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Die unendliche Farce von der Authentizität

„Du musst authentisch sein“ – ziemlich idiotisch nur, dass damit viele Menschen meinen: „Du musst dich immer gleich verhalten“. Immer gleich? Wie soll das gehen? Authentizität gibt es nicht!

 

Niemand ist immer und überall gleich. Jeder Mensch übt verschiedene Rollen in seinem Leben aus. So sind Sie beispielsweise Mutter, Unternehmerin und Partnerin. Und wenn ich Sie frage: „Handeln Sie als Mutter und Unternehmerin völlig gleich?“ Wahrscheinlich würden Sie mit der Stirn runzeln und mir ein „Mitnichten“ zuwerfen. Ihr Kind würde Sie nämlich ganz schön zurückpfeifen, wenn Sie von einer Agenda sprechen oder ihm feste Termine setzen. Zurecht!

Die Rolle macht’s

Und genau darum geht es mir. In jeder Rolle ist etwas anderes wichtig. Jede Rolle ist mit anderen Erwartungen und Forderungen verknüpft. Und dementsprechend anders ist das Verhalten – eben dem Umfeld angepasst. Und das ist auch gut und richtig so.

Worauf es jetzt aber ankommt, ist: Sind Sie in Ihrer jeweiligen Rolle glaubwürdig? Nimmt Ihr Gegenüber Ihnen ab, was Sie tun und sagen?
Das soll nun nicht heißen, dass Sie sich verstellen sollen. Seien Sie ehrlich. Aber eben auf eine Weise, dass es bei dem anderen auch ankommt. Denn was nützt Ihnen die schönste Botschaft, die beste Absicht, wenn Ihr Gegenüber diese nicht wahrnimmt? Nicht wahrnehmen KANN. Ganz einfach, weil er andere Wahrnehmungs- und Wirkungsmuster hat.

So werden Sie beispielsweise mit Pokerface bei Ihrem Gesprächspartner, der auf Mimik und Gestik setzt, niemals landen – außer Sie arbeiten an Ihrem Ausdruck.

Gesichtsmuskeln trainieren

Sehen Sie es so: Sie sind so, wie Sie sind. Daran ist auch nichts auszusetzen. Aber wenn Sie erreichen wollen, dass Ihr Gegenüber Sie versteht, dann müssen Sie sich entwickeln. Und das bedeutet: Neue Ausdrucksformen erlernen, vielleicht Gesichtsmuskeln trainieren oder Gesangstunden nehmen.

Natürlich fühlt sich das am Anfang komisch an, aber mit jeder Übung erweitern Sie Ihre Optionen und versetzen sich selbst in die Lage, adäquat mit Ihren Mitmenschen umzugehen. Nämlich so, dass Sie auch verstanden werden. 

„Kommt damit klar!“

Andererseits könnten Sie sich auch auf Ihrem Wesen ausruhen. Sie könnten sagen: „Sorry, ich bin halt so. Kommt damit klar.“ Aber dann müssen Sie akzeptieren, dass Ihre Mitmenschen Sie nicht verstehen und Ihre Botschaft nicht ankommt. Schade, oder?
Kommen Sie also lieber raus aus der „Authentizitätsecke“. Ganz nach Harald Schmidt, für den authentisch sogar ein Schimpfwort ist. Glaubwürdig in Ihrer jeweiligen Rolle können Sie trotzdem sein – Schmidt als Late-Night-Moderator ist das beste Beispiel dafür.

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