Foto: Jelena Lieberberg

Jelena Lieberberg: Die coolste Yogalehrerin Deutschlands!

Jelena Lieberberg (34) ist zweifache Mutter, Gründerin von Kick Ass Yoga, Buchautorin, Yoga Journal-Kolumnistin, Heilpraktikerin, Sängerin, Sprecherin und Moderatorin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Töchtern (11) und (8) in Berlin-Prenzlauerberg. Mit MOMazing sprach sie über ihren liebsten buddhistischen Segensspruch (den jede Mama kennen sollte!), Hanteln und Gewichte beim Yoga und erklärt, warum sie nach den Geburten ihrer Töchter drei Jahre gebraucht hat, um wieder in ihre Kraft zu finden.

 

Wie hast Du zum Yoga gefunden?

Das war vor zwölf Jahren, als meine große Tochter auf dem Weg war. Ich dachte: Yoga würde ich gerne mal ausprobieren, aber ich befürchtete auch, dass ich einer esoterischen Gehirnwäsche unterzogen werden würde. Mein Lehrer
damals hatte zwar eine Leinenhose an, aber das war nicht weiter schlimm,
denn es hat doch irgendwie Spaß gemacht (lacht). So bin ich da reingerutscht und ziemlich schnell, mit etwas Glück, bei Spirit Yoga gelandet. Dort habe ich
gespürt: Hier fühle ich mich zuhause, hier will ich mal unterrichten! Ich bin als relativer Anfänger damals in einer Level 2 Klasse bei Patricia Thielemann gelandet und da war gleich so eine Connection da. Das Gefühl, dass ich als Schüler wahrgenommen und reflektiert werde. Dieses Gesehenwerden. Deswegen wusste ich auch gleich, dass ich dort die Ausbildung machen würde, habe damit aber noch gewartet, bis meine Jüngste geboren war.

Wie hat das Mamasein Dein Leben als Yogini beeinflusst?


Ohne das Mamasein wäre ich nicht so eine
gute Yogalehrerin, wie ich es jetzt bin. Das hat mich charakterlich
total geprägt. Was jetzt nicht heißt, dass ich meine Schüler in meinen Stunden bemuttere oder sie zu meinen Kindern machen will. Es ist mehr Empathie da, weil ich schon so viele Höhen und Tiefen durchs Muttersein erlebt habe …

“Dieses Dahingebete von den immer gleichen Phrasen in den Yogastunden konnte ich nicht mehr hören.”

In Deinen Yogastunden kombinierst Du Yoga und Crossfit. Was bedeutet das genau?

Crossfit habe ich vor vier, fünf Jahren
kennengelernt, es hat mir viel Spaß gemacht und mich in einem Moment
abgeholt, wo mir Yoga aus den Ohren raushing. Ich hab mich überdehnt gefühlt und konnte dieses Dahingebete von den immer gleichen Phrasen nicht mehr hören. Ich fand es super, dass mal auf den Putz gehauen wurde und habe es erstmal ein bisschen zu exzessiv betrieben, bis ich dann ein Maß gefunden habe. Eine Mischung aus Yoga und anstrengenderen Sachen. Da ist mir dann auch
körperlich bewusst geworden, wie wichtig Yoga ist, und ich habe mich wieder neu in Yoga verliebt. Als Yogi wird man so auf Durchlässigkeit geeicht, manchmal fehlt es da einfach an Kraft. Zum Beispiel in den Schultern für Chaturanga. Deshalb fordere ich meine Yogis gerne mehr. Man hält in meinen Klassen Haltungen mal etwas länger oder macht mehr Wiederholungen, als man es gewöhnt ist. In Privatstunden nehme ich auch gerne Hanteln oder Gewichte mit. Das rundet das Ganze ab.

Hast Du eine Lieblings-Asana?


Down Dog! Ich übe gerne Umkehrhaltungen, aber es läuft immer wieder auf den Herabschauenden Hund heraus. Ich empfinde ihn immer anders. In dieser Asana bekomme ich jedes Mal ein direktes Feedback. Da ist so viel rauszuholen, das ist
 Wahnsinn! Bis er sich greifbarer anfühlt, dauert es erstmal ein paar Jahre. Ich habe tatsächlich auch erst mit den Fersen in der Luft angefangen …


Über den dreibeinigen Hund hast Du auch mal eine Kolumne im Yoga Journal
geschrieben. Eine von vielen tollen Sachen, die Du neben Deinem Beruf als Yogalehrerin machst. Heilpraktikerin, Sängerin, Sprecherin und Moderatorin bist Du auch noch. Wie machst Du das alles?

Die meisten Sachen fliegen mir zu. Ich habe zum Beispiel gerade ein Buch geschrieben, das kommt im Frühjahr raus. Mehr darf ich aber noch nicht verraten. Da kommt dann ein Anruf und ich sage „Ja“. Genauso, wenn ein Anruf für ein Sprecher-Casting kommt, das lehnt man doch nicht einfach so ab. Das
kommt natürlich nicht jeden Tag vor. Die Kinder sind in der Schule, deshalb habe ich Zeit, mich kreativ zu beschäftigen. Das brauche ich auch. Ich bin nicht so ein Mensch, der nur eine Sache im Leben machen kann. Ich brauche die kreative Vielfalt.

Was hast Du eigentlich ursprünglich gelernt?


