Foto: Caroline Hernandez

Führt endlich, Frauen!

Gender Pay Gap, Frauenquote, Girls Day – sind das Worthülsen oder können die weg? Ein Aufruf für einen krassen Rollentausch. Nennen wir es ein Experiment.

 

Seit Jahrzehnten sprechen wir darüber, dass Frauen zu wenig verdienen, dass
sie den größten Teil von Haushalt und Kindererziehung übernehmen, dass Mütter meist Teilzeit arbeiten und deshalb mit niedrigeren Renten zurecht kommen müssen. Und welche Lösungen gibt es dafür? Bisher keine, die ich hier erwähnenswert finde.


Die Lage in der Arbeitswelt wird ähnlich intensiv und floskelreich
diskutiert. Flexible Arbeitszeiten, Digitalisierung, agile Methoden – all das
wird aufgeführt, wenn man über die Zukunft der Arbeit spricht. Kaum jemand
stellt die wichtigen Fragen, vieles wird an Nebenkriegsschauplätzen
ausgetragen, statt einfach mal zu fragen, wie wir an diesen Punkt gekommen
sind.


Arbeit ist (zu) männlich

Interessanter Weise bemüßigen sich immer wieder Männer dazu, gegen die
Frauenquote zu sein. Und Männer sind es, die glauben zu wissen, wie man Arbeit besser gestaltet. Zumindest sind sie es, die dazu Bestseller schreiben, in Talkshows sitzen und Preise verleihen. Ist den Männern eigentlich klar, dass sie die Ursache des Dilemmas sind?

Die Welt der Arbeit ist männlich dominiert. Die Regeln, die dort gelten, sind von Männern für Männer gemacht. Frauen in Führungspositionen kommen zwar vor, hinterlassen aber selten einen bleibenden Eindruck.

Die Männer, die auf Unternehmens-Websites abgebildet sind, haben in der
Regel Frauen zu Hause, die in Teilzeit arbeiten und/oder sich um die Kinder und
den Haushalt kümmern. Warum sollten genau diese Männer anderen Frauen die
Möglichkeit geben, das anders zu machen? Das hat sich doch bewährt – zumindest in der eigenen Familie.

Und die Frauen? Die haben keine Lust auf die Machtspielchen der Männer – obwohl sie sehr wohl wissen, dass sie es besser könnten, das Führen. Aber es auch tun? Das trauen sich viele Frauen nicht zu. Auch weil sie nicht als egoistische Karrierefrauen gelten wollen – vor allem nicht bei anderen Frauen. Hallo? Bezeichnet man arbeitende Väter als „Karrieremänner“? Eben!


Erziehung ist (zu) weiblich

– finden viele Väter, die ihre Kinder den Müttern überlassen (müssen). „Es
sind die Mütter, die daran schuld sind, dass aus Männern Weicheier werden“,
höre ich in letzter Zeit immer wieder von Männern.

Kinder verbringen die meiste Zeit mit Frauen: Mütter, Omas, Tanten, Erzieherinnen, Grundschullehrerinnen – die Frauenquote lebt!

Es gibt Männer, die sagen, das sei die Ursache, dass Jungs verweichlichen und nicht mehr lernen, echte Männer zu sein! Dazu aufgefordert, mehr Präsenz in der Erziehung zu zeigen, hört man häufig die Ausrede, dass sie ja schließlich das Geld nach Hause bringen. Und in Frauenberufen verdient man eben nicht genug! Lösungen? Nicht vorhanden!


Rollentausch!

Wir stellen also fest, dass die Bereiche Erziehung und Führung einen hohen Stellenwert einnehmen, wenn Menschen über eine bessere Zukunft nachdenken. Und dass das jeweils andere Geschlecht weiß, wie es besser gehen kann. Aber beide Seiten begnügen sich mit Klagen und Kritisieren. So wird das nichts!


Mit Denken, Jammern und Schwätzen (und mit Abwarten) wurde noch nie etwas
geändert. Nur, wenn man etwas ausprobiert, weiß man, ob es klappt. Wir brauchen Experimente!


Männer in die Kindererziehung und Frauen in die Führung!

Ja, ich meine das ernst. Und schlage einen krassen Jobtausch vor.


Für Frauen heißt das: Vergesst endlich, dass Frauen die besseren Eltern sind
und lasst die Männer ran. In der Familie – aber auch in der Kita, im Kindergarten, in der Schule. Auch wenn das heißt, dass Kinder mit farblich unpassenden Kleidern gesichtet werden. Ist das so schlimm?


Für Männer heißt das: Vergesst endlich, dass Männer die besseren
Führungskräfte sind und lasst die Frauen ran. Im Job – aber auch im Fußball, beim Grillen und im Baumarkt. Auch wenn das heißt, dass Entscheidungen in Unternehmen auf Konsens beruhen und nicht auf Machtanspruch. Herz führt Kopf!



Über die Autorin: Gaby Feile ist weder Mutter noch Führungskraft in der
Wirtschaft. Sie macht stattdessen Unternehmen zu Lieblingsplätzen für alle. klub-der-kommplizen.de

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