Foto: Jana Zieseniß

Die perfekte Island Rundreise: mit dem Auto über die Insel

Einmal im Leben eine Island Rundreise, das ist der Traum für jeden Abenteurer. Jana hat sich ihn erfüllt und für euch einen kleinen Reiseguide erstellt.

 

Ein Traum wird wahr

Ich glaube es gab kaum Reisen, auf die ich mich mehr gefreut habe als auf Island. Anders als andere Reiseziele in Europa bedarf eine Island Rundreise einiges an Vorbereitung – schon alleine deshalb, weil Mietwagen und Unterkünfte gerade in den wenigen Sommermonaten schon lange im Voraus ausgebucht sind. Und dann wären da noch die tausend Fragen, die einem vor der Reise im Kopf herumschwirren: Hostel oder Hotel? Jeep oder reicht ein PKW? Mit welchen Kosten muss ich rechnen? Was passiert, wenn ich in einen der gefürchteten Sandstürme komme? Wo erfahre ich von eventuellen Vulkanausbrüchen etc.? Fragen über Fragen, die ich dir im Folgenden mit meinem kleinen Island-Guide beantworten möchte.

So sehen viele Straßen auf Island aus. (Quelle: Jana Zieseniß)

An- und Einreise

Die erste Lektion, die man bei der Planung einer Island Rundreise lernen muss ist: nichts ist günstig. Auch nicht die Flüge, die es von diversen Flughäfen in Deutschland (z.B. Berlin, Frankfurt, München) gibt. Jedenfalls nicht in den Sommermonaten.

Mein Tipp: Plane deine Reise so früh wie möglich und buche rechtzeitig die Flüge. Manchmal kann es  – so wie in meinem Fall – günstiger sein von Frankfurt über Berlin nach Island zu fliegen und ein bis zwei Stunden mehr Anreisezeit hinzunehmen. Grundsätzlich kostet ein Hin- und Rückflug aus Deutschland zwischen 200 und 500 Euro. Wir haben für unsere Flüge über Berlin rund 270 Euro pro Person hingelegt, waren aber leider arbeitsbedingt nicht so flexibel. Wie immer gilt: Wer flexibler ist, macht eher Schnäppchen.

Egal von welchem Flughafen, Auslandsflüge landen stets auf dem Flughafen Kevlavik, auf der Halbinsel Reykjanes. Von dort braucht man nach Reykjavik ungefähr 45 Minuten mit dem Auto oder öffentlichen Bus. Mein Tipp: Wenn man sich sowieso einen Mietwagen besorgt, dann am besten bereits am Flughafen. So spart man sich die nervige Sucherei und kann sofort einsteigen und losfahren.

Geld

Die isländische Währung ist die króna. Rund 150 Kronen entsprechen einem
Euro. Man muss also am Kronen-Betrag zwei Nullen wegstreichen und rund ein Drittel abziehen. Klingt kompliziert, man gewöhnt sich aber schnell dran.
Manchmal will man aber vielleicht auch gar nicht so genau wissen, wie
viel Geld man gerade ausgibt. Leider wird Island seinem Ruf als teures
Reiseziel voll und ganz gerecht. Unbezahlbar ist eine Reise aber dennoch
nicht, besonders, wenn man seinen Reisestandard entsprechend anpasst.

Man muss akzeptieren, dass man für ein einfaches Doppelzimmer mit geteiltem Bad in einer Pension 80 bis 100 Euro pro Nacht ausgeben muss. Ja, bei uns würde man dafür bereits ein nettes Drei-Sterne-Hotel bekommen.

Man muss akzeptieren, dass ein Essen selbst in bodenständigen Lokalen
schnell mal 40 Euro kosten kann. Abhilfe schafft nur die Selbstversorgung. Aber auch hier muss man akzeptieren, dass die Lebensmittelpreise in den Supermärkten rund 30 Prozent höher sind als in anderen Ländern Europas, wie zum Beispiel Deutschland.

Man muss ebenfalls akzeptieren, dass ein Mietwagen in Island locker mehr als das dreifache kostet als in anderen Ländern. Mindestens 1.000 Euro muss man für zehn Tage Jeepmiete rechnen. Hier kann man sparen, indem man auf den Jeep verzichtet und sich mit einem normalen Mietwagen anfreundet. Mehr dazu
unter „Von A nach B“

Und man muss immer berücksichtigen: Die unbezahlbaren Naturerlebnisse in Island sind fast immer kostenlos!

