Foto: Joachim Gern

Fiona Bennett: „Der Hut musste sich ein neues Image zulegen“

Fiona Bennett ist Hutmacherin. Wir haben mit ihr über das Handwerk und die Leidenschaft zum Accessoire gesprochen.

 

Mit traditionellem Handwerk zum Erfolg

Melonen, Baskenmützen und Schlapphüte sind das täglich Brot der Berlinerin Fiona Bennett: Sie ist Hutmacherin. Was in Zeiten eines digitalen Alltags und schnell kopierenden Modeketten wie pure Nostalgie klingt, hat Bennett sehr erfolgreich gemacht. Ihrer Karriere als Modistin begann Ende der Achtziger Jahre in der Theaterszene, heute finden sich ihre Modelle im Kleiderschrank von Brad Pitt oder den Modestrecken der Vogue. Welche Merkmale ihre Entwürfe auszeichnen, was falsch gelaufen ist, wenn man sich mit einem Hut verkleidet fühlt und mit welchen Modellen man gerade richtig liegt, hat sie uns erzählt.

Sie sind Modistin. Wie sind Sie zu ihrem Beruf gekommen?

„Mein Traum war es Bildhauerin zu werden, über Umwege habe ich 1988 von dem fast ausgestorbenen Handwerk erfahren. Das hat in mir sofort den Wunsch geweckt näheres darüber zu erfahren. Obwohl ich in einem verstaubten Salon in Berlin Kreuzberg gelernt habe, war die Fantasie was man daraus machen könnte, sofort da. Ich wollte das Handwerk retten und die Schönheit dieses wunderbaren Accessoires wieder ans Licht bringen.“

Hüte anzufertigen ist ein traditionelles, aber heutzutage auch rares Handwerk. Könnte Ihr Beruf als antiquiert bezeichnet werden?

„Sicherlich nostalgisch, da wir mit den gleichen Techniken arbeiten wie vor hundert Jahren. Handwerk an sich ist ja für viele kaum noch vorstellbar. Ich sehe mich jedoch als Hutdesignerin, das ist ein Unterschied. Ich nutze das Handwerk als Vehikel für meine Entwürfe.“

Jeder Designer hat eine eigene Handschrift. Woran erkennt man einen „Bennett-Hut“?

„Mir liegt daran, den zeitgemäßen Hut zu entwerfen: Hüte, die in unserer Gesellschaft funktionieren. Wir haben viele verschiedene Linien: Damen & Herren, Abend, Hochzeit, Pferderennen, Strick und Bühne. Was sicherlich alle Linien vereint: Die Modelle sind stilsicher und klar im Design. Gerne experimentiere ich mit Formen und Strukturen, mixe alte und neue Techniken.“

In ihrem Buch „Vom Locken der Feder“ schreiben Sie über das Hutmachen in Berlin. Wie ist Ihre Arbeit mit der Stadt verwoben?

„Berlin hat mich in sofern geprägt, als dass ich mich als Kreative komplett ausleben konnte. Berlin war keine schöne Stadt, es gab immer viel zu verschönern!“

Sie sind sehr erfolgreich. Gab es auch Zeiten, in denen Sie mit ihrem Beruf gehadert haben?

„Mein Beruf ist meine Berufung. Ich hatte nie die Wahl. Ich liebe, was ich tue.“

Schaut man in Bildbände, Magazine oder Filme, dann war der Hut besonders zwischen den 20er und 60er Jahren ein prägendes Modeaccessoire. Auch heute sieht man ihn wieder vermehrt. Was war in der Zwischenzeit los?

„Der Hut war mit Zwängen behaftet. Noch in den 50ziger Jahren war es unanständig ohne Kopfbedeckung vor die Tür zu gehen. In den 60er Jahren hat man sich aller Zwänge entledigt. Der Hut flog als erstes in die Ecke. Die Haare wuchsen und flogen im Wind. Freiheit ! Das war auch gut so. Der Hut musste sich langsam ein neues Image zulegen.“

Viele wagen sich gar nicht an den Hut. Ist es ein Accessoire, dem man gewachsen sein muss?

„Hut tragen ist eine Entscheidung. Entweder man will, oder man will nicht. Es gibt so viele Hüte, Formen und mit sich bringende Aussagen. Da ist für jeden Kopf etwas dabei.“

Können Sie nachvollziehen, dass man sich mit einem Hut schnell verkleidet fühlt?

„Da würde ich sagen, das ist der falsche Hut! Ein Hut sollte mit der Trägerin eins werden. Wenn man sich an das Thema herantasten möchte, ist eine gute Beratung wichtig.“

Gibt es ein Modell, dass Sie persönlich seit langer Zeit begleitet?

„Ich definiere mich gern immer wieder neu, dazu spiele ich immer wieder mit neuen Silhouetten. Es gibt Modelle, die ich nicht mehr verkaufen will. Das sind eher Hutskulpturen, wie zum Beispiel ein Vogel der auf einem Spiegel landet.“

Welche Hutmodelle werden bei Ihnen derzeit besonders häufig gekauft?

„Das ist saisonabhängig. Aktuell alles was wärmt. Wie Baskenmützen mit Ohrenklappen oder tief ins Gesicht gezogene Oversize-Hüte aus weichem Filz.“

Die Zeit hat Sie als „Deutschlands beste Hutmacherin“ bezeichnet. Macht Sie das eher stolz oder verlegen?

„Wirklich? Das freut mich sehr!“

Wir haben uns von Fiona Bennetts Leidenschaft zum Hut inspirieren lassen und einige Favoriten zusammengestellt. Wer tiefer in die Welt des Accessoires abtauchen will, sollte unbedingt ihren Shop in Berlin Schöneberg besuchen.

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