Foto: by Emilia Szymanska-Bacztub

Einwandfrei und doch nicht ganz gleich.

In Deutschland leben neun Millionen Frauen mit Migrationsgeschichte. Ganze 11 % davon stammen aus Polen. Diese Frauen fallen oftmals kaum auf, auch wenn sie die deutsche Sprache einwandfrei sprechen und gut integriert und gut ausgebildet sind.

 

 Einwandfrei und doch nicht ganz gleich. 

In Deutschland leben neun Millionen Frauen mit Migrationsgeschichte. 

Ganze 11 % davon stammen aus Polen. Diese Frauen fallen oftmals
kaum auf, auch wenn sie die deutsche Sprache einwandfrei sprechen und gut
integriert und gut ausgebildet sind. 

Als größte Migrantinnengruppe aus dem EU-Raum und die zweitgrößte in Deutschland sind polnische Frauen aus dem deutschen Stadtbild nicht wegzudenken. Und doch sind sie in der
Öffentlichkeit unterrepräsentiert. Der Zugang, auf Augenhöhe mitzumischen, ist
Ihnen in vielen Bereichen, wie Politik, Kultur und Medien auf Augenhöhe leider bis
heute nicht möglich. Somit bleibt Frauen mit polnischen Wurzeln der Eintritt
zum qualifizierten Arbeitsmarkt leider oft versagt.  

Um an diesem Rollenverständnis etwas zu ändern, hat der Verein agitPolska e.V. das Mentoringprogramm „PolMotion – Bewegung der polnischen Frauen“ ins Leben gerufen. Das Projekt steht für mehr Frauen mit polnischer Migrationsgeschichte in der Politik, der Kultur und den Medien. Es soll die Teilhabe polnischer Migrantinnen fördern und ihnen helfen ihre
Migrationserfahrung als wertvolle Ressource zu nutzen.  

Dazu arbeiteten Mentees ein Jahr lang eng mit ihren Mentorinnen in Berlin, Hamburg und München zusammen. Ein wichtiger Bestandteil des Mentoringprogramms war die Durchführung eines eigenen Mikroprojektes.
 

Trotz 100 Jahren Wahlrecht und einem allgemeinen Verständnis von Feminismus, haben es Frauen in unserer Gesellschaft noch immer um einiges schwerer als Männer.

Frauen verdienen weniger, zahlen jedoch bei vielen Dingen mehr. In höhere
Position zu kommen ist für den Großteil noch ein sehr weit entfernter Traum.
Ist es da nicht eine Freude, einem Projekt wie PolMotion beim Wachsen zu
zuschauen und zu sehen wie Frauen, Frauen unterstützen, die im Grunde genauso
sind wie sie – Frauen mit individuellen Ressourcen?  

Migrationsgeschichte als eine Stärke anzusehen und nicht als einen stigmatisierten Fehler, dieses Bewusstsein soll die Beteiligten empowern.  

„Das Projekt PolMotion passt gut in die Vorstellung der Selbstbestimmung hinein. Es gibt den Frauen mit polnischer Migrationsgeschichte ein Gesicht und wirkt der vermeintlichen „Unsichtbarkeit“ entgegen, stärkt sie und initiiert einen interkulturellen Dialog auf lokaler
Ebene.“, betont Renata Rakoczy-Dahlmann, Mentee von PolMotion. 

Gemeinsam sorgen die Frauen dieses Projektes nicht nur für mehr Sichtbarkeit,
sondern sie stärken sich auch gegenseitig.

Die Mentees lernen nicht nur von ihren Mentorinnen, die ihre Position in der
Gesellschaft bereits gefunden haben, sondern auch umgekehrt.  

„Die Mentees erlebe ich hoch motiviert und engagiert – auch ich profitiere von den Zusammenkünften und dem Austausch.“, berichtet Renata weiter.

Gerade die Hamburger Frauen dieses Projektes hat dies enger zusammengeschweißt. Sie haben dadurch eine Einheit gebildet und fühlen sich somit weniger alleine und ungesehen.
Gemeinsame Treffen und die einfache Möglichkeit zum Gedankenaustausch mit
Menschen die ähnlichen Erfahrungen machen, ist bereits eine wertvolle
Ressource, welche die Hamburger Frauen mit polnischer Migrationsgeschichte
immens bereichert. 

PolMotion zeigt wie wichtig solche Projekte heutzutage für unsere diverse Gesellschaft sind. Projekte wie diese, bieten den Rahmen und somit die Möglichkeit zum Austausch, zur Vernetzung,
dem Dialog auf Augenhöhe und nicht zu unterschätzen, die Teilhabe an unserer
Gesellschaft.  

Individuelle Ressourcen auszutauschen und zu nutzen und voneinander zu lernen – 100 Jahre
nachdem Frauen sozusagen eine offiziell eine Stimme erteilt wurde, ist es von
großer Bedeutung, dass Frauen sich füreinander einsetzen und selbstbestimmend, gemeinsam
auf sich aufmerksam machen.  

Bei PolMotion bleiben die Gruppen daher nicht nur unter sich, sondern planen, wie bereits erwähnt, eigene Mikroprojekte im Sinne der Sichtbarkeit von Frauen mit polnischer
Migrationsgeschichte.  

So fand im März, die von den Frauen des Programms selbst organisierte
Veranstaltung „Frauenbrunch: Mehr Sichtbarkeit für Partizipation auf
Augenhöhe“, in Hamburg statt.  

„UnserFrauenbrunch hat einen enormen Erfolg erlangt. Es zeigte sich deutlich, wie
notwendig ein solcher Dialog untereinander, aber auch mit anderen
Frauengruppierungen in Hamburg ist. Viele positive Reaktionen, Nachrichten,
Einladungen folgten der Veranstaltung…“, so der Eindruck einer weiteren Mentee.
 

PolMotion war somit nicht nur eine
Unterstützung für polnische Frauen, nein es bildete eine Grundlage dafür,
Netzwerke zu schaffen, welche partizipatorisch Frauen dazu motivieren sollte,
Bewegung in unsere heutige vielfältige Gesellschaft zu bringen.  

„Gemeinsam sind wir stark“: Dieser bekannte Leitspruch könnte von den starken Frauen von PolMotion stammen. Denn hier wird deutlich, dass gemeinsam einiges bewirkt werden kann, wenn gemeinsam auf eine wichtige Sache aufmerksam gemacht wird. 

Wäre es nicht schade, wenn Projekte wie diese, wie viele andere nach dem ersten Durchführungsjahr von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen in der Versenkung verschwinden? 

PolMotion, ein kleines, wenn auch wirkungsvolles Projekt in dem großen Universum der Diversität. Projektewie diese benötigen viel mehr Aufmerksamkeit, denn dahinter stehen Menschen, die
gesehen werden möchten. Menschen, die für unsere Gesellschaft stehen, Menschen
die sich engagieren und unser miteinander vielfältig bereichern können.  

Frauen die sich gemeinsam stark machen. 

 

Sonja Collison, Hamburg 2019  

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