Foto: Iris Apfel | Facebook

Iris Apfel. Oder Mode-Ikone mit 93 Jahren

Im Alter von 84 Jahren hat Iris Apfel den Jugendwahn der Modeindustrie auf den Kopf gestellt. Grund genug, sich die New Yorkerin mal genauer anzusehen.

 

Neustart mit 84 Jahren

Das Modebusiness ist eines, das von Makellosigkeit und Jugend lebt. Stimmt. Aber eben auch von jenen Personen, die sich von vermeintlichen Grenzen nicht im Zaum halten lassen. Eine von ihnen ist Iris Apfel. Geschäftsfrau, Interior-Designerin, Society-Lady, Model und Mode-Ikone im stolzen Alter von heute 93 Jahren.

Ihre faszinierende wie auch streitbare Extravaganz lässt zunächst kaum Rückschlüsse auf ihre berufliche Laufbahn zu. Das Steckenpferd des von ihr 1950 gegründeten Unternehmens Old World Weavers waren Stoffe aus dem 18. und 19. Jahrhundert – und das Einrichten des weißen Hauses. Insgesamt neun Präsidenten nahmen die Dienste der Interior-Designerin in Anspruch. Bis im Jahr 2005 Harold Koda, Direktor des Costume Instituts des Metropolitan Museums, auf sie zukam, um ihr mit „Rara Avis: The Irreverent Iris Apfel“ eine Accessoire-Ausstellung zu widmen.

Bisher reines Privatvergnügen, wurde Apfels Obsession für auffällige Kombinationen nun einer große Öffentlichkeit präsentiert und löste eine Begeisterungswelle aus. Mit über 80 Jahren wurde die New Yorker zu einer internationalen Fashionikone.

“When you don’t dress like everyone else, you don’t have to think like everyone else“

Die zu ihrem Markenzeichen gewordene Brille mit den überdimensionierten Gläsern und das schlohweiße, kurze Haar sind Apfels einzige Stil-Konstanten. Ihre eigentümliche Garderobe entsteht aus den wildesten Stoff-,  Farb- und Materialkombinationen, ergänzt durch schwere Kugelketten, massive Armreifen, Ringe und vieles mehr, das Apfel von ihren Reisen durch aller Herren Länder mit nach Hause bringt. Kurz gesagt ein Look, der Opulenz mit Üppigkeit kreuzt. Ein Chanel-Kostüm käme der New Yorkerin dagegen nicht ins Haus.

„Warum sollte ich Tausende Dollar ausgeben um so auszusehen wie alle anderen?“ Recht hat sie und auch damit, mit ihrem eigentümlicher Mix das vielgesehene „Seniorenbeige“ in seine Schranken zu weisen. „I like to be maximal“, kommentiert sie selbst ihren Ruf als Mode-Guru lapidar.

„Getting older ain’t for sissies“

Die sich selbst als ältesten Teenager der Welt bezeichnende 93-jährige macht keinen Hehl aus den Beschwerlichkeiten des Alters, schmerzenden Knochen und einer sie stets begleitenden Müdigkeit. Aber eben auch nicht daraus, dass das weder den Ausstieg aus der Gesellschaft noch aus der Öffentlichkeit bedeuten muss. “You have to push yourself when you’re older, because it’s very easy to fall into the trap.“

Vielleicht ist es diese Offenheit, mit der Iris Apfel jene einnehmende Gegenwärtigkeit erzeugt, die so viele Menschen erreicht. Sicherlich, Apfel mag privilegiert sein und sich wenig Sorgen um Alltäglichkeiten machen müssen und dennoch setzt sie mit ihrer Person ein wichtiges Statement gegen ein Unsichtbarwerden im Alter. Es ist weniger ihr schriller Stil, als der schwungvolle Stoß gegen den Strom, mit dem sie für ein buntes, vor allem aber präsentes Leben bis ins höchste Alter steht. Und das macht sie, als weiblicher Dandy, als Grand-Dame, indem sie sich im Spätherbst ihres Lebens noch einmal schmunzelnd in den Mittelpunkt stellt und sich einfach weigert die Neugier zu verlieren.

US-Regeisseur Albert Maysles machte sich im Jahr 2010 an eine Dokumentation über die Mode-Ikone, im Oktober 2014 Jahres feierte „Iris“ auf dem New York Film Festival seine Premiere. Mehr von Iris Apfels Garderobe und weiteren fantastischen Frauen, die guten Stil nicht zur Alterfrage machen, findet man auch auf advanced style, dem Blog von Ari Seth Cohen, der auf den Straßen New Yorks den Stil der neuen Golden Girls einfängt.

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