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Happily ever after – Really?

Letztens lief im Fernsehen wiederholt „Pretty Woman“ mit Julia Roberts und Richard Gere. Es gibt da diese eine Szene, in der beide besprechen, wie es weiter gehen soll. Er bietet ihr eine lockere Beziehung, eine von ihm bezahlte Wohnung, lockere Verabredungen. Und sie sagt „I want the fairytale“. Sie will das komplette Paket. Und ich, ich will es auch!

 

Es machte irgendwie Klick in mir

Es gibt Momente im Leben, in denen man die Augen vor der Wahrheit nicht mehr verschließen kann. Solch einen Moment habe ich vor etwas über einem Jahr durchlebt, als ich mir eingestehen musste, dass ich mich von dem Traum verabschieden muss, über ein Volontariat als Quereinsteigerin in der Medien- und Pressewelt Fuß zu fassen. Ich wusste von einem Moment auf den anderen, dass ich sonst weiter Zeit verlieren und immer unzufriedener sein würde. Und ich wusste, dass ich nach einer Alternative suchen muss. Diese Erkenntnis hat mich weiter gebracht.

Solch einen Moment habe ich auch heute Nacht durchlebt, als ich hellwach in meinem Bett lag, und mir beim Lesen der letzten Seiten meines Romans die Tränen über das Gesicht liefen. Und das will schon etwas heißen. Es waren die Fragen, die der Protagonist der Protagonistin kurz vor dem Happy End stellte, die mich berührten. Grob zitiert und zusammen gefasst, waren es diese Fragen:

„Was ich damit eigentlich meine, ist, ob du auch gerne ein erstes Date hättest, aus dem viele Tage und Nächte werden […] Ich frage mich auch, ob es dir gefallen würde, wenn wir so viel Zeit miteinander verbringen, dass es früher oder später naheliegt, dass wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen […] Ich habe mich gefragt, ob du gerne jemanden hättest, der dir abends vor dem Ausgehen den Reißverschluss am Kleid zumacht. Jemanden, den du als Allererstes anrufst, wenn es dir mies geht […]“ – Quelle: Sowas kann auch nur mir passieren (Mhairi McFarlane)

Es machte irgendwie Klick in mir, als ich diese Zeilen las. Ich musste mir selbst eingestehen, dass ich genau das wollte. Und glaubt mir, ich bin nicht so realitätsfern, dass ich mir das kitschig-süße Happy End eines Romans der Belletristik wünsche. Ich realisierte schlichtweg, dass ich genau das suche: Tolle Dates, aus denen eine Partnerschaft erwächst, in der man sich nahe und für einander da ist. Ich habe mich ewig gegen diese Erkenntnis gesperrt und mich andauernd dagegen gewehrt.

Eine letzte Ahnung davon hat mir der Besuch einer Ausstellung in einem Bonner Kunstmuseum vor ein, zwei Monaten beschert, als ich vor der Schwarzweiß-Fotographie „Les amoureux aux poireaux“ von Doisneau stand. Ich konnte meinen Blick nicht von dem verliebten Pärchen lösen. Ich habe das Bild fotografiert und es bei meinem Instagram-Account hochgeladen. Es hat mich nicht losgelassen. Es lag Monate zurück, dass mich etwas derart berührt hatte, und in mein Unterbewusstsein vordringen konnte. Damals, im Januar letzten Jahres, saß ich im Flugzeug auf dem Rückflug von New York. Ich schaute „Verborgene Schönheit“ und mir liefen die Tränen über das Gesicht. Schuld war die Szene, in der die von Will Smith verkörperte Hauptrolle eine Unterhaltung mit der Liebe führt, die ihm an den Kopf knallt, dass er sich dieser vollkommen verschlossen habe. Ich wusste in dem Moment, dass die Liebe genauso gut mich hätte anschreien können.

Ich schrieb zu der Zeit seitenlange Whats App-Nachrichten mit einem Mann, den ich über eine dieser Online Dating-Apps kennengelernt hatte, die ich mehr als alles andere verabscheue. So tiefe und ehrliche Gespräche hatte ich nicht mal mit meinem Exfreund ausgetauscht. Ich habe ihn kurz nach der Rückkehr aus New York getroffen und er war phantastisch. Er war aufmerksam, lieb, witzig und hilfsbereit. Bei unserem ersten Date hat er mir meine neue Waschmaschine angeschlossen und saß Ewigkeiten mit mir auf der Couch, hat sich mit mir unterhalten und mich zum Lachen gebracht. Was will Frau mehr? Nach dem dritten Date, bei dem er meine unglaublich miese arbeitsbedingte Laune geduldig ertrug, trat ich auf die Bremse und schob der ganzen Sache einen Riegel vor. Ich schob es auf den kurz zuvor erfolgten Umzug nach Bonn, auf den neuen Job, auf die Zeitprobleme – ich arbeitete zu der Zeit in zwei Jobs-, aber im tiefsten Inneren wusste ich, dass das nicht die volle Wahrheit war. Ich habe in diesem Moment eine Entscheidung getroffen. Eine Entscheidung, die ich nicht bereue, weil alles seine Zeit hat und ich der Vergangenheit nicht hinterher laufe.

