft. Doch was hat ein Unternehmen – neben einer eventuellen positiven Berichterstattung in den Medien – davon? Wie lassen sich wirtschaftliches Denken und das Spenden von Geld und Ressourcen vereinbaren?

Formen des soziales Engagements

Heute wird weltweit über CSR (Corporate Social Responsibility) gesprochen. CSR bedeutet soziale und gesellschaftliche Unternehmensverantwortung, die auch ökonomische und ökologische Aspekte umfasst. Das Engagement von Unternehmen ist vielfältig: Mitarbeiter lassen ihre Gehälter um Centbeträge abrunden und spenden diese, Handwerkerfirmen stellen Material für die Bastel-AG einer Schule zur Verfügung, eine Werbeagentur macht eine Pro-Bono-Kampagne für ein Flüchtlingsprojekt.

Wie Unternehmen sich erfolgreich engagieren können, darüber klärt beispielsweise das UPJ-Netzwerk auf. Die bundesweite Initiative engagierter Unternehmen vernetzt Firmen untereinander, informiert über Möglichkeiten, sich zu engagieren und berät bei der Umsetzung von CSR-Strategien. Sie führt aber auch eigene Projekte durch, beispielsweise „CSR Regio.Net“, das regionale, mittelständische Unternehmen zum Thema CSR qualifiziert und berät. Ulrike Upmeyer ist Projektmanagerin bei UPJ. Sie erklärt im Interview, dass es nicht nur moralische, sondern auch handfeste wirtschaftliche Gründe für Unternehmen gibt, Geld oder Zeit zu spenden.

Welche Gründe gibt es heutzutage für Unternehmen, sich sozial zu engagieren?

„Bei CSR geht es um mehr als ‚Gutmenschentum‘ und die Steigerung der Reputation. Sie sind eine gezielte Investition in die eigene Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft und können Unternehmen helfen, Vertrauen zu schaffen, Risiken zu minimieren, Kosten zu reduzieren, die Produktivität zu erhöhen und den Absatz zu steigern. Das Engagement von Unternehmen erwächst meist aus der Erkenntnis, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt und ein funktionierendes Gemeinwesen eine unerlässliche Voraussetzung für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens und der Wirtschaft insgesamt sind. Viele Unternehmen stellen fest, dass Entwicklungen in ihrem Umfeld von den bislang dafür zuständigen Akteuren – Bund, Länder, Kommunen, soziale Organisationen, Familie – nicht mehr adäquat begleitet werden und direkte Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf haben: So entspricht beispielsweise die Ausbildung in Schule und Berufsschule häufig nicht den Ansprüchen der Wirtschaft.“

Wie kann so ein Unternehmensengagement aussehen?

„In der Öffentlichkeit wird das Engagement von Unternehmen in der Regel mit Spenden und Sponsoring in Verbindung gebracht – vor allem also mit dem Einsatz finanzieller Mittel. Doch viele Unternehmen engagieren sich mit all ihren Ressourcen wie Zeit, Wissen und Know-how der Mitarbeiter, Sachmitteln, Produkten, Dienstleistungen, Logistiklösungen oder indem sie ihre Kontakte und ihren Einfluss nutzen, um auf gemeinnützige Botschaften und Themen aufmerksam zu machen. Das tun sie in den Bereichen, die für sie von Bedeutung sind, sei es Bildung, Soziales, Sport, Kultur, Stadt- und Regionalentwicklung oder Umwelt.“

Welche wirtschaftlichen Vorteile ergeben sich aus dem Engagement?

