Foto: Unsplash I Dhruva Reddy

Verzichten junge Frauen auf ihre Karriere, um potentielle Partner nicht zu vergraulen?

Deprimierend, aber erwiesen: Immer noch bevorzugen viele Männer Partnerinnen, deren Karriere-Status den eigenen nicht übersteigt. Inwieweit beeinflusst das Wissen darum die Karriereambitionen junger Frauen?

 

Erfolgreich ja, aber nicht erfolgreicher als ich!

Widerstrebend nimmt man derartige Forschungsergebnisse zur Kenntnis, aber deprimierenderweise belegen Studien auch noch heute: Je ehrgeiziger eine Frau im Arbeitsleben ist, desto mehr schwächt sie ihre Chance darauf, im privaten Bereich einen geeigneten Partner zu finden: Viele Männer bevorzugen Frauen, die im Berufsleben weniger ehrgeizig sind als sie selbst, das legt die Forschung zum Thema nahe.

Eine Studie zweier amerikanischer Professoren und einer Professorin kommt zu dem Schluss, dass Frauen sich dessen bewusst sind und Abstriche bezüglich ihrer Karriere machen – um ihre Chancen auf dem (heterosexuellen) Heiratsmarkt nicht zu untergraben. Diese Abstriche, schreiben die drei Wissenschaftler in einem Beitrag für Harvard Business Review, bezögen sich nicht nur auf große Entscheidungen wie die Bewerbung um eine Führungsposition oder eine Beförderung – vielmehr hielten sich die Frauen selbst bei kleineren, alltäglichen Dingen zurück, etwa wenn es darum gehe, sich im Meeting zu Wort zu melden, ein Projekt zu übernehmen oder abends lange zu arbeiten.

Die Studie der drei Wissenschaftler ist im American Economic Review erschienen und untersuchte, inwieweit Elitestudentinnen eines MBA-Programms zu den beschriebenen Abstrichen bereit waren. Universitätsstudenten, schreiben die Wissenschaftler, seien ein gutes Experimentierfeld für diese Frage – schließlich gehe es vielen jungen Männern und Frauen dort in der Regel sowohl darum, eine Karriere zu starten, als auch darum, einen festen Partner oder eine Partnerin zu finden. Die Studie umfasste zwei Feldversuche, eine Umfrage und die Auswertung der Noten der Studierenden.

Die Ambitionen runterspielen?

Zunächst wollten die Forscher mit einem Fragebogen herausfinden, ob die Studierenden ihre Karriereambitionen anders darstellten, wenn sie glaubten, dass die Mitstudierenden von den Ergebnissen erfahren würden. Am ersten Tag des Studienprogramms teilte ein Karriere-Berater der Uni Fragebögen aus mit der Bitte, Angaben zu bevorzugten Job-Optionen zu machen, um für die Studierenden geeignete Praktikumsplätze zu finden – der Fragebogen spielte also für die zukünftige Karriere der Studierenden tatsächlich eine große Rolle, denn das Sommer-Praktikum, schreiben die Wissenschaftler, diene oft als Sprungbrett für die weitere Karriere.

Im Fragebogen ging es etwa um gewünschte Arbeitszeiten, die Bereitschaft zu reisen und das gewünschte Gehalt. Die Studierenden wurde außerdem gebeten, ihre Führungsqualitäten und Karriere-Ambitionen einzuschätzen.

Nach dem Zufallsprinzip wurden zwei Versionen des Fragebogens ausgegeben: In der Anleitung der ersten Version hieß es, die Ergebnisse der Fragebögen würden im Kurs gemeinsam diskutiert; in der zweiten Version hieß es, die Ergebnisse würden in anonymisierter Form gemeinsam besprochen.

Licht eindeutig unter den Scheffel gestellt

Und die Forscher fanden heraus: In der Gruppe der Studierenden, die davon ausging, dass nur der Karriereberater ihre Antworten ihrer Person zuordnen könnte, unterschieden sich die Antworten der alleinstehenden und in einer Partnerschaft lebenden Frauen nicht; in der Gruppe aber, in der die Studierenden davon ausgingen, dass auch ihre Mitstudierenden ihre Antworten zu sehen bekämen, stellten die Single-Frauen im Vergleich zu den in einer Partnerschaft lebenden Frauen deutlich ihre Ambitionen deutlich abgeschwächt dar: Sie senkten ihr angestrebtes Jahresgehalt von 131.000 Dollar auf 113.000 Dollar, und wollten durchschnittlich nur sieben statt 14 Tage im Jahr reisen. Außerdem wollten sie weniger Wochenstunden arbeiten. Auch ihren Karriereambitionen und ihrer Fähigkeit, zu führen, gaben sie weniger Punkte.

