Foto: Lisa Wahl

Ein Land entgegen aller Vorurteile

Warum Israel so viel mehr als nur Krieg definiert

 

„Weiße Stadt“, „die
Stadt, die niemals schläft“, „die Stadt in der man alles haben kann“. Tel Aviv
hat viele Namen. Dennoch sind Israel und seine Hauptstadt vor allem durch eines bekannt: negative Schlagzeilen. Berichten die (deutschen) Medien über Israel, so geht es meist um ein und dasselbe Thema: Es geht um Krieg. Um Gewalt, um Waffen und alles was der Nahost-Konflikt seit Jahrhunderten mit sich bringt. Wahr ist, dass der Krieg und Israels Rolle darin eine besondere Bedeutung für das Land und seine Einwohner hat, aber Israel hat so viel mehr als nur Krieg zu bieten. 

Die wenigsten Menschen verbinden mit Israel mehr als
Schlagwörter wie „Nahostkonflikt“, „Judentum“ oder „Hebräisch“. Schade ist, dass 
die (deutschen) Medien mehr oder weniger bewusst ein Bild von Israel in unseren Köpfen erzeugen, das sich nur schwer wieder löschen lässt. Die Reaktionen auf einen längeren Aufenthalt im Heiligen Land sind eintönig: „Bist du verrückt?“, „da herrscht doch Bomben-Stimmung“.

Doch anstelle von Gewehren, Soldaten und Handgranaten findet sich eine bunte Mischung aus Farben, Formen und Gerüchen in Israels Hauptstadt Tel Aviv. Der Krieg hat vor allem eines geschaffen: Sicherheit. Israel und seine Städte gehören zu den am besten bewachten Orten der Welt. Frühere Anschläge haben die Präsenz von Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Keinesfalls fühlt man sich doch durch diese Maßnahmen belästigt; ich habe mich noch nie besser aufgehoben gefühlt. 

Die Stadt, die sich im typischen Bauhausstil zeigt, würfelt alte und neue Gebäude, Tradition und Innovation wild durcheinander und bedient sich dabei keinerlei Grenzen. In den Straßen verliert man sich in Märkten aller Art, überall säumen Musikanten und kleine Restaurants mit Nationalgerichten wie Hummus, Schawarma und Falafel die Straßen. Die kleine Altstadt „Old Jaffa“ beherbergt einen der ältesten Häfen der Welt und entführt in ein Märchen aus 1000 und eine Nacht. Ein Ort an dem man Religion und Geschichte spüren kann.

Das Meer spielt in Tel Aviv seit jeher eine entscheidende Rolle. Die Stadt riecht nach Fisch, Gewürzen, frischem Obst und Exkrementen. So bunt wie die Stadt selbst, sind auch die Menschen. Tel Aviv ist eine Weltstadt, in der tausende Kulturen aufeinander treffen. Anstelle von Mord und Totschlag bedeutet dies für Tel Aviv aber Offenheit, Nächstenliebe und Zivilcourage. Obdachlose werden liebevoll versorgt, unterstützt und von keinem Passant als Aussätzige behandelt. 

Fragt man nach dem Weg, so kann ein ganzer Bus zur Reiseleitung mutieren und wird man ungerecht behandelt, setzen sich fremde Menschen lautstark für das Recht anderer ein. Es scheint keine besseren oder schlechteren Menschen in Tel Aviv zu geben, jeder wird mit Respekt behandelt. Sogar das Tierwohl scheint dem der Menschen manchmal übergeordnet zu sein. Mit Hingabe werden Tauben und Katzen auf der Straße gepflegt und gefüttert. Sie werden nicht als Plage verstanden. Auch dass Katzenfutter Handflächen-große Kakerlaken magisch anzieht, stört die Israelis nicht. 

Selbst im „Dschungel  von Tel Aviv“, wie das Arbeiter- und Migrantenviertel nahe dem Hauptbahnhof unter Einheimischen bezeichnet wird, fühlen sich Mensch und Tier zu jeder Tages-  und Nachtzeit sicher. Obwohl die Schere
zwischen arm und reich groß ist und es Drogenprobleme gibt, gibt es kaum Kriminalität in Israel. Es heißt: Leben und leben lassen.

Nicht nur Israels Offenheit, die religiösen Stätten oder die geschichtsträchtigen Orte lassen das Land zu einer interessanten Urlaubsdestination werden. Auch die einzigartige Natur besticht. Mit nahezu 300 Sonnentagen im Jahr ist Israel ein Paradies für Sonnenanbeter. Tel Avivs saubere Strände laden auch in den Wintermonaten dazu ein. Wer sich leicht fühlen will, lässt sich im Toten Meer treiben; wer sich frei fühlen will, verliert sich in den unendlichen Weiten der Wüste Negev. In Tel Aviv trifft man auf zahlreiche Touristen. Vor allem Engländer, Franzosen und Russen scheinen den Geheimtipp schon für sich entdeckt zu haben.

Es kann nicht schaden, als Tourist immer ein offenes Ohr und wachsame Augen zu haben. Schaden kann das mittlerweile auf der ganzen Welt nicht mehr. Aber beispielsweise nach Trumps Entscheidung, Jerusalem zur Hauptstadt Israels zu erklären, waren alle (deutschen) Augen auf die Medien gerichtet und Urlaubsreisen nach Israel wurden storniert. Aber Tel Aviv war ruhig, Jerusalem war ruhig, Israel war ruhig. Die Medien machen es Außenstehenden schwer, einen neutralen Blick auf das Land zu erlauben. Aber Israel definiert sich durch so viel mehr als nur Krieg. Ich plädiere für Offenheit gegenüber dem Land, entgegen aller Vorurteile. Es lohnt sich!

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