„In der Praxis ist das Engagement von Unternehmen im Gemeinwesen oft unsystematisch und wenig zielgerichtet. Je stärker ein Unternehmen das Engagement jedoch bündelt und strategisch ausrichtet, umso stärker ist der Nutzen für das Unternehmen und für die Gesellschaft. Das zeigt sich zum Beispiel an dem – momentan geradezu boomenden – Instrument ‚Corporate Volunteering‘, bei dem Unternehmen ihre Mitarbeiter in ihr Engagement einbinden: Beispielsweise können Unternehmen so durch verbesserte Chancen auf dem Personalmarkt ihre Kosten senken – das Engagement eines Arbeitgebers wird zum Beispiel von High Potentials hoch bewertet. Und sie können eine höhere Produktivität erreichen – durch die höhere Identifikation der Beschäftigten mit ihrem Arbeitgeber und eine erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit.“

Welche Auswirkungen hat Unternehmensengagement noch?

„Laut einer amerikanischen Studie hat die Einbindung von Mitarbeitern in das Unternehmensengagement einen positiven Einfluss auf die Gesundheit von Beschäftigten. Angestellte, die sich freiwillig engagieren, sind weniger angespannt, setzen sich stärker mit ihrem Umfeld und ihrer Gesundheit auseinander und haben ein allgemein höheres Wohlbefinden. Drei Viertel der Befragten geben an, sich nach ihrem Engagement besser zu fühlen. Bei fast allen Befragten (94 Prozent) hebt Freiwilligenarbeit die Stimmung. Grundsätzlich gehen Unternehmen soziale Kooperationen insbesondere deshalb ein, weil sie sich davon eine Verbesserung des eigenen Ansehens und ihrer Glaubwürdigkeit versprechen.“

Die Partnervermittlung für NGOs und Unternehmen

Die Recherche nach passenden gemeinnützigen Organisationen ist oft schwieriger als gedacht. Beispielsweise gibt es allein in Berlin über 1.200 Vereine, die sich für Kinder und Jugendliche engagieren. Woher weiß nun ein Unternehmen, welcher Verein zu ihm passt? Robin Spaetling ist der Gründer von „Chariteam“, einer Art Partnervermittlungsagentur für gemeinnützige Organisationen und Unternehmen. Er war selbst lange als Fundraiser für Vereine tätig und suchte beispielsweise Sponsoren für kulturelle Veranstaltungen. Schon im Vorfeld der Suche stand er häufig vor dem Problem, dass der Verein nicht mit jedem Unternehmen, das Interesse zeigte, auch zusammenarbeiten wollte. Kam es dann zu einer Zusammenarbeit, mangelte es oft an gegenseitigem Verständnis – die Partnerschaft wurde nur halbherzig gelebt. 2012 gründete Spaetling „Chariteam“ und baute mithilfe der Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums eine umfangreiche Non-Profit-Datenbank auf. Durch die detaillierten Informationen der Datenbank werden nur die NGOs herausgesucht, die auch zum Unternehmen passen. So profitieren beide Seiten nachhaltig voneinander. Im Interview verrät uns Robin Spaetling, wie Kooperationen zwischen Unternehmen und NGOs erfolgreich verlaufen.

Auf welche Punkte sollte ein Unternehmen, das sich sozial engagieren möchte, bei der Suche nach Vereinen achten?

„Wichtig ist, nach Organisationen zu suchen, die thematisch zur Firma passen. Wenn eine Firma im Bereich Bildung oder Software arbeitet, dann kann es sinnvoll für sie sein, nach Bildungsprojekten zu suchen und diese zu fördern. Oder wenn ein Unternehmen beispielsweise Ressourcen aus der Umwelt nutzt und vielleicht sogar die Umwelt verschmutzt, ist es sinnvoll, nach Vereinen zu suchen, die sich mit Umweltschutz beschäftigen. Wichtig sind außerdem geografische Entsprechungen, also Organisationen zu finden, die im Umkreis der Firma ansässig sind oder in Ländern, die in der Lieferkette eine Rolle spielen.“

Wie kann das Unternehmen sicherstellen, dass das gespendete Geld auch ankommt?

