Foto: Kathrin Mechkat/privat

Interview mit meinem Beckenboden

Alle reden von Bizeps und Sixpack: Dabei ist Dein Beckenboden der eigentliche Star in Deinem Körper! Um ihn ranken sich Sagen und Mythen. Niemand scheint Genaues zu wissen! Er ist gefühlt so etwas wie ein weißer Fleck auf der Anatomie-Landkarte. Obwohl er bei fast jeder Bewegung Deines Körpers mithilft. Elastisch soll er sein und kräftig, um Deine Organe zu tragen, Loslassen soll er bitte nur auf dem Klo und im Kreißsaal. Du kannst Dir sicherlich vorstellen, dass sich mein Beckenboden SEHR über meine Interview-Anfrage gefreut hat. Endlich Aufmerksamkeit. Also, Spotlight an fürs Exklusiv-Interview mit einem Superhelden!

 

Lieber Beckenboden, wie fühlst Du Dich heute?

(leicht beleidigt) Danke der Nachfrage. Schön, dass Du auch mal wieder an mich denkst. Wenn Du es genau wissen willst: Ich fühle mich, wie man sich eben nach zwei Schwangerschaften und Geburten fühlt, etwas geschwächt und mitgenommenen.

Hast Du ein Image-Problem?


Ich fühle mich nicht richtig wahrgenommen, geschweige denn verstanden.

Wo erwische ich DIch denn gerade?

Du stellst Fragen: im kleinen Becken.

Kannst Du bitte etwas genauer werden?

Ich arbeite da gerne mit einer Visualisierungsübung: Wenn Du von oben auf mich schauen würdest, sähe ich aus wie ein Viereck, das von Deinem Schambein, Deinen beiden Sitzhöckern und Deinem Steißbein begrenzt wird. Kannst Du alles ertasten. Hier und jetzt, Du Yoga-Mama.

    

Der Hauptjob des Beckenbodens: wach, aktiv und in Balance zu sein

Wie bist Du aufgebaut?

Aus drei Muskelschichten. Dem Musculus levator ani, der von hinten nach vorne zieht und einen Spalt für die Ausgänge der Hohlorgane offen lässt. Dem Musculus transversus perinei profundus, der quer über den verbliebenen Spalt verläuft und dem musculus bulbocavernosus und musculus sphincter ani externus, die achtförmig die Ausgänge der Hohlorgane umschließen. Ich bin wie ein geflochtener Korb, der Deine Bauchorgane trägt. Wie eine leicht
gespannte Hängematte, eine Schale, eine Blüte ….

Halt, stopp, die Interview-Zeit ist leider begrenzt, die Kinder wachen gleich vom Mittagsschlaf auf. Bist Du Feminist?

Machst Du Witze? Ich gehöre auch zur Anatomie jedes männlichen Körpers.

 Wie sieht Dein Alltag aus?

Ich bin vielbeschäftigt, 24/7! Ob Du es glaubst oder nicht: Ich bin in fast jede Bewegung Deines Körpers involviert. Mein Hauptjob ist es, wach, aktiv und in

Balance zu sein. Ich spanne mich an, wenn Du mal wieder mit Deinen
kleinen Gurus durchs Haus hüpfst und springst, hustest oder niest und
ich lass los, wenn Du auf die Toilette gehst oder eben bei Geburten, die natürlich alles andere als alltäglich sind.

Wann hast Du Dich von mir zuletzt so richtig gut wahrgenommen gefühlt?

Na ja, während Deines letzten Rückbildungskurses warst Du eigentlich mehr mit Deinem Buddha Baby beschäftigt, als mich wahrzunehmen … Wer wirklich Kontakt zu mir aufnehmen möchte, muss sich nämlich konzentrieren und in sich hineinspüren. Aber ich will nicht so streng sein. Du versuchst es immer
wieder zwischendurch. Ich mag es zum Beispiel, wenn Du Dir beim Ausatmen „Mein Nabel zieht zur Wirbelsäule“ denkst – und wenn Du eine Umkehrhaltung machst, entlastet mich das enorm!

Good News: Für Beckenbodentraining ist es nie zu spät

Gibt es sonst noch Dinge, auf die Du stehst?

Wie gesagt, ich liebe Visualisierungen! Das Bild vom Reißverschluss zuziehen oder Aufzugfahren gefällt mir sehr gut. Auch die Vorstellung, den Schnürsenkel
eines  Schuhs festzuziehen, mag ich. Graszupfen mit der Vagina finde ich
irgendwie – na ja – lassen wir das.

