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Ein Leben ohne Hochzeit – fehlt da etwas?

Während eine Eheschließung früher ganz selbstverständlich zum Leben gehörte, teilt sich die Bevölkerung heute beim Thema Hochzeit in zwei Lager: Die einen winken dankend ab oder nehmen sogar die Beine in die Hand, die anderen verknüpfen mit einer Heirat die Erfüllung ihrer romantischen Träume.

 

Während eine Eheschließung früher ganz selbstverständlich zum Leben gehörte, teilt sich die Bevölkerung heute beim Thema Hochzeit in zwei Lager: Die einen winken dankend ab oder nehmen sogar die Beine in die Hand, die anderen verknüpfen mit einer Heirat die Erfüllung ihrer romantischen Träume. Unzählige Boards (Fotosammlungen) auf der beliebten Fotoplattform Pinterest quellen über vor Ideen für Brautkleider, Ringe und Deko und die entsprechenden Kategorien in den Onlineshops sind gut gefüllt. Ja, Heiraten liegt voll im Trend, sodass sogar manche sehr eigenständige Frau wieder ins Zweifeln gerät. Ist es vielleicht doch ganz ok? Irgendwas muss ja dran sein, oder?

Ist Heiraten anti-feministisch?

Eigentlich ist die Fragestellung schon falsch! Die inspirierendsten Rednerinnen erinnern uns daran, dass Fe minismus gerade eine Welt der Vielfalt, und nicht des Ausschlusses ist. Wenn eine heiraten möchte, soll sie es auf jeden Fall tun, wenn sie ihre Partnerschaft gut geprüft hat. Immerhin befindet sie sich dann in guter Gesellschaft, denn seit einigen Jahren steigt die Anzahl der Eheschließungen wieder. Die Scheidungsquote in Deutschland liegt bei 37 %. Nicht ganz so hoch, wie manchmal propagiert wird.

Heirat für alle!

Dass die Ehe wieder im Trend liegt und weder an Konfession noch an das Geschlecht gebunden ist, macht der landesweite Einsatz für die „Ehe für alle“ deutlich. Auch gleichgeschlechtlichen Partnern genügt es nicht mehr, eine eingetragene Lebenspartnerschaft zu führen. Seit Oktober 2017 dürfen sie endlich heiraten. Neue Lebenspartnerschaften werden seitdem nicht mehr eingetragen. Wer gemeinsan vor den Traualtar treten will, muss seine Lebenspartnerschaftsurkunde beantragen und geneinsam mit allen anderen Papieren im Standesamt vorlegen.

Aber was ist das Besondere an der Ehe, dass so viele liebende Paare sie immer noch als persönliches Lebensmodell wählen? Das wollte Statista ebenfalls wissen und hat Bürger befragt. Fast die Hälfte der Befragten glaubt, sich durch eine Hochzeit mit dem Partner enger verbunden zu fühlen, mehr als ein Drittel hält sie für einen Liebesbeweis. Nur 6 % können sich keinen einzigen Grund vorstellen, um jemanden zu heiraten:

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Gründe, um zu heiraten?

Doch wie steht es neben den romantischen Vorstellungen um die ganz konkreten, lebenspraktischen Gründe für eine Eheschließung? Es gibt viele Nachteile, die Paare in „wilder Ehe“ im Vergleich zu Ehepartnern haben. Ist es gerecht, dass Verheiratete manche Privilegien genießen? Ja, denn immerhin stehen sie auch füreinander ein. Zunächst ist der Ehepartner an der Reihe, für seine „zweite Hälfte“ aufzukommen, bevor der Staat etwa mit Sozialleistungen einspringt. Die gegenseitige Verantwortung ist wohl der größte Unterschied zur wilden Ehe und auch der Grund, warum man sich das Heiraten gut überlegen sollte. Vorher sollten folgende Fragen positiv beantwortet werden können:

  • Kann ich mich auf meinen Partner verlassen und steht er auch in schlechten Zeiten zu mir?
  • Ist unsere Beziehung mit der Zeit gewachsen und hat ein stabiles Fundament?
  • Kennen wir uns wirklich in all unseren Facetten?
  • Waren wir gemeinsam um Urlaub und haben uns dabei verstanden?
  • Kann ich mir vorstellen, mit diesem Menschen bis ans Ende meiner Tage zusammen zu sein?