„Die Firma kann gezielt nach Organisationen suchen, die das DZI Spenden-Siegel haben oder gewisse Transparenzkriterien erfüllen, beispielsweise dass sie ihren Jahresabschluss öffentlich machen. Daraus lässt sich schon viel über die Seriosität und Professionalität einer Organisation ablesen. Unsere Kunden achten allerdings weniger auf Zertifikate wie das Spendensiegel. Dafür ist ihnen Transparenz sehr wichtig, also dass offengelegt wird, was konkret mit ihrer Unterstützung geschieht und dass die Projektarbeit gut dokumentiert wird. Weiterhin interessiert sie, welche Wirkung erzielt wurde, sowohl quantitativ, also beispielsweise wie viele Personen erreicht wurden, als auch qualitativ, also etwa, was verbessert wurde. Wenn dem Unternehmen eine ausführliche Dokumentation und Berichterstattung wichtig ist, sollte es im Vorfeld genau schauen, ob die Organisation das auch gewährleisten kann.

Welche Form des Engagements ist die beste? Sollte sich ein Unternehmen auf Spenden, Sponsoring oder Pro-Bono-Aktivitäten, bei denen Mitarbeiter freigestellt werden, um einen Verein bei einem Projekt zu unterstützen, konzentrieren?

„Das lässt sich nicht verallgemeinern. Wenn es darum geht, einzelne Mitarbeiter zu binden, dann eignen sich Pro-Bono-Projekte hervorragend. Wenn alle Mitarbeiter einer Firma angesprochen werden sollen, dann eignen sich Ehrenamtstage, die dann einen Eventcharakter haben und bei denen verschiedene Projekte besucht werden. Wenn die Firma sich vor Ort als engagiertes Unternehmen darstellen möchte, dann ist es für sie am sinnvollsten, einen lokalen Verein langfristig mit Sach- oder Geldspenden zu unterstützen.“

Was ist das Geheimnis einer erfolgreichen Kooperation zwischen Unternehmen und sozialen gemeinnützigen Organisationen?

„Ganz wichtig ist das gegenseitige Verständnis und dass beide Partner stolz auf den anderen sind. Die Unterstützungsleistung des Unternehmens muss passen und wirklich benötigt werden. Schön ist auch, wenn ein gegenseitiger Austausch stattfindet, denn Kooperationen zwischen NGOs und Unternehmen sind nicht immer einseitig. Der Verein kann auch dem Unternehmen etwas zurückgeben. Das passiert vor allem dann, wenn viel Austausch stattfindet, wenn also die Mitarbeiter des Unternehmens auch die Mitarbeiter des Vereins treffen. Enge Kontakte können die Kooperation dann sehr nachhaltig machen, weil man auch über Jahre hinweg gerne zusammenarbeitet.“

Welche Tipps möchten Sie Unternehmen, die sich engagieren wollen, mit auf den Weg geben?

„Wir machen gute Erfahrungen damit, wenn die Entscheidung für ein Engagement nicht nur von einzelnen Personen, wie der Geschäftsführung oder dem CSR-Manager, getroffen wird. Wenn Mitarbeiter in die Kommunikation und die Entscheidungsprozesse involviert werden und die ganze Firma mitgenommen wird, läuft das Engagement besonders erfolgreich. Es lohnt sich, mutig zu sein und nach innovativen und neuen Projekten zu gucken. Besonders wichtig ist auch, dass das Engagement jährlich evaluiert und die Wirkung überprüft wird, damit das Unternehmen gegebenenfalls neue Schwerpunkte setzen kann.“

Mehr zum Thema bei EDITION F

Geht das? Von der NGO zum Unternehmen und umgekehrt. Weiterlesen.

Entrepreneur’s Pledge: Die sozialen Gründer. Weiterlesen.

Social Business: Wieso uns Geld allein nicht mehr reicht im Job. Weiterlesen.

Weiterführende Links:

– die CSR-Website der Bundesregierung

– die Studie der New York University: „Is Doing Good Good for You?”

 – die PwC-Studie: Corporate Citizenship -Was tun deutsche Großunternehmen?

– kostenloser CSR- Leitfaden zum Bestellen

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