Foto: Lina Grün

Isabel Robles Salgado: „Mütter sind super Mitarbeiterinnen“

Isabel ist Mitgründerin des Mamablogs Little Years. Ein Gespräch über Kinder, arbeitende Mütter und wo es bei Unternehmen noch Verbesserungsbedarf gibt.

 

Was moderne Mamas wollen

Nicht für jede Mutter ist der Wiedereinstieg in den Beruf schwierig – leider liegt das weniger in den Händen der Mütter, sondern in denen der Unternehmen. Isabel Robles Salgado hatte da Glück. Mit einem super Chef und einem Mann, mit dem sie sich die Aufgaben in der Familie 50/50 teilt. So kann sie nicht nur ihrem Job nachgehen, sondern auch noch über das Familienleben schreiben. Und das macht sie gemeinsam mit Marie Zeisler auf Little Years.

Wie alles anfing, warum ihnen ihr Job auch für den Blog zugutekommt und wie wichtig es ist, sich Zeit für sich selbst zu schaffen, das hat sie uns erzählt.

Little Years ist für moderne Mamas. Was macht eine Mama denn modern und was interessiert diese Frauen?

„Wir sprechen ja mittlerweile auch viele Papas an, deshalb würde ich diese Frage in ‚moderne Eltern’ umformulieren wollen! Aber zu den Müttern: Moderne Mamas wollen ihren Weg gehen, ohne sich an Dogmen und Vorurteilen festzuhalten. Viele wollen viel – Arbeit, Kinder, eine liebevolle Mutter sein, und trotzdem Frau bleiben und sich selbst nicht aus den Augen verlieren. Oft wollen sie sicher auch zu viel, aber das ist ein anderes Thema. Auf unserer Seite geht es um Eltern-Themen im weitesten Sinne: Gefühle, Erfahrungen, Tipps, aber wir sind auch sehr lifestylelastig und thematisieren gerne schöne Dinge wie Mode, Beauty, Möbel, tolle und hilfreiche Produkte. Hier wollen wir den Müttern auch helfen, den Durchblick im Produkt-Dschungel zu behalten.

Was bestimmt den Alltag dieser Mütter?

„Ich denke, es geht viel um die ganzen Spagate. Mutter sein und Frau sein, Mutter sein und Arbeiten, oder auch: Familie haben und den Anschluss nicht verlieren. Dinge, mit denen Marie und ich auch täglich konfrontiert werden und da sind wir nicht alleine! Wir wollen aber die schönen Seiten des Kinderhabens in der Vordergrund stellen, denn die überwiegen für uns.“

Den Blog hast du gemeinsam mit Marie Zeisler gegründet. Wie habt ihr euch gefunden?

„Wir haben uns – sehr klischeehaft – beim Schwangeren-Yoga kennengelernt. Das Konzept von Little Years stand damals schon halb, gerade hatten die ersten Frauen in meinem Bekanntenkreis Kinder bekommen und ich war fasziniert von diesen ‚neuen’ lässigen Mamas, mit denen ich mir früher die Nächte um die Ohren geschlagen hatte und die jetzt mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit auch Mutter waren. Diese Faszination wollte ich weitergeben. Mit Marie habe ich dann die Partnerin gefunden, die mir half, das Konzept auszuarbeiten und unser drittes Baby so richtig an den Start zu bringen. Wir haben mit unseren dicken Bäuchen ganz schön geackert, die Seite ging dann kurz vor der Geburt des ersten Kindes online. Zum Glück! Denn danach hätten wir nichts mehr gebacken bekommen. So stand alles und wir hatten von Anfang an eine beachtliche Leserschaft, das hat natürlich zum Weitermachen motiviert.“

Foto: Lina Grün

Du hast Politik studiert, machst mittlerweile Pressearbeit und arbeitest für ein Projekt des Max-Planck-Instituts. Wann findest du Zeit, um dich an den Schreibtisch zu setzen und Little Years zu pflegen?

