Foto: Leonardo Veras – Flickr – CC BY 2.0

Wie geht es weiter nach Köln? Hunderte Feministinnen liefern mit der Kampagne #ausnahmslos erste Antworten

Die Debatte nach den sexualisierten Übergriffen in Köln hat auf der politischen und medialen Seite vor allem populistische Reaktionen mit sich gebracht, die vor allem eines vergessen: die Perspektive der betroffenen Frauen. Was muss jetzt getan werden?

 

Wie können wir Gewalt bekämpfen?

Mehr Polizeipräsenz, mehr Überwachung, schnellere Abschiebungen. In den Diskussionen nach der Kölner Silvesternacht standen bislang vor allem Themen der inneren Sicherheit und Asylpolitik im Vordergrund. Das massive Problem von sexualisierter Gewalt in Deutschland wird seither auch von Rechtspopulisten instrumentalisiert, die die Sicherheit von Frauen vorschieben, um Stimmung gegen Flüchtlinge und Migranten zu machen – eine Differenzierung dieser Diskussionen ist dringend notwendig.

Ein Zusammenschluss von Feminist_innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen – darunter auch muslimische Frauen und Frauen of Color – hat am Montag ein Statement veröffentlicht, das sich gegen die rassistische Instrumentalisierung von Gewalt gegen Frauen wendet:  Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos

22 Frauen, darunter die Aufschrei-Initiatorinnen Anne Wizorek und Nicole von Horst, die Autorin und Co-Gründerin von #schauhin, Kübra Gümüşay, die Aktivistin Ninia Binias und die Rapperin Sookee, haben in dem Statement außerdem 14 Forderungen entwickelt, um sowohl sexualisierte Gewalt als auch Rassismus zu bekämpfen.

Zu den über 300 Erstunterzeichner_innen gehören prominente Frauen aus mehreren Ländern wie die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Angela Davis, Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Laurie Penny, Autorin und Aktivistin, die Musikerin Inga Humpe und viele namhafte Wissenschaftlerinnen, Autorinnen und Politikerinnen.

Der Zusammenschluss setzt sich für eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung ein, um sexualisierte Gewalt zu bekämpfen und schreibt:

„Alle Menschen sollen sich von klein auf, unabhängig von ihrer Ethnie, sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität, Religion oder Lebensweise, sicher fühlen und vor verbalen und körperlichen Übergriffen geschützt sein: egal ob auf der Straße, zu Hause, bei der Arbeit oder im Internet. Ausnahmslos. Das sind die Grundlagen einer freien Gesellschaft.“

Die Ideen, wie das gelingen kann, umfasst die Stärkung von Beratungsstelle, die Schließung von Schutzlücken im Strafrecht, mehr Aufklärungsarbeit schon an Schulen und eine Sensibilisierung von Polizei und Justiz. 

Die Autorinnen wehren sich außerdem dagegen, dass Sexismus „islamisiert“ werde und damit 5 Millionen muslimische Menschen in Deutschland unter Generalverdacht gestellt würden. Für eine differenzierte mediale Berichterstattung schlägt die Gruppe vor, dass Redaktionen vielfältiger werden, weil Journalist_innen mit Migrationshintergrund aktuell in Deutschland stark unterrepräsentiert sind, so „dass Themen, die andere Geschlechter, Ethnien und Minderheiten betreffen, nicht mit ausreichend Raum und Kompetenz behandelt“ würden.

Die Aktion könnt ihr auf der Website außerdem mitzeichnen, wenn ich die Ideen unterstützen wollt.

Hinweis: Ich bin Co-Autorin des Statements.

Titelbild: Leonardo Veras – Flickr – CC BY 2.0 

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