Foto: Tanja Misiak

Elternzeit: Wenn wir über gesetzliche Regelungen und lineare Karrierewege hinaus denken.

Im idealen Fall setzen Arbeitgeber und ihre Arbeitnehmer in Elternzeit auf Vertrauen und Wertschätzung. Raum für Kreativität, Transparenz und Klarheit ermöglichen einen Elternzeit-Prozess, von dem am Ende alle Seiten profitieren.

 

Über das Bedürfnis für persönliche und berufliche Weiterentwicklung während der Elternzeit

Zunehmend viele Eltern haben vor der Geburt ihres ersten Kindes bereits erlebt, was Karriere bedeutet. Das Freiheitsgefühl selbst bestimmt zu arbeiten, Verantwortung zu tragen, Menschen zu führen, Entscheidungen zu treffen. Sie kennen das Gefühl für ein Projekt zu brennen, die Nacht durchzuarbeiten und den Pitch am nächsten Tag zu gewinnen. Die Party danach.

Gut ausgebildete Frauen und Männer sind nach der Geburt ihres Kindes oft nicht zufrieden mit dem vorherrschenden Angebot an Krabbelgruppen und Babymassagen. Für die ersten Wochen ist das noch okay. Aber dann brauchen viele auch mal einen Ausgleich, eine kleine Auszeit vom Mutter-Baby-Haushalts-Tunnelblick. Gerade für Eltern, die sich „trotz“ Karriere für ein Kind entscheiden, haben ein großes und bisher weitflächig ignoriertes Bedürfnis: sie möchten sich während ihrer Elternzeit, mit Kind, Gedanken über die Zeit danach machen können. Sie möchten sich ihr eigenes Lebenskonzept mit ganz bewussten Entscheidungen gestalten. Sie möchten Klarheit, einen aktualisierten Plan für die geänderten Rahmenbedingungen, eine nachhaltige Basis für ein zufriedenes Leben mit Kind und Karriere. Sie möchten etwas für Ihre persönliche und berufliche Weiterentwicklung und Neu-Orientierung tun. Und das alles möchten sie während der Elternzeit tun und nicht erst am Ende, wenn die Würfel schon gefallen sind. Die Angebote für frühe Fremdbetreuung sind oft leider nicht das, was die beruflich ambitionierten Eltern als erstes suchen. Sie spüren durchaus auch die Bindung zu ihrem Kind, zur Familie, sie möchten Geborgenheit und Sinn erleben. Werte, die nicht nur für die Generation Y – der Generation, die jetzt in die Elternzeit kommt – immer wichtiger und wesentlicher werden.

Generation Y Elternzeit – ein wertebasiertes Upgrade

Tanja Misiak ist selbst Mutter und Unternehmensberaterin in Elternzeit und suchte, was sie nicht fand und gründete schließlich selbst. Eine Plattform, die diese benannten Eltern besser abholt und eine sinnvolle Ergänzung für die vielen Baby-zentrierten Angebote der Elternzeit bietet. Es geht um die Adjustierung des inneren Wertekompasses. Um das neue Mischen von alten und neuen Karten. Ums Eingemachte der Elternzeit. Es geht darum die Zeit zu genießen und zu nutzen die Basis für bewusste Entscheidungen zu legen.

An einer zunehmenden Anzahl an Standorten in Deutschland können Eltern während der Elternzeit gemeinsam mit ihren Babys/ Kindern an einem „Elternzeit Basecamp“ teilnehmen. Sie sind der ideale Rahmen für die beschriebenen elementaren Anliegen. Die Basecamps sind als ein 5-wöchiger Gruppencoaching-Prozess für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung und (Neu-)Orientierung konzipiert. Alles ist so organisiert, dass der Prozess gut in den Elternzeit-Alltag integrierbar ist. Ganz ohne Fremdbetreuung. Die Sessions finden vormittags statt über einen Zeitraum von 90 Minuten, Babys/ Kinder sind dabei, der Prozess wird mit „Hausaufgaben“ begleitet. Die Eltern erarbeiten mit Übungen aus der Coaching-Praxis ihre Fähigkeiten und Ressourcen. Sie arbeiten ihre Erfolgsgeschichten auf, ihre Flow-Erlebnisse, formulieren ihre Werte und eine neue Vision, in der Kind und Karriere so viel Platz haben, wie es sich jeweils gut anfühlt. Durch den Prozess sprudeln die Ideen, wie ein Leben mit Kind und Karriere aussehen könnte. Der Prozess fördert das Querdenken, jenseits der noch vorherrschenden und teils sehr konventionellen Rahmen der Elternzeit und jenseits der eigenen tief sitzenden Glaubenssätze.

