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Ich will dies, dass und das

In meinem Leben gibt es viele Menschen, die einen verhältnismäßig graden Weg eingeschlagen haben. Gymnasium, Abitur, Studium, PaternerIn und soweiter und so fort. Und trotz meines ziemlich gradlinigen Wegs im Berufsleben, fühle ich mich diesen Menschen nicht zugehörig. Denn Fakt ist: Ich kann mich leider nie festlegen. Leider? – Zum Glück, sage ich!

 

Schon als ich ein Kind war, kam zum Vorschein, dass mir die Entscheidungsfreude nicht grade in die Wiege gelegt wurde. Damals konnte ich mich nie entscheiden, ob ich nun die Barbies meiner Schwester, oder die Karrerbahn meines Bruders cooler finde. Glücklicherweise hat sich irgendwann die Karrerbahn durchgsetzt. Ich bin ein Kinder der 90iger. Da gab es Diddlblätter (Diddel, diese Maus mit den Dumbo-Ohren), die nach Kirsche rochen, wenn du nur lang genug dran gerieben hast und Scooby-Doo, bestialisch riechende Gummibänder zum flächten von Freundebändern und anderem unnötigen Kram, den kein Mensch brauchte. Ich besaß kein einziges Diddlblatt und auch kein Gummiband. Mich interessierte nie das, was alle Anderen taten, dafür wollte ich alles tun, was sie nicht taten. Wirklich, ALLES andere! Ein Freund von mir wollte im, zugegeben angeschwipsten, Kopf einmal rätseln, welcher Beziehungstyp ich denn wohl sei. Falls es soetwas überhaupt gibt, hat er irgendwann aufgegeben. „Woha ne, dass ist mir zu schwer! Deine Persönlichkeit ist so widersprüchlich!“. Er stellte sich das ziemlich anstrengend vor, war aber auch der Meinung, dass es mit mir „wenigstens nie langweilig wird“. Toll, dachte ich. Bin ich wirklich so widersprüchlich, oder sind all die Menschen, die ich bis jetzt kenne, einfach nur extrem gradlinig und festgelegt? Ich dachte an meine Mutter, die alle paar Wochen mal den Satz fallen lässt „… wenn du dich dann irgendwann Mal auf eine Sache festlegen könntest. Nein, kann ich nicht. Aber ich sehe das nicht als Makel meiner Selbst!

Ja, Nein – Ich mein Jaein

Es ist bis heute so: Je unnötiger der Sachverhalt, desto schneller entscheide ich mich. Klar, ist das nicht bei jedem so?, werdet ihr jetzt sagen. Egal ob du nin diese oder jene Jacke kaufst, die Konsequenz daraus ist: Du hast eine Jacke. Herzlichen GLückwunsch dazu. Aber ist es auch wirklich die Jacke, die du haben wolltest. Ich zum Beispiel, habe immer ganz konkrete Vorstellungen davon, wie ein Kleidungsstück auszusehen hat, wenn ich los ziehe und es mir kaufe. Irgendwann habe ich mir gesagt: Entweder du wirst Schneiderin, oder du machst Kompromisse. Die Konsequenz daraus ist keine Schneiderausbildung, sondern ein völlig überfüllter Kleiderschrank, mit Klamotten, von denen ich nicht einmal die Hälfte trage. Irgendwann findet man seinen eigenen Style, sagen viele. Achso? – Also ich verspüre mehrfach im Jahr den Drang, meinen Kleiderschrank komplett umzukrempeln. In der eine Woche kleide ich mich extrem weiblich, in der anderen Woche sind meine oversize Männerpullover meine liebsten Stücke. Mein Kleidungsstil hat vielleicht wenig Konsequenzen auf meine Zukunft, oder mein Leben. Das sieht bei großen Entscheidungen natürlich anders aus. In einigen Monaten ziehe ich von Zuhause aus. Eine Mammutaufgabe für jemanden, wie mich. Ich muss mich nicht nur für eine Wohnung entscheiden, sonder auch für die Dinge, die reinkommen (oder eben nicht). Mein momentanes Zimmer misst circa 18 Quadratmeter. Und alle paar Monate bekomme ich einen Tobsupsanfall, in dem ich alles verändere. Am liebsten würde ich mir alle paar Monate einen Container vor mein Fenster stellen, alles rauswerfen, was ich bisher hatte und mich komplett neu einrichten. Das ist den Meisten von uns und ihrem Konto aber nunmal leider nicht möglich. Also verändern wir Kleinigkeiten, die in unser Budge passen und sind am Ende nicht mal ansatzweise zufrieden. Und während wir so in unserer halbherzigen Zufriedenheit baden, überkommt uns ein Gefühl der Unzufriedenheit. Weil wir ja eigentlich grade etwas anderes mit uns und unserem Umfeld tun wollten. Wir haben das Gefühl, wir träten auf der Stelle. Das Leben kommt uns vor, wie ein einziges Hamsterrad. Vor allem in der Generation Y wird diese fehlende Entscheidungsfreude oft gleichgesetzt, mit der ständigen Angst, etwas zu verpassen, oder der Denke, dass evetuell noch etwas besseres kommen könnte. So sehe ich das allerdings nicht. Es geht nämlich nicht draum, dass wir denken, es könnte eventuell noch etwas besseres kommen, oder darum, dass wir nicht wüssten wer wir sind. Hiermit möcjhte ich alle entscheidungsfreudigen Menschen beruhigen, die regelmäßig einen Nervenzusammenbruch erleiden, wenn sich diese eine Freundin mal wieder nicht festlegen kann: Wir sind nicht unser Leben lang auf einem Selbstfindungstrip. Wir wissen schon wer wir sind und was wir wollen (oder nicht wollen). Und wir wissen oft auch ziemlich genau, wie wir uns unser späteres Leben vorstellen.

Das Leben als Versuchskaninchen sehen

Wir wissen also von uns selbst, wer wir sind und haben eine Vorstellung von unserem späteren Leben. Also warum zur Hölle, legen wir uns trotzdem so ungern fest und drücken uns davor, wichtige Entscheidungen zu treffen? – Weil mangelnde Entscheidungsfreude, meiner Meinung nach, oft einhergeht mit vielseitigem Interesse. Interesse an sich, anderen Menschen und der Welt. Ein Job, in dem wir nur Teilaufgaben nachgehen, würde uns nicht glücklich machen. Wir wollen nicht nur ein Teil sein, einen Teil tun oder verstehen. Wir wollen das große Ganze. Wir langweilen uns unglaublich schnell. Nur Teile genügen nicht. Wir sind wie ein Puzzle, dass niemals fertig wird. Das wir uns nicht festlegen können, ist die Angst davor, irgendwann einmal doch fertig zu sein. Und ich finde es wunderbar. Ich finde es super, manchmal das Gefühl zu haben, von allem ein Bisschen zu wissen,aber nichts richtig. Und immer dann, wenn unser Leben still zu stehen scheint, wenn wir in unserem Hamsterrad rennen, sollten wir uns folgendes vor Augen führen: Du selbst entscheidest, wann du fertig bist. Du musst niemals fertig sein. Das Leben und die Welt sind ein freilaufendes Versuchskaninchen. Fütter es.

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