Apropos Vagina: Bist Du wirklich SO wichtig für guten Sex?

 Gegenfrage: Erinnerst Du Dich noch an den ersten Sex nach den Geburten?

 Ähm, na ja …

Dann hast Du Deine Frage selbst beantwortet. Wenn ich gut trainiert und somit besser durchblutet bin, bin ich empfindsamer. Ist doch logisch! Außerdem ist Sex gleichzeitig auch ein bisschen wie Mucki-Bude für mich.

Was ist der schönste Satz, den Du jemals gehört hast …

 Für Beckenbodentraining ist es niemals zu spät!

Welches Workout magst Du denn am liebsten?

Ich dachte schon, Du fragst nie! Da gibt es so viel, am liebsten mag ich es dynamisch …

Pick doch bitte eine Übung heraus!

Na gut, weil Du eine Yoga-Mama bist, darfst Du auch Deine Matte dafür ausrollen. Leg Dich auf den Rücken und stell die Beine auf, so wie zur Vorbereitung für die Brücke. Wir machen die Aufzug-Übung. Am besten lässt Du sie Dir vom Mann Deines Herzens oder einer Freundin vorlesen, damit Du Dich ganz auf Deine Wahrnehmung und Atmung konzentrieren kannst.

Stell Dir vor, Deine Scheide ist ein Aufzug und Dein Beckenboden der Antrieb mit dem Du von unten nach oben fahren kannst. Das Erdgeschoss ist am
Scheideneingang. Es gibt vier Stockwerke.

Atme aus, kontrahiere den Beckenboden und fahre ein paar Millimeter bis zum ersten Stock. Atme ein, löse den Beckenboden und komm zurück ins Erdgeschoss.

Versuch, ob Du bis ins vierte Geschoss kommst. Also atme aus, spanne den unteren Teil des Beckenbodens an und fahre zum ersten Stock. Atme weiter aus,
spanne den nächsten Teil der Beckebodenmuskulatur an und fahre
zum zweiten Stock.

Während Du weiter ausatmest, geht es zum dritten
Stock und nochmals zum vierten Stock. Jetzt ist die gesamte
Beckenbodenmuskulatur aktiviert.   

  • Atme ein und fahre Stockwerk
    für Stockwerk einatmend zurück. Fahre langsam und entspanne die
    Beckenbodenmuskulatur Schritt für Schritt. Denke immer ans
            Ausatmen beim Hochfahren und Einatmen beim Herunterfahren.


    Beckenboden-Bliss: Mehr Beachtung und mehr Bewusstsein  

Das klingt nach einer echten Konzentrations-Übung! Dieses Interview erscheint ja auf meinem Yoga-Mama-Blog. Deshalb: Wie stehst Du zu Mula Bandha?

„Setze Mula Bandha“, wenn ich das

schon höre … Pah! Natürlich ist der Energieverschluss im Hatha-Yoga

essentiell, aber wer weiß in unseren Breitengraden schon ganz

genau, was er da tut. Dazu machen wir mal ein gesondertes Interview.

Bitte noch ein Statement zum Muladhara Chakra!

Klar! Das Wurzelchakra und ich wir

sind ja so was wie eine WG. Als Beckenboden bin ich das energetische

Zuhause dieses Chakras. An Deiner Erdung kannst Du

jedenfalls noch arbeiten. Denk beim nächsten Mal auf der Matte mal

an ein vierblättriges Kleeblatt. Jede Ecke des Beckenbodens ist dabei

eines der Blätter. Vielleicht gefällt Dir auch eine vierblättrige Lotusblüte besser.

Gibt es noch etwas, was Du loswerden möchtest?

Spann’ Deinen Unterkiefer bitte nicht so

oft an, das blockiert mich. Erinner‘ Deine werdenden Mamas beim

Schwangerschaftsyoga bitte auch daran! Immer schön locker

machen, Ladys!

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Zwei große Bs: Mehr Beachtung und mehr Bewusstsein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Immer wieder gerne!

Dieses Interview erschien zum ersten Mal auf MOMazing – Das Mama Yoga Love Mag.

Du möchtest mehr über das Thema erfahren? Dann schau mal auf der Beckenboden-Themenseite vorbei! Vom 13.2.2017 bis 19.2.2017 gibt es jeden Tag einen Artikel zum Superhelden Beckenboden.

Mit #beckenbodenglück gibt es auch einen Mini-Mini-Challenge bei Instagram, um Bewusstsein für das Thema zu schaffen. #beckenbodenglück ist eine Initiative von Mamas für Mamas – sei dabei!

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