Vor kurzem habe ich meine Kollegin auf eben jenen Mann angesprochen, weil er ihr ebenfalls bei Instagram folgt, und es wurde thematisiert, woher wir ihn kennen. Ich war ehrlich. Und sie stellte mir im Nachgang nur zwei Fragen: „Warum? Hast du gedacht, dass du das nicht verdienst?“ Ich denke, dass genau das mein Problem war!

I want the fairytale

Letztens lief im Fernsehen wiederholt „Pretty Woman“ mit Julia Roberts und Richard Gere. Es gibt da diese eine Szene, in der beide besprechen, wie es weiter gehen soll. Er bietet ihr eine lockere Beziehung, eine von ihm bezahlte Wohnung, lockere Verabredungen. Und sie sagt „I want the fairytale“. Sie will das komplette Paket. Und ich, ich will es auch! Glaubt mir, ich erwarte nicht, dass der Prinz mit seiner Höhenangst und mit Blumen bewaffnet die Feuertreppe zu meiner Wohnung hochklettert, wie Richard Gere es in „Pretty Woman“ tut. Erstens gibt es in dem Haus, wo ich wohne, keine Feuertreppe. Und zweitens bin ich nicht naiv. Ich denke bei dem Märchenwunsch nicht an ein Happy End, das ein eigenes Schloss, eine Traumhochzeit, Kinder und ein ewiges happily ever after beinhaltet. Ich weiß, dass gute Beziehungen Arbeit bedeuten.

Ich habe nicht vor zu heiraten. Ich bin umgeben von Beziehungen und Ehen, in denen die Beteiligten feststecken und sich nicht befreien, obwohl sie unglücklich sind. Ich glaube einfach nicht, dass eine gute und glückliche Partnerschaft von einem Ring am Finger ausgemacht wird. Ich weiß auch nicht, ob ich Kinder haben möchte. Ich erwarte keinen Häuserkauf. Ich würde das Geld lieber in Reisen stecken. Mir geht es eher um den Rest. Den Kern der ganzen Sache. Um den Partner, mit dem ich immer über alles reden und lachen kann. Der mit mir zusammen durchs Leben geht – durch alle Höhen und eben auch alle Tiefen. Mit dem der Funke bis zum Ende erhalten bleibt. Der mich im Alter noch mit strahlenden Augen ansieht, sich auf mich freut und die Finger nicht von mir lassen kann. Und glaubt mir, dieser Funke ist für mich wichtig!

Die Sache mit dem Funken

Dieser Funke ist meine Krux. Er ist entweder da, oder eben auch nicht. Ich entscheide innerhalb von Sekunden, ob es für mich passt, oder nicht. Ich weiß genau, wie es sich anfühlt, wenn der Funke da ist und etwas Wunderbares passiert. Wenn der Funke nicht da ist, hat der Mann keine Chance. Er hat Pech. Die Entscheidung treffen mein Bauch und mein Herz im Einklang.

Wie ihr euch denken könnt, passiert das nicht jeden Tag. Es passiert selten. Manchmal völlig aus dem Nichts, wenn man vor einer bis dato völlig unbekannten Person steht. Manchmal völlig unerwartet, von einem Moment auf den anderen, wenn man vor einer Person steht, die man schon eine kleine Ewigkeit kennt. Der Funke ist einfach da.

Leider geht das nicht immer gut aus. In den letzten Jahren hing ich, wegen des Funkens, immer wieder in aussichtslosen Warteschleifen fest, in die ich locker hinein geschlittert war, aber aus denen ich nur mit Mühe und mit Herzschmerz wieder rauskam.

Ich bin seit einer kleinen Ewigkeit Single. Reden wir es nicht schön, bringen wir es auf den Punkt: Seit 5 Jahren. Ich habe ewig gebraucht, um über meinen Ex hinwegzukommen. Ich gehe sehr viel arbeiten und kümmere mich nebenbei endlich ausgiebig um mein Journalismus-Fernstudium. Ich hatte andere Prioritäten. Ich habe Erfahrungen gesammelt. Und ich habe in einem Fall Jahre und zuletzt in einem anderen Fall Monate vergeudet, in denen ich gewartete habe. Darauf, dass sich der Angebetete für mich entscheidet.

