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Ein Plädoyer für das Wandlungspotential in Konflikten

Konflikte können helfen, sich selbst weiterzuentwickeln

 

Bei jedem Anfang eines neuen Projektes stellt sich zu Beginn das Gefühl
davon ein, die Welt aus den Angeln heben zu können. Und doch ganz
schnell kann es passieren, dass die Realität einen einholt und man sich
unsanft auf dem Boden der Tatsachen wiederfindet. Zum einen kann dies
sehr schmerzhaft sein, zum anderen sehr befreiend. Aber warum?

Jeder Anfang trägt die alten bis dato erlangten Erfahrungen mit sich. Selbst,
wenn wir etwas absolut Neues beginnen, so zeigt sich doch meist recht
schnell, dass wir alte Konflikte, Selbstzweifel oder Bedürfnisse, die
nicht mehr passen aber noch nicht abgehakt sind, ebenso, wie das
angelernte Wissen und alle Erkenntnisse mit in das Neue tragen.
Wie gelangt man aus diesem Teufelskreis, alles zu wiederholen, selbst die
Dinge und Erlebnisse, die wir überwinden können?

1. Die Macht der Gewohnheit.
Wir Menschen sind Gewohnheitstiere, unabhängig davon, wie beweglich (mental/ körperlich) ein jeder sich fit hält und unabhängig davon, ob man eher ein bodenständiger Mensch oder ein Luftikus ist. Fakt ist, dass der Mensch
sich nach irgendeiner Art von Sicherheit und Beständigkeit sehnt, und
sei dies der ständige Wechsel von Dingen. Dies wiederum bedeutet, dass
wir uns zum Teil leichter mit unangenehmen, aber bekannten Situationen
abfinden und befassen können (selbst, wenn sie uns im Grunde unzufrieden
 stimmen oder uns absolut durcheinander bringen), da diese durch ihren
„Bekanntheitsgrad“ im Unbewussten eine Konstante darstellen und dadurch
ein Sicherheitsgefühl suggerieren.  Wenn wir uns nun in einer Situation
befinden, die schon tausende Male vorgekommen ist (z.B. Vorwürfe/ Kritik
 von Außen, die von einer neuen Person/ aus einem neuen Umfeld getroffen
 wird und es sich hierbei um alte Vorwürfe/ Kritik handelt, die schon
sehr oft in der Vergangenheit getätigt wurde), haben wir theoretisch die
 Möglichkeit, uns für oder gegen das alte Verhalten zu entscheiden. In
der Praxis stellt sich eine solche Entscheidung als weitaus schwieriger
dar. Denn das alte Verhalten hat an mehr Substanz und Sicherheit
erlangen können, als ein neues mögliches Verhalten, was sich in den
ersten Schritten als sehr ungewohnt und vielleicht auch „falsch“
anfühlen mag. Selbst, wenn es günstiger wäre, sein eigenes Verhalten in
dieser schon so oft vorgekommenen Konfliktsituation zu verändern, wird
dies seine Zeit dauern. Ein erster guter Schritt zu einer Veränderung
und persönlichen Weiterentwicklung bis hin zur Zufriedenheit und
Akzeptanz seiner selbst ist: das Anerkennen der Situation und des
eigenen Wesens und Verhaltens. Bewusstwerdung kann ebenso schmerzen sein und das Ego belasten, doch es lohnt sich, herauszufinden, was tatsächlich
des Pudels Kern ist.

2. Sei, wer du bist.
Diesen Satz habe ich einmal irgendwo geschrieben gelesen und lange darüber nachgedacht. Und durch oben beschriebene Konflikte, die immer wieder ähnlich
auftreten, stellte ich mir folgende Fragen:

  • Was genau ist der Kern des Problems,
  • inwiefern muss ich mich selbst anpassen bzw. „verändern“ und
  • geht es hier überhaupt darum, dass ich mich veränderen „soll“, damit ich „hineinpasse“ oder
  • geht es vielmehr um eine Umdeutung des eigenen inneren Verständnisses oder der äußeren Reaktionen?

Haben wir nun im ersten Schritt herausgefunden, was tatsächlich los ist und
sind absolut ehrlich zu uns selbst, wie wir reagiert haben und welches
alte Muster wir erneut angewendet haben, kann Schritt zwei folgen: finde
 heraus, was tatsächlich dahinter steckt und was das alte Verhalten
triggert und beinhaltet. Bei der Analyse können oben genannte Punkte helfen. Vielleicht ist es auch an der Zeit, dies mit einem Vertrauten durchzugehen und den Konflikt von einer anderen Position betrachten zu lassen. Wichtig ist hier: Verurteile dich selbst dabei nicht und werte dich auch nicht ab!

Eine solche Abwertung würde das alte Verhalten nur noch verstärkt festigen, da es vom eigenen Unbewussten in Schutz genommen wird (als Gewohnheitstier halten wir nämlich gerne an sicheren Modellen fest und die Verurteilung verstärkt nur das Bedürfnis der Rechtfertigung und dies wiederum blockiert die
konstruktive Konfliktklärung).