Wer wissen möchte, was eine zehntägige Island Rundreise in etwa kosten wird, findet bei der lieben Manuela von Seiltanz eine detaillierte Kostenaufstellung für sehr sparsame Reisende.

Während sie auf Kosten von rund 2.500 Euro für zwei Personen gekommen
ist, waren wir mit rund 3.000 Euro zu zweit dabei – haben aber ebenfalls relativ sparsam gelebt und uns größtenteils selbstversorgt. Mit zwei oder drei Ausnahmen haben wir auswärts überwiegend Fast Food gegessen. Ich weiß, nicht sehr gesund, aber die Burger in den lokalen Imbissen waren immer lecker und mit umgerechnet um die sieben Euro unschlagbar günstig.

Gesundheit

Zum Thema Gesundheit gibt es in Island eigentlich nichts Spezielles zu
beachten. Oder doch: Man sollte berücksichtigen, dass – je nachdem, wo
man sich befindet – das nächste Krankenhaus ein ganzes Stück entfernt
sein kann, wenn man unüberlegt auf Bäume, Berge oder Gletscher klettert.

Unbedingt in die Reiseapotheke gehört im Sommer, neben den üblichen Verdächtigen (Schmerztabletten, Grippemittel, Antiallergikum, Antibiotika etc.), ein gutes Mückenmittel und im besten Fall sogar ein Moskitohut. Gerade am Myvatn-See können die Mücken im Sommer zur lästigen Plage werden.

Sicherheit

Die größte Gefahr in Island geht nicht von den Menschen, sondern der
unberechenbaren Natur aus. Ich glaube wir erinnern und alle nur zu gut
an den Ausbruck des Eyjafjallajökull, der in Europa tagelang den Flugverkehr lahmgelegt hat. Und dieser Ausbruch ist kein Einzelfall: Auf Island gibt es einige der aktivsten Vulkane unserer Erde und so ein Ausbruch kann theoretisch immer passieren. Zum Beispiel kam es im August letzten Jahres durch erhöhte seismische Aktivität zu einem Austritt giftiger Gase rund um den berühmten Wasserfall Dettifoss. Die Isländische Regierung hat das Gebiet weiträumig abgesperrt.

Grundsätzlich sollten Reisende während ihrer Island Rundreise täglich die aktuellen Wetterprognosen des isländischen Wetterdienstes checken und prüfen, ob für den nächsten Streckenabschnitt irgendwelche Gefahren vorhergesagt sind.

Wetter und Reisezeit

Wo wir gerade schon beim Thema Wetter sind: Island liegt nur rund 250
Kilometer südlich von Grönland und nur rund 20 Kilometer vom Polarkreis
entfernt. Dank des Golfstroms ist es besonders an der Südküste erstaunlich mild – besonders im Winter. Der Norden und Osten wird dagegen vom Grönlandwetter beeinflusst. Insgesamt sind die Sommer ziemlich kühl (zehn bis 15 Grad) und die Winter ziemlich mild. Das Wetter ist vor allem im Sommer sehr wechselhaft.

Apropros Sommer: der geht auf Island von Ende Juni bis Anfang September, ist also sehr kurz. Die touristische Hauptsaison ist vor allem im Juli und August. Mein Tipp für die perfekte Reisezeit: Anfang Juni oder Anfang September, wenn das Wetter noch oder bereits mild ist und die Insel noch nicht beziehungsweise
nicht mehr so überlaufen ist. Im Juni hat man noch dazu den Vorteil, dass es quasi nie dunkel ist.

Auch der Winter muss auf Island reizvoll sein, allerdings muss man je nach Monat mit teilweise nur vier Stunden Helligkeit auskommen. Ich würde gerne einmal den Winter auf der Insel erleben – dann aber am liebsten im Februar oder März, wenn es schon wieder ein bisschen länger hell ist.

Ganz hinter ist ein wenig blauer Himmel zu erkennen. (Quelle: Jana Zieseniß)

Verhalten vor Ort

Hierzu möchte ich nur eins sagen: Achte die Natur und ihre Gesetze! Was ich damit meine?