Der letzte Funke traf mich vollkommen unvorbereitet. Er hat mich sprichwörtlich vom Hocker gehauen. Ich habe ihn nicht aus dem Kopf bekommen. Er hat mich zum Strahlen gebracht, wann immer ich mit dem Monsieur geschrieben habe, oder an ihn gedacht habe. Er war omnipräsent in meinen Gedanken. Und deshalb habe ich gewartet. Vergeblich. Ich habe mich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche und von Monat zu Monat gehangelt. So verging locker über ein halbes Jahr, in dem ich immer noch Single und alleine war, mich aber immer an die Hoffnung klammerte, ihn zu sehen und für mich zu haben. Manche Begegnungen im Leben sind schon zu Ende, bevor sie überhaupt angefangen haben. Aus manchen Begegnungen kann nie etwas werden, weil der Zeitpunkt oder die Umstände nicht stimmen. Das war so eine Begegnung. Ich wusste es. Ich war mir darüber immerzu bewusst und trotzdem ließ ich es zu. Wegen des Funkens.

Die Frage ist: Bist du gut für mich? Und nicht: Bin ich gut für dich?

Und seit ein paar Tagen bin ich es leid. Ich bin des Wartens müde. Ich habe keine Lust mehr weitere Tage extrem mies gelaunt zu sein, weil ich auf Nachrichten warte, oder auf ein Treffen, oder auf eine Zukunft, die es nie geben wird. Ich will nicht noch mehr Monate verlieren. Ich will nicht wieder jahrelang darauf warten, dass er sich für mich entscheidet. Und es nie tun wird. Ich will mich nicht mehr fragen, ob ich, so wie ich bin, gut genug für jemanden bin. Ich will mich fragen, ob jemand gut genug für mich ist. Ich habe mein Licht in den letzten Jahren andauernd unter den Scheffel gestellt, es hingenommen nur die Nebenrolle in meinem eigenen Leben zu spielen. Ich habe mir nicht mehr zugetraut. Mich nicht getraut zu denken, dass mir mehr zu steht. Manche Fehler macht man eben einmal, manche zweimal.

Ich kann es nicht anders sagen: Ich habe die Schnauze voll davon, die zweite Geige zu spielen! Ich habe die Schnauze voll davon, verheimlicht zu werden und mit Nachrichten abgespeist zu werden, die man versendet, um sich die Bestätigung abzuholen, die man Zuhause nicht bekommt. Ich lege keinen Wert darauf, dass mein Charme, mein Witz, meine Person und meine Nähe ausgenutzt werden, um die Lücken zu füllen, die der eigene Partner nicht füllt. Ich will nicht mehr geben, geben und geben, während ich selber nichts bekomme, als heimlich versendete Nachrichten, wenn es gerade mal in den eigenen Kram und Zeitplan passt. Damals wusste ich nicht, dass das eine aussichtslose Geschichte sein würde, weil auf beiden Seiten Gefühle im Spiel waren. Zuletzt wusste ich es und habe mich trotzdem in Hoffnungen verrannt. Mein Fehler. Ein Fehler, den ich nicht mehr wiederholen möchte!

Sorry, liebe Männer, aber ich bin definitiv mehr wert, als das, was ihr mir in letzter Zeit geboten habt! Ich bin ein tolles Gesamtpaket. Ich bin mittlerweile selbstbewusst genug zu sagen: Ich bin ein toller Fang. Und ihr wisst das! Ihr findet mich interessant, unglaublich, charmant, intelligent, witzig und attraktiv. Ich bin niemand, den man geheim halten muss, oder sollte. Ich bin viel, viel mehr. Und deshalb habe ich kein Problem mehr damit, als Langzeitsingle durchs Leben zu laufen. Mal davon abgesehen, dass mein Journalismus-Fernstudium und mein Vollzeitjob als Online Marketing Managerin mir ohnehin momentan nicht viel Zeit und Raum geben. Die Zeit, die da ist, nutze ich für Freunde, die Familie, Sport, Bücher und die von mir geliebten Reisen. Deshalb halte ich mich auch von jeglichen Online Dating-Apps fern.

Ich glaube einfach daran, dass das nicht der letzte Funke gewesen sein wird. Ich bin mir sicher, dass ich meinen Partner in Crime noch treffen werde. Und solange werde ich mein Ding machen. Und wenn der Funke da ist, dann werde ich mich wieder trauen und ins Ungewisse springen, denn…

I WANT THE FAIRYTALE!

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