„Ich arbeite 20 Stunden in meinem festen Job, an zwei Tagen und an den Abenden bleibt Zeit für die Website. Vieles geht nicht vom Schreibtisch aus, sondern passiert am Handy, das geht von überall. Den Rest wuppt Marie, wir sind aber auch immer in Kontakt und besprechen mehrmals täglich Details. Es ist ein ziemlicher Kraftakt, alles unter einen Hut zu bekommen, das gebe ich offen zu. Aber ich genieße den Luxus, ein festes Einkommen zu haben und nebenbei mein eigenes Projekt weiterzubringen unheimlich, deshalb möchte ich mich nicht beschweren!“

Hast du einen Tipp, um sich selbst Zeitinseln zwischen Familie und Arbeit zu schaffen?

„Vor allem muss man sie sich eben bewusst ‚schaffen’, sie kommen selten von alleine! Ich glaube, jede Mama sollte genau in sich reinhören, was sie an Freiheiten braucht, was sie für Bedürfnisse hat. Das ist so unterschiedlich, da gibt es keine Regeln, manche gehen völlig in der Mutterrolle auf, andere brauchen nach kürzester Zeit einen Ausgleich und Babypausen. Und wenn man das dann weiß, dann muss man gemeinsam mit Partner, Familie, Freunden, Babysittern versuchen, den Plan so gut wie möglich zu realisieren. Bei uns klappt das sehr gut, mein Freund und ich sind gleichberechtigt, er fordert die Zeit mit seinem Sohn regelrecht ein, genauso wie meine Schwiegermutter. Durch diese Dreier-Konstellation und auch dadurch, dass mein Sohn sehr gerne in die Kita geht, gelingt es mir eigentlich ganz gut, kleine Inseln für mich zu schaffen und auch ab und zu noch mit meinem Freund Zeit zu zweit zu verbringen.“

Auch Marie ist PR-Managerin. Wie kam euch das Know-How für den Blog zugute?

„Sehr! Marie war ja vorher bei Etsy und wir wussten einfach beide, wie man ein solches Projekt aufzieht, wir kannten uns gut aus mit all dem Internet-Gedöns, wussten, wie man mit Blogs erfolgreich werden kann. Little Years war ja von Anfang an nicht nur ein Hobby, wir wollten damit schon auch gerne ein bisschen Geld verdienen. Vor allem waren wir beide schon vor dem Blog sehr gut vernetzt, viele Kontakte zu Firmen, Agenturen, und auch zu Grafikern und Programmierern gab es bereits. Das war Gold wert!“

Wie hat sich dein Leben verändert, seit du Mutter wurdest?

„Zu 100 Prozent, einfach komplett. Ich habe mich verändert und mein Alltag auch. Ich stehe früher auf, leiste viel mehr, bin entsprechen auch viel erschöpfter. Trotzdem würde ich sagen, dass ich mich erfüllter fühle, das Leben macht schon auf eine ganz andere Art und Weise Sinn. Ich dachte übrigens immer, ich würde eine knallharte Karriere-Mama werden, jetzt bin ich doch sehr mit Leib und Seele Mutter. Auch wenn ich viel arbeite, ist die eigentliche ‚Karriere’ völlig in den Hintergrund gerückt. Dass es meinem Sohn und meiner kleinen Familie gut geht ist Priorität Nummer eins! Ich hätte nie gedacht, dass ich doch ein ganz schönes Muttertier bin. Ich könnte mir mittlerweile sogar vorstellen, noch zwei oder drei weitere Kinder zu bekommen.“

Du schreibst, dass dir die deutsche Mentalität in Bezug auf Mütter und Mutterschaft gegen den Strich geht. Was nervt dich?