Wilde Ehe vs. Ehepaar – diese praktischen Unterschiede gibt es

  1. Im Krankheitsfall Entscheidungen treffen. Niemand wünscht es sich und doch passiert es täglich: Menschen haben Unfälle, werden krank, müssen sich aufwendigen Behandlungen unterziehen. Vielleicht sind sie sogar außerstande, eigene Entscheidungen bezüglich ihrer Versorgung zu äußern. Ein Lebenspartner weiß in der Regel, welche Wünsche die geliebte Person für solche Fälle hat. Gibt es jedoch keinen Trauschein, dann gibt es auch keine Handhabe. Will man gegenüber Behörden, Krankenhäusern und Pflegeheimen füreinander sprechen können, sind gegenseitige Vollmachten notwendig. Ohne diese Papiere dürfen die Ärzte auch einem langjährigen Partner nicht einmal Auskünfte über den gesundheitlichen Zustand geben.
  2. Erben. Ohne ein Testament können Paare ohne Trauschein sich nicht gegenseitig beerben. Selbst wenn sie jahrelang zusammenleben und gemeinsam wirtschaften, erben dennoch immer nur die Verwandten eines Verstorbenen. Zunächst die Kinder, dann die Eltern und weitere Familienmitglieder. Zieht also zum Beispiel ein Partner mit in das Haus des anderen, hilft es abzubezahlen und hält es mit seiner Arbeitskraft und seinem Geld in Schuss, erwirbt er sich dadurch keine Rechte. Verstirbt der Partner, steht der andere vor dem Nichts und muss vielleicht sogar ausziehen, weil die Erben es so wollen. Übrigens: Ein Testament kann natürlich widerrufen werden, ohne dass der Partner etwas davon erfährt, denn es gibt keinen gemeinschaftlichen letzten Willen. Die beste Lösung hier ist ein Erbvertrag.
  3. Ehegattensplitting. Diese steuerliche Regelung lohnt sich besonders, wenn einer der Partner deutlich weniger verdient, vielleicht weil gerade ein gemeinsames Kind unterwegs ist. Die Einkommen werden addiert und dann wieder halbiert, von diesem Betrag wird die Einkommenssteuer berechnet und wieder verdoppelt. Die steuerliche Belastung des Mehrverdieners sinkt dadurch ganz erheblich, was dem Paar zugutekommt.
  4. Teure Geschenke. Teure Geschenke müssen versteuert werden, wobei die Steuer umso niedriger ausfällt, je enger das Verwandtschaftsverhältnis ist. Während Verlobte und Lebensgefährten schon ab 20.000 Euro den Staat beteiligen müssen, haben Ehepartner mit 500.000 Euro den höchsten Freibetrag.
  5. Hinterbliebenenrente. Auch wenn die Witwen- oder Witwerrente nicht gerade hoch ist, steckt sie dennoch im Alter eine Entlastung des Ehepartners dar, der seine zweite Hälfte verloren hat. Unverheirateten steht diese Möglichkeit nicht offen.

Fazit:

Für Romantiker sind die lebenspraktischen Umstände natürlich kein Grund, gemeinsam vor den Standesbeamten oder Pfarrer zu treten und sich das Versprechen zu geben, füreinander da zu sein. Wer sich jedoch entschließt, mit einem besonderen Menschen sein Leben zu verbringen und willens ist, Verantwortung für diese Person zu übernehmen, dem wird das durch eine Heirat wirklich leicht gemacht. Wer das nicht tut, dem fehlt vielleicht nichts im Leben, doch er wird niemals erleben, wie es ist, sich verbindlich auf einen anderen Menschen einzulassen.

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