Foto: Dave Bezaire I Flickr I CC BY 2.0

Geht das? Von der NGO zum Unternehmen und umgekehrt

Lassen sich Privatwirtschaft und 3. Sektor auf dem beruflichen Weg beliebig kombinieren? Drei Perspektiven auf die Karrieremöglichkeiten.

 

Beide Seiten können voneinander lernen

Ihre Laufbahn begann Claudia Leißner bei einem Unternehmen, das schon fast sinnbildlich für den kapitalistischen Markt steht: der Unternehmensberatung McKinsey. „Nach zwei Jahren habe ich mich morgens immer öfter gefragt, wozu ich eigentlich aufstehe“, sagt die studierte Chemikerin. Sie kündigte und wurde Projektmanagerin für die gemeinnützige auridis GmbH, die sich für benachteiligte Kinder einsetzt. 2013 gründete sie ihr eigenes Unternehmen, die Proboneo gGmbH. Das Team vermittelt Fach- und Führungskräfte, die sich engagieren wollen, an gemeinnützige Organisationen. „Wenn ich jemanden einstellen möchte, muss mich vor allem die Persönlichkeit des Bewerbers überzeugen. Ob jemand aus einem Verband kommt oder aus einem Konzern, ist erst einmal zweitrangig. Im Gegenteil, ich wünsche mir sogar Mitarbeiter, die vielfältige Erfahrungen mitbringen.“ Beide Sektoren profitieren, wenn Arbeitnehmer zwischen Non-Profit und Privatwirtschaft wechseln, ist Claudia Leißner überzeugt. Was gemeinnützige Organisationen an Überzeugung mitbringen, fehle ihnen manchmal an Geschäftssinn. „Bei McKinsey habe ich gelernt, meine Arbeit zu strukturieren und Prozesse zu optimieren – das hat mir bei der Gründung von Proboneo natürlich geholfen.“ Und für Arbeitnehmer könnten die Jahre bei einem Non-Profit Unternehmen sehr viel mehr sein als die Suche nach dem Sinn. „Organisationen aus dem sozialen Sektor sind oft klein. Da kann man viel schneller Verantwortung übernehmen oder eine Position erreichen, für die man im Konzern Jahre dabei sein muss.“

Der Wechsel kann schwierig sein

Heike Hamm, Personalberaterin aus Berlin, hat die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen zurückhaltend auf Bewerber aus dem gemeinnützigen Sektor reagieren. „Viele Personaler haben das Bild im Kopf, dass Stiftungen oder Verbände in sehr festen Strukturen arbeiten und gewohnte Trampelpfade nicht gerne verlassen. Sie haben Angst, dass Mitarbeiter aus solchen Organisationen unflexibel und langsam sind.“ Allerdings: „Bei einem großen Konzern wird das sicher noch mal anders gesehen als in einem e-commerce Unternehmen oder einem kleinen Start-Up, weil Konzerne und Verbände ähnliche Strukturen haben.“ Bewerbern, die aus dem Non-Profit Bereich zurück in ein gewinnorientiertes Unternehmen wollen, rät sie: „Arbeiten Sie in ihrem Anschreiben heraus, wie sie z.B. in der Stiftung trotz eines oftmals trägen Apparats ihre Ideen umgesetzt haben und auch bei Widerständen hartnäckig geblieben sind.“

 

Es kommt auf die eigenen Kompetenzen an

Miriam Rummel hat mehrfach zwischen den Sektoren gewechselt. Die 29-Jährige arbeitete bereits während des Studiums als PR-Beraterin für Unternehmen und NGOs, ging dann für einige Jahre zum Bundesverband Deutscher Stiftungen – und zurück in eine PR-Agentur. Triebfeder war der Wunsch, sich weiterzuentwickeln, sagt Miriam Rummel. „Ich wollte noch mal klassische Medienarbeit und Kampagnen für unterschiedliche Kunden machen und das ging in dieser Form beim Bundesverband natürlich nicht.“ Die Jahre beim Verband will sie aber auf keinen Fall missen. „Ich hatte viele Freiheiten, konnte Ideen und Vorschläge einbringen.“ Besonders beeindruckt hat sie die offene Arbeitsatmosphäre, Erfahrungen wurden gerne und viel geteilt. „Bei der Agentur haben wir für solch einen Austausch oft keine Zeit.“ Miriam Rummel stellte aber auch viele Parallelen zwischen ihren Jobs fest. „Die eigene Arbeit strukturieren oder andere für deine Ideen begeistern – das sind Fähigkeiten, die man überall braucht.“ Schwer gefallen ist es ihr nicht, eine Anstellung in der Privatwirtschaft zu finden. „Gerade die Kreativbranche braucht Quereinsteiger, die auch mal out-of-the-box denken.“ Dass sie aus ihrer Zeit als PR-Beraterin noch ein gutes Netzwerk pflegt, half natürlich beim Jobwechsel.

Die Sektoren nähern sich an

Die Arbeitsmärkte Privatwirtschaft und 3. Sektor werden durchlässiger, ist Claudia Leißner überzeugt. „Schon jetzt sind die Unterschiede in der Arbeitsweise zwischen zwei Unternehmen oft größer als zu einem anderen Sektor. Verbände sind eher strukturiert wie ein großer Konzern, während viele Sozialunternehmen eher wie Start-Ups agieren.“ In der großen Beratungsagentur wirtschaftliches Denken lernen und dann als Social Entrepreneur die eigene Überzeugungskraft entdecken – spannende Stationen auf dem Berufsweg zu vereinen, dürfte also immer besser gelingen.

 

Dieser Text ist zuerst erschienen bei unserem Content-Partner The Changer, den wir euch hier im Interview vorstellen. Die Autorin des Textes, Merret Nommensen, gestaltete zuletzt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung mit. Zuvor arbeitete die gelernte Journalistin als freie Autorin für mehrere Tageszeitungen und Magazine.

Meldet euch jetzt an. Zu den Tickets geht es hier.

Mehr bei EDITION F

Entrepreneur’s Pledge: Die sozialen Gründer. Weiterlesen

Economy fuck up – Was hat das mit mir zu tun? Weiterlesen

Social Business: Wieso uns Geld allein nicht mehr reicht im Job.Weiterlesen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

About Zeen

Power your creative ideas with pixel-perfect design and cutting-edge technology. Create your beautiful website with Zeen now.

Weitere Beiträge
Der Endgegner beim Ausmisten: der eigene Mann