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Ich bin kein Rassist, nur weil ich den Islam kritisiere

Die #özil Debatte schlug ja mehr Wellen als zehn Donald Trump Tweets zusammen. Perfide Zungen behaupten, die Rassisten-Karte samt dem daraus resultierenden #metwo sei ein geschicktes Ablenkungsmanöver, um Özil aus der Erdogan-Schlinge zu ziehen, und eins steht fest: Mission geglückt.

 

Ganz Deutschland diskutiert am Paradebeispiel Özil, dem Fußball-Multimillionär, über gelungene Integration – Jens Spahn muss vor Neid erblassen. Und die eigentliche Diskussion über Özils Verhalten rückte klammheimlich in den Hintergrund.

Ist es in Ordnung, wenn ein Fußballer, eine Person des öffentlichen Lebens, sich mit einem Diktator ablichten lässt? Ich meine, wie hätten wir eigentlich alle reagiert, wenn Hummels und Co. selbiges mit Gauland oder Weidel getan hätten? Wären wir dann auch so tolerant und unkritisch? Oder würden wir nicht alle wie selbstverständlich an die Vorbildfunktion dieser Personen des öffentlichen Lebens appellieren? Özil spricht in seinem Statement viel von Respekt, aber wie viel Respekt zollt er denn mit so einem Auftritt den türkischen Journalisten, die unschuldig im Gefängnis sitzen? Wie viel Respekt würden Hummels und Co. den deutschen Nicht-Rassisten zollen, wenn sie mit der AfD sympathisieren würden?

Es geht doch hier um Werte. Nicht um Staatsangehörigkeit und Religion. Wenn wir nicht aufhören, zu unterscheiden, wer was darf und wann und unter welchen Bedingungen, dann werden wir demokratische Werte niemals leben. Wir verlieren das Wichtige aus den Augen, nämlich unsere eigenen Werte. 

Ich kritisiere sehr wohl auch den Islam, wenn Inhalte nicht meinem Wertesystem entsprechen. Das tue ich schließlich desgleichen bei der katholischen Kirche. Da regt sich nur niemand auf, wenn ich als „Deutsche“ die im Christentum verankerten als gleich verstockten und frauenfeindlichen Ansichten bezüglich des Themas Abtreibung kritisiere, aber wenn ich das Kopftuch bei unter 18jährigen als (sexuelle) Einschränkung der Persönlichkeitsrechte kritisiere und die Freiwilligkeit in Frage stelle, dann bin ich gleich ein Rassist? Oder wenn man an die Vorbildfunktion eines Fußballers appelliert? 

Vielleicht hilft ja bei dieser ganzen Doppelmoral ein besseres Gesellschaftsmodell. Eins, das Menschen auch unter einem kapitalistischen Aspekt von Grund auf einmal gleichstellt. Ein bedingungsloses Grundeinkommen zum Beispiel. Wäre ja zumindest mal ein Anfang. Nur so ne Idee. 

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