Nichts (lacht). Ach quatsch. Ich muss mal überlegen… Ich habe Anglistik, Amerikanistik und Philosophie in Köln und Duisburg studiert, dann war ich Moderatorin bei VIVA. Dann hatte ich einen Plattenvertrag als Sängerin, dann kamen die Kinder, die Yoga-Lehrerausbildung und die Weiterbildung zur Sprecherin.

“Ich finde es schade, wenn Mütter vor ihren eigenen Kindern wegrennen.”

Wie gehst Du als Mutter mit anstrengenden Situationen um?


Als die Große klein war, habe ich ein Buch gelesen, das hat mich total geprägt. Es heißt “Der kleine buddhistische Alltagshelfer. Das fand ich super. Da waren so
Tipps drin, wie Ventile zu schaffen. Oder es ging um die Kraft der Gedanken und Worte. Ich habe zum Beispiel in der ersten Zeit nicht geflucht und nicht mal das Wort Scheiße benutzt. Das war mir wichtig. Einen buddhistischen Segensspruch habe ich jetzt auch meinen Kindern beigebracht, er heißt Namu Amida Butsu.
Den kann man zum Beispiel sagen, wenn irgendjemand gerade in einer Aggression steckt, zum Beispiel ein Kind in einem Wutanfall. Wenn man
ihn denkt oder ausspricht, fördert man die Seele, ihren Weg zu finden. Ins Licht, oder einfach Frieden zu finden.

Das klingt sehr schön! Hast Du sonst noch eine Art Mama-Mantra, das Dich durch den Alltag trägt?


Es ist nur eine Phase. (lacht) Das sollte man sich immer wieder vergegenwärtigen. Meine Mädchen sind jetzt so groß und ich denke: Wahnsinn, das ging alles so schnell! Deshalb finde ich es immer schade, wenn Mütter vor ihren eigenen Kindern wegrennen.

Stichwort Vereinbarkeit: Wie hast Du das für Dich organisiert?

Ich hatte das Glück, einen berufstätigen Mann zu haben und so viel Zeit wie ich wollte, mit meinen Kindern zu verbringen. Ich kannte das so nicht, weil meine Mutter schnell wieder berufstätig wurde, als ich klein war. Deswegen war die Große erst mit drei im Kindergarten. Das reicht doch auch. Ich habe sie sogar anfangs immer mittwochs nicht hin gebracht, weil ich so eine Sehnsucht hatte und sie vor der Welt beschützen wollte (lacht). Heute unterrichte ich vormittags und mittags und habe zwei Kurse am Nachmittag.



“Yoga zieht sich durch unseren Alltag”

Macht ihr zuhause zusammen Yoga?


Ja, aber ich nenne es nicht so. Ich sage jetzt nicht: „So, wir machen jetzt Yoga, die Stunde beginnt“. Es zieht sich durch unseren Alltag. Meine Töchter machen das nach, was ich mache. Es liegt sowieso immer irgendwo eine Matte rum,
da geht dann erstmal der Hund drauf, dann gehe ich drauf und dann die
Kinder. Sie machen alles mit aus Interesse. Meiner Großen habe ich zum Beispiel letztes Jahr zum Geburtstag Handstand-Canes geschenkt, da hüpft sie dann drauf und steht auf ihren Händen. Das ist bei uns normal.

Welche Lehrer haben Dich am meisten geprägt?

Zunächst Patricia. Als ich alles gelernt habe, was ich von ihr mitnehmen konnte, waren es Max Strom, Anna Forrest, Duncan Wong und Meghan Currie. Kino MacGregor mochte ich eine zeitlang sehr. Mittlerweile habe ich mich satt gesehen an diesen Extrem-Verrenkungen. Sie ist kinderlos und lebt da, wo es
immer 30 Grad ist. Ich bin zweifache Mutter und bei mir in Berlin ist es quasi immer kalt (lacht). Was sie da vormacht in ihren Hot Pants ist für mich kein Vorbild mehr.

Wie sieht Deine Yoga-Praxis aus?

Unterschiedlich! Meistens übe ich morgens, aber nicht direkt nach dem Aufstehen, da gehe ich erstmal mit dem Hund und kümmere mich um die Kinder. Ich bin leider nicht der Typ, der um fünf Uhr aufstehen kann, das ist nicht mein Rhythmus. Dann gehe ich entweder irgendwo hin und übe in einem
Yogastudio oder gehe klettern. Abends übe ich, um runter zukommen mit der Faszienrolle. Da bin ich aber nicht streng mit mir und sage: „Das muss jetzt so oder so lange dauern“, sondern nehme mir, was ich brauche.

Wie lange hat es gedauert, bis Du nach den Geburten wieder fit warst?


Das war ein großes Thema für mich, denn es hat Zeit gebraucht. Vielleicht auch, weil ich beide Kinder länger gestillt habe. Ich habe das Gefühl, dass es nach den Geburten jeweils ungefähr drei Jahre waren.



“Es ist ganz wichtig, als Mutter auch die Kinder zu genießen”

Welchen Tipp würdest Du Deinem jüngeren Mama-Selbst geben?


Mich selbst weniger ernst zu nehmen und es auch mal gut sein zu lassen. Damit meine ich zum Beispiel, nicht innerlich mit sich selbst zu meckern, wenn man es mal nicht zum Sport schafft. Die Kinder meckern schon genug. Es ist ganz wichtig, als Mutter auch zu genießen. Das Babyalter und das Stillen, es ist alles nur eine Phase und geht so schnell wieder vorbei.

Das Interview erschien zum ersten Mal auf MOMazing – Das Mama Yoga Love Mag.

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