Foto: unsplash | Omar Yassen

Job vs. Goodlife! Wegziehen für den Job?

Karriere vs. Leben. Die Vorstellung vom Traumjob in weiter Entfernung kämpft gegen die Liebe zum aktuellen, wohlig eingerichteten Leben. Ein Artikel voll von Cocktail-Schirmchen, Mut und Münzen.

 

Ich bin hin- und hergerissen. Im Zweiwochen-Takt nehme ich mit aufgespanntem Cocktail-Schirmchen ein Wechselbad in meinen Lebensvorstellungen.

Es präsentiert sich: Vorstellung Nummer 1.

Das schöne Leben behalten. Alles so wie es jetzt ist. In der gewohnten Umgebung bleiben. Sich im etablierten Freundeskreis geborgen fühlen. Die vertrauten Straßen und bekannte Wege vor der Haustür. Wohlfühlen in der gemeinsam eingerichteten Wohnung. Das Gefühl von Heimat. Dafür aber Kompromisse machen bei der Jobauswahl, weil die Umgebung nicht das meinen Vorstellungen entsprechende Nonplusultra hergibt.

Und jetzt begrüßen Sie bitte mit einem herzlichen Applaus: Vorstellung Nummer 2.

In gewisser Hinsicht einen Neuanfang machen. Die Möglichkeit, einen Job zu wählen der ideal die Vorstellung meines nächsten beruflichen Schrittes repräsentiert. In einem spannenden Unternehmen. Mit vielfältigen, aufregenden Aufgaben. Dafür der Umzug in eine neue Stadt. Neu anfangen. Den Kompromiss Fernbeziehung eingehen.

Die beiden geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Immer wieder.

Es ist ein einziges Hin und Her.

An dem einen Tag erscheint Nummer eins so klar, dass sich keine weiteren Fragen mehr stellen. Drei Tage später: DIE Jobausschreibung, irgendwo 500 km entfernt. Definitiv zu weit zum täglichen Pendeln. Aber der Job klingt so verdammt spannend, das Unternehmen wie der Himmel auf Erden, ein Produkt zum Verlieben, die Aufgaben so vielfältig wie sonst nirgends. Das wäre doch genau das Richtige für mich. Oder?

Kurzzeitig erliege ich der Freude darüber, unter Millionen von Jobs genau den richtigen gefunden zu haben. Dieses explosive Das-muss-ich-einfach-machen-Gefühl! 

Doch die Zweifel sind meinem Hochgefühl immer dicht auf den Fersen. Haben sich bereits eingeschlichen, während ich noch dabei bin aus dem Cocktailglas der Begeisterung zu schlürfen. Mit Schirmchen, versteht sich.

Auf einmal stehe ich selbst vor mir, mit dem tropfenden Schirmchen vor meinem Gesicht wedelnd, und sage in dieser unangenehm quäkigen, meckernden Tonlage: Echt? Schon wieder? Vor, zurück, zur Seite, ran. Und eins, und zwei.. Das ist es dir nicht wert!

Pff, ich bin kurz mal beleidigt. Ach ja? Woher willst du das denn wissen? Genau da will ich hin, will Karriere machen, will mich beweisen, zeigen was ich kann, begeistert sein von meinem Job, will mich in viel zu vielen abwechslungsreichen Aufgaben verlieren.

Kurze Pause.

Du hast es doch versucht.

Lange Pause.

Stimmt, habe ich. Ich habe mich auf einen unglaublich tollen Job beworben, für den ich in eine weit entfernte Stadt hätte ziehen müssen. Und je greifbarer die Möglichkeit wurde, desto mehr hatte ich gehofft, sie würde sich von selbst erledigen. Desto mehr Angst kam auf, diese riesige Entscheidung tatsächlich zu treffen und weggehen zu müssen. 

Ganz von allein tauchte die Gewissheit auf, dass sich alles in mir dagegen sträubte.

Da merkte ich, woran mein Herz wirklich hängt.

Ganz laut hat es in mir gerufen: Tolle Idee mit dem Traumjob, wirklich! Sehr, sehr geile Aufgaben auch. Aber ich will hier nicht weg. Hier ist mein Zuhause. Hier ist alles was mich glücklich macht. Warum sollte ich das eintauschen, warum das alles riskieren?

Und genau das ist es!

An dieser Stelle würden die meisten wohl appellieren: Wir sollten auf unser Herz hören!

Stimmt.

Wenn mein Herz jedoch gerade noch hin- und hergerissen ist zwischen den zur Wahl stehenden Alternativen, was dann? Auf was genau soll ich dann hören, wenn mein Herz mal das eine und mal das andere sagt?

Vielleicht sollten wir an dieser Stelle also noch mal einen Schritt zurückgehen. Beide Optionen, die versuchen das Herz auf ihre Seite zu ziehen als wäre es ein olympischer Wettkampf im Tauziehen, ganz ruhig beobachten. Und dann beide einfach mal ausprobieren.

Und was bedeutet das jetzt für die Traumjob-Frage?

In Bezug auf die Jobwahl bedeutet das, mutig zu sein und einfach mal eine Bewerbung für diese Traumstelle am anderen Ende des Landes abzuschicken. Und eine weitere für den Job in der Umgebung, der vielleicht auf den ersten Blick keine hundertprozentige Karriere-Erfüllung verspricht, aber dafür alles andere so belässt wie es war. Und dann einfach zurücklehnen und zusehen, was passiert. Denn eines kannst du dir immer wieder ins Gedächtnis rufen: Es ist immer noch keine finale Entscheidung.

Und der Gedanke ist gar nicht so abwegig, dass dein Herz ganz plötzlich einspringt und dir aus vollem Hals zuruft, was ihm lieber ist.

Es ist wie mit der Münze, die du wirfst, damit sie dir eine Entscheidung abnimmt.

Und die plötzliche Enttäuschung, wenn sie auf der falschen Seite landet.


Wofür entscheidest du dich dann?

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