Am Ende dieses Prozesses stehen Ideen für das nächste Gespräch mit dem Arbeitgeber, ein klareres Bild für den Wiedereinstieg. Oder einen Ausstieg. Denn auch Gründungsideen entstehen gerne bei einem solchen Prozess. Doch ob Wiedereinstieg oder Ausstieg oder etwas dazwischen: Sicher ist es eine Atmosphäre von Klarheit und innerem Frieden. Eine gefühlte neue Freiheit vom Mama-Baby-Haushalts-Tunnelblick. Wir wissen nach diesem Prozess, wo es ein Mehr und ein Weniger geben kann und wo und wann große und kleine Bühnen aufgebaut werden sollten. Ein langfristiger Plan tut gut. Er wird wahrscheinlich nicht immer so eintreffen. Aber er wird uns eine Ausrichtung geben, die sich gut anfühlt und bewusste Entscheidungen möglich macht.

Die Rolle der Arbeitgeber

Sollten Arbeitgeber ein Interesse haben, ihren Eltern in Elternzeit einen solchen Prozess zu ermöglichen? Unbedingt! Zu oft kommen doch die Storys eines gescheiterten Kontakthaltens während der Babyzeit vor. Zu oft die Erfahrung, dass die Welten doch zu weit auseinander liegen und man irgendwie aneinander vorbei redet, oberflächlich bleibt. Und (bisher) zu selten die Erfahrung, dass den Eltern das geboten wird, was sie während der Elternzeit wirklich brauchen.

Was kommt nach diesem Gruppencoaching-Prozess bei den Arbeitgebern an?

Die meisten Eltern haben nach diesem Prozess eine konkrete Idee, welches „Angebot“ sie ihrem Arbeitgeber machen möchten. Welchen Mehrwert kann die Mutter/ der Vater bieten, wenn sich die Rahmenbedingungen geändert haben? Wenn zum Beispiel nicht mehr in vergangenen Ausmaßen gereist werden kann. Oder wenn die Arbeitszeit reduziert werden soll. Vielleicht entsteht daraus nicht ein „Weniger“ von dem, was vorher da war. Sondern ein „Anders“. Neue Aufgaben, eine neue Stelle sogar, ein neues Projekt? Auch Gründungsideen standen bereits am Ende des Prozesses. Vielleicht verliert der Arbeitgeber dabei eine gute Mitarbeiterin/ einen guten Mitarbeiter. Aber vielleicht entstehen dabei auch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, eine neue Geschäftspartnerschaft, ein neues Netzwerk. Viel mehr als es ein „Weitermachen wie bisher in linearer Denkweise“ jemals möglich gemacht hätte.

Die Vorteile für den Arbeitgeber liegen auf der Hand: Entrepreneurship und Intrapreneurship werden gefördert, neue intern und extern umsetzbare Geschäftsideen entstehen. Aber auch jenseits des Business Developments profitiert der Arbeitgeber: Es geht um ein wertschätzendes Kontakthalten während der Elternzeit, Vorbeugen von Konflikten im Wiedereinstiegsprozess und nicht zuletzt um die Prävention von Ausfällen aufgrund von Krankheiten oder Burnouts, die meist aufgrund von Überlastung auftreten, weil an entscheidenden Eckpfeilern im Leben falsche Entscheidungen getroffen wurden.

Offenheit, Transparenz, Anerkennen der Werte einer bestimmten Lebensphase: das öffnet Türen zu ungeahnten Möglichkeiten. Statt sich auf gesetzliche Verpflichtungen zu fokussieren, richten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf den Mehrwert neuer Rahmenbedingungen aus. Klar, dieser Prozess ist ein wenig schwieriger. Er erfordert vor allem eine wertschätzende Haltung beider Seiten.

Die Gründerin von elterngarten, Tanja Misiak, ist selbst in Elternzeit und hat ihren eigenen Arbeitgeber als erstes von der Idee begeistert. Der tut mehr als die Gründung seiner Mitarbeiterin während der Elternzeit nur zu dulden. Er findet die Idee gut und lässt sich auf diesen kreativen Prozess gerne ein. Er hat nun einer ersten Mutter in Elternzeit die Teilnahme am Basecamp gefördert. Er unterstützt damit die persönliche und berufliche Weiterentwicklung seiner Mitarbeiterinnen und nutzt die Ideen, die daraus entstehen. Weitere Arbeitgeber werden mitziehen. Sie erleben, dass sie mit einem gegenseitigen Vertrauen kreative und ergebnisoffene Prozesse zulassen können und am Ende alle Seiten davon profitieren. 

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