Die Angaben von Frauen in einer festen Partnerschaft und Männern, egal ob alleinstehend oder in einer Beziehung, blieben hingegen gleich, egal ob sie davon ausgingen, dass ihre Mitstudierenden von ihren Angaben erfahren würden oder nicht.

Um auszuschließen, dass die Ergebnisse einfach darauf zurückzuführen waren, dass alleinstehende Frauen grundsätzlich bescheidener in der Öffentlichkeit auftreten als andere, stellten die Forscher eine zusätzliche Placebo-Frage: Die Studierenden sollten ihr eigenes Schreibtalent bewerten – eine Fähigkeit, die im Berufsleben gefragt ist, aber in der Regel keine Rolle bei der Partnersuche spielt. Würden die alleinstehenden Studierenden grundsätzlich bescheidener in der Öffentlichkeit auftreten, wären in dieser Frage ebenfalls Unterschiede zu erwarten gewesen – die Single-Frauen schätzen aber ihr Schreibtalent gleich ein, egal ob sie davon ausgingen, dass die Ergebnisse anonym oder offen diskutiert würden.

Ein zweites Experiment der Forscher kam zu dem Ergebnis, dass Frauen ihre beruflichen Ambitionen schwächer darstellten, wenn sie davon ausgingen, dass Männer die Ergebnisse zu sehen bekommen.

Lieber nicht so viel melden im Unterricht?

In einem dritten Teil wurden die Studierenden gefragt, ob sie während früherer Job-Stationen schonmal , aus Angst, zu ehrgeizig oder zu pushy zu wirken, auf Schritte verzichtet hätten, die ihrer Karriere eigentlich förderlich gewesen wären. 64 Prozent der Single-Frauen bejahten, aus diesen Gründen nicht nach einer Beförderung oder Gehaltserhöhung gefragt zu haben, im Vergleich zu 39 Prozent der verheirateten oder fest gebundenen Frauen  und 27 Prozent der Männer (egal ob alleinstehend oder gebunden); 

Zudem stellten die Forscher fest, dass sich die Single-Frauen signifikant weniger am Unterricht beteiligten als die gebundenen Frauen und alle Männer – Unterrichtsbeteiligung werteten die Forscher ebenfalls als ein Faktor, mit dem Studierende ihre Karriereambitionen aufscheinen lassen könnten – oder eben nicht.

„Zusammengefasst zeigen unsere Ergebnisse: Alleinstehende Frauen vermeiden Karriere-Schritte, von denen sie glauben, dass sie ihre Chancen, einen Ehepartner zu finden, verschlechtern; und dieses Verhalten wiederum könnte eine zusätzliche Erklärung für geschlechtsspezifische Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt sein – viele frühe Karriere-Entscheidungen, etwa ob ein Mädchen den fortgeschrittenen Mathematik-Kurs in der Highschool belegt, oder einen Ingenieur-Studiengang wählt, werden früh gefällt, in einer Phase, in der die meisten Frauen noch Single sind. Und diese Entscheidungen können langfristige Folgen für die Stellung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt haben.“

Am Ende gehen die Forscher noch darauf ein, dass sie mit der Gruppe der MBA-Studierenden natürlich eine ganz spezielle Gruppe und nicht einen repräsentativen Ausschnitt der Bevölkerung untersucht hätten – nachdem, so die Forscher, davon ausgegangen werden könne, dass die Elite-Studentinnen einen größeren Wert auf eine erfolgreiche Karriere legten als der Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung, müsse man davon ausgehen, dass die grundsätzliche Bereitschaft von Frauen, zugunsten der Partnersuche die Karriere zu vernachlässigen, sogar noch größer sei. Und die Wissenschaftler/innen schließen mit der Hoffnung, dass zukünftige Forschung auch dazu beitragen wird, Strategien zu entwickeln, die den negativen Einfluss von Partnerwahl-Bedenken auf weibliche Karrieren abschwächen können.

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