Lass keinen Müll in der Natur herumliegen!

Klettere nicht ohne Guide auf einen Gletscher.

Verlass auf Vulkanen oder in thermalen Gebieten niemals die angezeigten Wege.

Ignoriere keine Absperrungen, denn sie haben ganz sicher einen Sinn.

Von A nach B

Auf diesen Straßen müssen Autos ganz schön was abkönnen. (Quelle Jana Zieseniß)

Das wichtigste bei einer Reise nach Island ist ein fahrbarer Untersatz. Natürlich gibt es auch Busse, die Reisende entlang der Ringstraße transportieren. Aber an die Orte, an denen es schön ist, kommt man oft nur per Mietwagen. Wie oben erwähnt, muss man sich vor Reisebeginn für oder gegen einen Jeep mit Al entscheiden. Vielleicht weiß es der ein oder andere noch nicht: In Island gibt es spezielle Straßen, die mit einem „F” gekennzeichnet sind und die nur mit Jeeps mit Allradantrieb befahren werden dürfen. Wer sich dem widersetzt riskiert hohe Strafen und einen Verlust der Mietwagenversicherung. Nun ist es aber eben so, dass ein Mietwagen mit Allradantrieb mehr als dreimal so teuer ist wie der eh schon teure normale Wagen.

Mein Tipp: Viel Island in kurzer Zeit und das ohne Auto? Wie wäre es mit dem Island Klassiker: Einer ganztägigen Golden-Circle-Tour?

Meine schwerste Entscheidung vor Reisebeginn war die gegen einen Jeep, aus
Kostengründen. Wir haben für unseren normalen PKW für knapp zehn Tage rund 500 Euro ausgegeben. Ein Jeep hätte uns mindestens 1.300 Euro gekostet.

Ob ich es nun bereut habe? Nein, eigentlich nicht! Ich musste während meiner Island Rundreise feststellen, dass viele Straßen, die in meinem Reiseführer und der Karte noch als F-Straße angegeben waren, inzwischen auch für normale PKW freigegeben sind. Natürlich waren wir mit dem normalen Auto nicht so flexibel und konnten auch keinen richtigen Abstecher über Pisten ins Hochland unternehmen – jedoch konnten wir ohne Probleme alles entlang der Ringstraße erreichen, was wir gerne sehen wollten. Gerade für einen ersten Island-Besuch reicht das oft mehr als aus. Wenn ich nochmal nach Island reise, würde ich mir allerdings einen Jeep gönnen und ein paar abgelegene Ziele ansteuern, die wir so natürlich nicht besuchen konnten. Aber die stehen beim ersten Besuch meist sowieso nicht auf der Agenda.

Vielleicht noch zur Ergänzung: Dass die Straße nicht asphaltiert ist, heißt nicht, dass es sich um eine F-Straße handelt. In weiten Teilen des Landes gibt es nur Schotterstraßen, die man natürlich auch mit dem PKW befahren kann. Wer schon mal hunderte Kilometer über eine Schotterpiste geholpert ist, kann sich auch vorstellen, warum die Mietwagen in Island so teuer sind.

Übernachten in Island

Jeder, der sich für eine Reise nach Island entschieden hat, weiß: Island ist teuer! Fakt ist, im Juni muss man für ein schlichtes Guesthouse mit Gemeinschaftsbad rund 100,- Euro hinlegen. Wer auf ein eigenes Badezimmer wert legt, muss oft das doppelte oder dreifache für die Unterkünfte bezahlen. Selbst die Doppelzimmer in Isländischen Jugendherbergen liegen bei rund 70 bis 80 Euro pro Nacht.

Wenn man das einmal akzeptiert hat, kann man doch ein paar schöne Übernachtungsmöglichkeiten finden.

Nach vielfachem Wunsch stelle ich euch im Folgenden all unsere Unterkünfte vor, die allesamt empfehlenswert waren:

Igdlo Guesthouse, Reykjavík – familiengeführte Pension in einem ruhigen Viertel von Reykjavík, zehn Minuten Fußweg in die Innenstadt.

Borgarnes Bed & Breakfastsympathisches Guesthouse mit Kochmöglichkeiten direkt am Fjord gelegen.

