Foto: Floorvan / Flickr

Hedy Lamarr: Hollywood-Diva und Genie

Ein legendäres Leben: Hedy Lamarr war gefeierte Schauspielerin, galt als die schönste Frau der Welt und entwickelte die Grundlage der Mobilfunktechnik.

 

Die vielen Gesichter der Hedy Lamarr

„Jedes Mädchen kann glamourös sein. Du musst nur still stehen und dumm dreinschauen,“ sagte Hedy Lamarr einst. Und kein Ausspruch könnte besser auf so ironische Weise zu ihr passen. Sie galt in den 40er Jahren als die schönste Frau der Welt, war das beliebteste Pin-Up-Girl der Weltkriegsjahre und in zahlreiche Skandale verwickelt, und sie hat ganz nebenbei eine Erfindung gemacht, auf der heute jegliche kabellose Kommunikation basiert.

Hedy Lamarr wurde als Hedwig Eva Maria Kiesler in Wien geboren, aber schon um das genaue Datum ranken sich Mythen: Ob es nun der 9. November 1913 oder 1914 war? Kommt darauf an, welchen Quellen man Glauben schenkt. Nach einer behüteten Kindheit und einer kurzen Ausbildung bei Max Reinhardt begann sie ihre Laufbahn als Schauspielerin gleich mit einem Paukenschlag: 1933 spielte sie die Hauptrolle im tschechoslowakisch-österreichischen Spielfilm „Ekstase“ und sorgte für einen Skandal. Der Grund: eine zehnminütige Nacktszene und vor allem der erste Filmorgasmus in einem nicht-pornographischen Film. Für heutige Betrachter ist dieser überaus züchtig – zu sehen ist nur Lamarrs lustvoll entrückter Gesichtsausdruck und eine auseinanderspringende Perlenkette – für damalige Kinobesucher war aber schon das Gezeigte ein Affront gegen die guten Sitten.

Bilderbuchkarriere in Hollywood

Im selben Jahr heiratete Lamarr den Wiener Waffenfabrikant Fritz Mandl, der sie fortan eifersüchtig bewachte, ihr das Filmen und sogar das Schwimmen verbot. Lange ertrug sie diese Gängelei nicht, nach vier Jahren floh sie vor ihrem herrschsüchtigen Gatten auf eine Art und Weise, wie es sich kein Drehbuchautor besser hätte ausdenken können: Sie betäubte das Dienstmädchen, stahl deren Uniform, verließ ihren goldenen Käfig und reiste erst nach Paris, dann nach London. Dort wurde sie vom amerikanischen Filmproduzenten Louis B. Mayer von Metro-Goldwyn-Mayer entdeckt, der Lamarr ihren Künstlernamen verpasste und sie sofort unter Vertrag nahm. Nicht etwa wegen ihrer schauspielerischen Fähigkeiten – damit war es gar nicht so weit her – Ausschlag gab vielmehr ihre atemberaubende, geheimnisvolle Schönheit. Ihr Durchbruch in Hollywood war 1938 der Film „Algiers“, es folgten zahlreiche weitere. Größter kommerzieller Erfolg war der Historien-Schmachtfetzen „Samson und Delilah“. Hedy Lamarr war ein Superstar ihrer Zeit und Stilvorbild für viele andere Schauspielerinnen, die sich wegen ihr die Haare brünett färbten und im Mittelscheitel trugen.

Trotz ihrer Erfolge passte sie jedoch nie richtig hinein in die Oberflächlichkeit der glamourösen Filmwelt. Am Set galt sie als schwierig, sie mied Partys, war genervt von der Boulevardpresse, der sie mit ihren insgesamt sechs Ehen und zahlreichen Affären ausreichend Futter gab. Auch ihre Rollen wählte sie nicht immer mit Bedacht aus, schlug etwa „Casablanca“ aus. Dafür beschäftigte sie sich intensiv mit weltpolitischen Fragestellungen und arbeitete heimlich mit ihrem Kompagnon, dem Pianisten und Komponisten George Antheil, an einer Methode, den Vormarsch der Nazis zu stoppen.

Eine grandiose Erfindung

Was die Schauspielerin und der Musiker austüftelten? Sie entwickelten das sogenannte Frequenzsprungverfahren, eine Funkfernsteuerung für Torpedos, die durch selbstständig wechselnde Frequenzen sowohl weitgehend störungsfrei wie schwer anzupeilen war. Wahrscheinlich nutzten sie dafür militärisches Wissen, das Lamarr bei ihrem ersten Ehemann Mandl aufgeschnappt hatte, sowie die Erkenntnisse, die Antheil bei der Arbeit mit papierenen Lochkarten zur Synchronisation von Klavieren verwendet hatte. Am 11. August 1942 meldeten die beiden das Patent an.

Die Frequenzspreizung wird noch heute verwendet, sowohl in der militärischen Nachrichtentechnik als auch in der Datenübertragung über Wireless Lan, Wireless USB oder UMTS im Mobilfunk. Lamarr wurde jedoch erst 1997 für ihre Leistung anerkannt, als die amerikanische Electronic Frontier Foundation ihr den EFF Pioneer Award verlieh. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihre Schauspielkarriere längst an den Nagel gehängt, drei Kinder groß gezogen, Millionen verdient und wieder verjubelt, war beim Ladendiebstahl erwischt worden, hatte sich zahlreicher Schönheitsoperationen entzogen und in den letzten Jahrzehnte ihres Lebens völlig zurückgezogen. Mit ihrer Umwelt soll sie nur noch per Telefon kommuniziert haben und zwar bis zu sechs Stunden täglich. 2000 starb die geniale Diva. Ihre Asche wurde – zumindest zum Teil – ihrem letzten Willen entsprechend im Wiener Wald zerstreut.

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