„Ich finde, die Deutschen gehen viel zu verkopft an die Sache ran. Kinderhaben ist ein Bedürfnis, es gehört dazu! Man muss sich da nicht ewig Gedanken machen, ob man eventuell dick wird, ob man dem Kind nicht genug bieten kann, ob man die richtige Früh-Pädagogik um die Ecke oder ob man genug Erziehungsratgeber gelesen hat. Und eben weil viele so unnatürlich an die Sache rangehen, denken viele Frauen, sie würden zu kurz kommen, sobald Kinder da sind. Kinder haben ist schön, erfüllend, anstrengend, aber es gehört eben einfach dazu. Wenn wir mit etwas mehr Bauchgefühl und Natürlichkeit an die Sache rangehen würden, das wäre gut. Soviel zur Mentalität. Es gibt aber auch noch viele andere, strukturelle Dinge, die einem das Kinderhaben in diesem Land nicht so ganz leicht machen. Ich glaube aber, wir sind auf einem sehr guten Weg. Familie gründen ist wieder in, die Kinderbetreuung wird langsam aber stetig ausgebaut und hoffentlich auch immer weiter verbessert. Und immerhin wird öffentlich über Dinge wie eine 32-Stunden-Woche für Eltern diskutiert. Das finde ich großartig!“

War es für dich schwer, wieder in den Job zu kommen, nachdem du deinen Sohn bekommen hast?

„Tatsächlich überhaupt nicht. Ich habe aber auch einen ausgesprochen großartigen Chef, der gerne mit Müttern zusammenarbeitet und der nie schief schauen würde, weil ich nach einer blöden Nacht müde, oder dank Kita-Viren mal wieder krank bin. Außerdem habe ich einen noch großartigeren Mann, für den immer klar war, dass er die Hälfte in Sachen Kindererziehung und Haushalt übernehmen will. Bei uns hat sich ehrlich gesagt nicht mal die Frage gestellt, ob wir bald wieder beide arbeiten, es war einfach klar! Das Einzige, was mir ganz am Anfang schwer fiel, war die Trennung von meinem Sohn. Ich bin bereits nach sieben Monaten kurzzeitig für ein großes Projekt wieder eingestiegen und mehr als vier oder fünf Stunden von ihm getrennt zu sein, war hart in den ersten Wochen. Ich kam jeden Tag früher zurück als geplant.“

Was kann man in dem Bereich den noch verbessern, um es Müttern leichter zu machen und was ist ein guter Ansatz, den es bereits gibt?

„Im Bereich Arbeitsleben? Oh Gott, SO viel! Mütter sind super Mitarbeiter, das sollten die Unternehmen mal kapieren. Teilzeit-Arbeiter sind Gold wert! Auch das ist noch nicht angekommen. Gute und günstige Kinderbetreuung ist unabdingbar, das sollten alle kapieren. Die Mütter (und Väter!) müssen aber auch zugeben, dass mit dem Kind einiges anders wird, auch im Arbeitsleben. Wir werden alle noch ewig lange arbeiten, vielleicht muss man in den ersten Jahren, wenn die Kinder klein sind, auch einfach nicht befördert werden und nicht drei Mal die Woche auf Geschäftsreise fahren. Vielleicht kann das auch mal kurz warten.“

Was ist denn das Schönste am Muttersein?

„Oh, ich finde wirklich vieles schön. Das Kind jeden Tag beim Größerwerden beobachten, diese unfassbar große Liebe, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl. Gerade im Moment macht mir die Sprachentwicklung meines Sohnes am meisten Freude, er ist so ein lustiges Kerlchen! Für mich war auch das ‚Ankommen’ und Wurzeln schlagen so toll, ich komme selbst aus ziemlich instabilen Verhältnissen und meine eigene kleine, spießige Familie zu haben, macht mich täglich aufs Neue unfassbar glücklich.“

Und was vermisst du vielleicht manchmal von deinem „alten“ Leben?

„Auch sehr vieles! Einfach mal nichts tun, das vermisse ich am allermeisten. Nicht ständig da sein müssen, nicht immer zehn Sachen auf der To-Do-Liste haben. Leere Wäschekörbe! Das war schön! In den Tag hineinleben, hach! Jetzt muss so vieles akribisch geplant werden, sonst klappt es einfach nicht. Man muss schon viel mehr leisten als Mutter und hat diese unfassbar große Verantwortung. Das belastet und erschöpft mich oft und ich würde es liebend gerne regelmäßig komplett abgeben.“

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