Sæberg Hostel & Appartments – gemütliches Hostel mit Kochmöglichkeiten und eigenem Hotpot!!! Direkt am Fjord – inzwischen auch mit dazugehörigen Appartments.

Siglunes Guesthouse – wirklich stylisches Gästehaus im Zentrum von Siglufjörður.

Draflastadir Guesthouse – schönes, neu renoviertes Guesthouse mit tollen, hausgemachten Abendessen, leider sehr abgelegen rund eine Fahrstunde nördlich von Myvatn-See, dafür mit schönem Hotpot!!!

Guesthouse Nypugardar – Guesthouse mit süßen, kleine Holzhütten in der Nähe von Höfn – meine Lieblingsunterkunft der Reise.

Guesthouse Stekkatún – ebenfalls günstig gelegene Unterkunft im Süden (die man sich allerdings auch sparen könnte und lieber eine weitere Nacht im
Nypugardar verbringen kann, weil die beiden Unterkünfte garnicht weit
auseinander liegen)

Like Vík Guesthouse – sehr persönliches Gästehaus mit liebevollen, herzlichen Gastgebern. Tolles Frühstück, das gemeinsam an einem großen Tisch eingenommen wird.Der frühe Vogel kriegt das günstigste Zimmer.

Noch dazu musste ich feststellen, dass JETZT, also im Januar, sprich über fünf Monate vor der Reise, schon viele Hotels und Gästehäuser ausgebucht sind oder nur noch wenige Zimmer frei haben. Also musste ich gegen meine Überzeugung und ziemlich spontan schon die gesamte Reise planen und schon sämtliche Unterkünfte vorbuchen. Wenn also jemand von euch eine Reise nach Island vorhat, kann ich nur raten: früh buchen!

Reiseroute

Wie fast jeder Reisende sind wir die klassische Island Rundreise einmal um die Insel auf der Ringstraße 1 gefahren, allerdings haben wir ein paar Schlenker eingebaut, die uns auch in etwas entlegenere Gegenden geführt haben. Ich denke, dass die Route so beliebt ist, zeigt, dass man so einen guten Eindruck von der Vielfältigkeit der isländischen Landschaft bekommt. Wir hatten für die gesamte Strecke neun Tage Zeit. Länger wäre besser gewesen – kürzer würde ich auf keinen Fall empfehlen. Schon bei neun Tagen muss man gerne Auto fahren, denn man sitzt eigentlich täglich ein paar Stunden im Wagen. Ich würde sagen optimal wären 14 Tage. Dann kann man ein paar Tage einplanen, an denen man mal nicht fährt. Und noch länger geht natürlich immer!

Island-Reiseroute-1

Die Highlights

Meine Highlights der Streckenabschnitte habe ich euch ja bereits in den
einzelnen Artikeln verraten. Aber zusammengefasst haben mich vor allem
folgende Orte beeindruckt:

Die Blaue Lagune (sie ist ihr Geld wert)

Die Halbinsel Snæfellsnes

Siglufjörður, die nördlichsten Stadt Islands

Das Whale Watching in Húsavík

Die Gegend um den Mývatn

Die Gletscherlagune Jökulsárlón und ihre kleine Schwester

Vík und seine Papageientaucher

Der Wasserfall Seljalandsfoss

Das verlassene Schwimmbad Seljavellir

Eigentlich generell das Baden in Hotpots

Reiselektüre

Ich muss gestehen, ein richtiges Buch habe ich auf unserer Island-Reise nicht gelesen. Unseren Reiseführer, das DuMont Reise-Handbuch Island kann ich aber auf alle Fälle empfehlen. Ich bin ja generell ein großer Fan der Dumont-Reihe, weil sie für mich den besten Kompromiss aus interessanten Informationen, schönen Bildern und guten Tipps darstellen.

Habt ihr noch Fragen oder Ergänzungen zum Thema Island Rundreise? Schreibt es mir doch in die Kommentare!

Island hat wirklich einige beeindruckende Natur-Highlights zu bieten. (Quelle: Jana Zieseniß)

Dieser Artikel erschien zuerst auf Sonne & Wolken, dem Reiseblog von Jana Zieseniß. Wir freuen uns, dass sie jeden Monat eine Kolumne rund ums Reisen bei uns veröffentlicht.

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