An einem Beispiel aus der Arbeitswelt: Ich musste feststellen, dass ich weniger kooperativ kommuniziere, als ich es mir von mir selbst wünschen würde. Daraus entstanden Konflikte zwischen mir und meinen Vorgesetzten. Nicht, weil ich sie nicht akzeptierte, sondern, weil ich mich ungerecht behandelt fühlte. Um auf
den Kern dieses Gefühls der Ungerechtigkeit zu gelangen, musste ich mir
des Gefühls bewusst werden. Dass das nicht unbedingt Spaß macht, ist
sicherlich jedem klar. Und doch war mir daran gelegen, bestimmte Situationen nicht mehr unprofessionell oder ohnmächtig zu erleben, sondern gefasst und selbstbestimmt zu meistern.

3. Finde einen Weg, auf dem aus Konflikt- ein Wandlungspotential wird.
Konflikte können sehr kräftezehrend sein. Sie fordern einen oftmals in genau jenen Situationen heraus, in denen man es am wenigsten gebrauchen kann und
bringen einen an die eigenen Grenzen. Doch sie beinhalten auch ein
Wandlungspotential, was sich einem öffnet, lässt man sich darauf ein.
Nach den Schritten eins: erkennen und zwei: verstehen, kann nun Schritt
drei folgen: ausprobieren und für sich nutzen. Wie ist das gemeint?

Sind wir in einer neuen Situation, die sich jedoch als alter Konflikt
entpuppt, versuchen wir, uns kurz zurückzunehmen und zu erkennen, dass
es sich hierbei um eine bereits bekannte Situation der Vergangenheit
handelt. Am besten hilft es, mit einer vertrauten Person die Situation
und das eigene Empfinden zu besprechen und mit ihr den Konflikt aus
mehreren Perspektiven zu beleuchten. Außerdem kann es helfen, sich alte
Konflikte zu vergegenwärtigen, sich dem alten Verhalten bewusst zu
werden und diese Situation mit dieser Person durchzusprechen. In dem
Sinne:

  • Wie könnte ich mich außerdem verhalten? Was wäre noch eine Möglichkeit? Aber auch bezogen auf einen Selbst:
  • Was kann ich für mich selbst tun, damit ich mich im Kern nicht mehr
    derart verletzt/ unter Druck gesetzt/ verurteilt fühle?
  • Und wenn ich mich so fühle, wie würde ich im besten Fall damit umgehen können?

Die „sicherste“ Methode, dies zu üben (ohne seinen Arbeitsplatz zu
verlieren oder sich bei den eigenen Kollegen unbeliebt zu machen), kann
sein, dies in Konflikten mit Vertrauten zu üben, da sie uns trotz des
akuten Konfliktes eine Sicherheit geben, nämlich: dass sie uns lieben.
Wir versuchen nun, durch das Erkennen und Verstehen unser Verhalten zu
regulieren und es anders auszudrücken. Wichtig ist dabei, sich nicht
selbst zu verurteilen, sondern zu reflektieren und dabei ehrlich mit
sich selbst und den eigenen Bedürfnissen zu sein.

Am Anfang wird es immer wieder passieren, dass alte Konflikte neu auftreten. Außerdem ist es Tatsache, dass manche Verhaltensweisen Wesensmerkmale sind und manche Typen von Menschen dementsprechend nicht gut miteinander kooperieren können. Doch selbst in solchen Situationen kann eine Selbstregulierung dabei helfen, den eigenen Selbstwert zu bewahren, anstatt unkontrolliert aus der Haut zu fahren und wild um sich zu schlagen. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dies nirgendwo hinführt.

4. Wertschätzung und Wandlung zu einem wahren und akzeptierten Selbst.

Konflikte werden meist als sehr negativ beurteilt. Denn wie oben besprochen
können sie sehr tief sitzende Konflikte, Verletzungen und Unsicherheiten
aus zum Teil längst vergangener Zeit hervorrufen und die eigenen Wesensschichten und das eigene Selbstwertgefühl tief berühren. Jedoch können sie, wenn sie umgedeutet werden, zum Beispiel als Sichtbarmachung von Potential, was in uns noch nicht ausgeschöpft wurde, zur Bewusstseinserweiterung des eigenen Selbst verhelfen.

Was sehr spirituell oder abgehoben klingen mag, spricht lediglich von Folgendem:

Das Verlassen der Komfortzone wird dabei helfen, den eigenen Weg zu finden, auf dem man sowohl sich selbst weiterentwickelt und erfolgreich sein, als auch zufrieden mit dem eigenen Umfeld umgehen und darin glücklich argieren kann.

In diesem Sinne ist es sehr lohnend, sich selbst auf die Probe zu stellen und dies in das Erkennen miteinzubeziehen, was sich Leben nennt. Und selbst, wenn die ersten Versuche nicht gelingen oder schief laufen sollten, Laufen haben wir auch nur gelernt, indem wir immer wieder aufgestanden sind.

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