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„Dann bumst nicht mit allen!“

„Für freie und kostenlose Abtreibung!“ – „Dann bumst nicht mit allen!“ Ein Satz, der im Film La belle saison fällt, mitten im Westen Europas im Frankreich der 70er Jahre, der jedoch auch heutzutage mit Hinblick auf manche Internetkommentare immernoch aktuell wirkt: La belle Saison zeichnet die Liebesgeschichte zwischen Delphine und Carole, und darüber hinaus die Frage, ob es möglich ist, die eigene Identität und gleichzeitig die Wertvorstellungen der eigenen Familie zu vereinbaren.

 


2016 hat einige Filmperlen mit homosexuellen (insbesondere lesbischen) Liebespaaren zu bieten: Mit La belle saison reiht sich nun hinter Carol und Freeheld ein Film einer französischen Produktion unter Regisseurin Catherine Corsini an und zeigt, dass auch der europäische Film sich an das offenbar aktuelle Thema herantraut. 

„Findet du nicht auch, dass man uns viele Dinge verbietet, nur weil wir Frauen sind?“


Sehr beliebt scheint die Konstellation der Hauptdarstellerinnen: Die doch etwas jüngere, aus traditionell stammenden Verhältnissen lebende Delphine (Izïa Higelin)  verlässt das ländliche Ambiente und macht sich zum Studium auf nach Paris, wo sie Carole (Cécile de France) kennenlernt; eine Frau mit ordentlich Feuer unterm Hintern, eine Studentin, die für ihre Rechte als Frau kämpft. Sobald Delphine sich näher mit der Frauenrechtsbewegung auseinandersetzt und somit auch Carole näher kommt, entwickelt sich schnell eine sexuelle und emotionale Bindung zwischen den beiden Studentinnen, die Delphine zunächst nicht einzuordnen weiß. Carole ist dabei die führende Hand, mit der Delphine ihre Emotionen durchlebt und wodurch eine leidenschaftliche Liebesbeziehung entsteht.

Was beim Sommerfilm La belle saison auffällt: Diese Frauen sind echt. Keine faltenlosen und von Mimik befreiten Gesichter; Frauen, die stark für sich und ihre Ideale einstehen, und eben auch Frauen, die Schwäche zeigen können, wenn sie mit der Vergangenheit ihrer Heimat konfrontiert sind und den Wertvorstellungen ihrer engsten Familie nicht gerecht werden können.

 „Was soll ich ihr denn sagen, dass wir zusammen sind?“ – „Ja klar, oder willst du sie dein Leben lang anlügen?“

Dieser Topos stellt offenbar einen immer wiederkehrender Refrain dar: Nicht die Fremden auf der Straße sind es, die man von seiner Vorstellung von Selbstverwirklichung überzeugen möchte; obwohl man sich der Situation im öffentlichen Raum stellen und dagegen ankämpfen muss, aufgrund seiner Sexualität diverse Rechte und Selbstverständlichkeiten verwehrt zu bekommen, ist es vielmehr die Verwunderung über die eigene Familie oder selbst enge Freunde, die nicht nachvollziehen können, wieso man dem vorgelegten Schema der Gesellschaft nicht folgen kann und einen fremd wirkenden Weg einschlägt, der nicht so recht zum vorgefertigten Bild der jeweiligen Tochter/FreundIn/Mutter/ etc. passen mag.


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