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Mehr digitale Werkzeuge für Bürgerinnen!

Julia Kloiber ist eine unserer „25 Frauen für die digitale Zukunft“ und will, dass Code und Software den Alltag aller Menschen vereinfachen.

 

Code for Germany

Seit rund drei Jahren beschäftige ich mich mit damit, wie aus abstrakten Zahlenbergen von städtischen Verwaltungen informative Visualisierungen und digitale Werkzeuge für Bürgerinnen entstehen können. Mich interessiert, welche Möglichkeiten uns neue Technologien bieten, um das gesellschaftliche Zusammenleben zu verbessern. Wie können Code und Software den Alltag von Bürgerinnen vereinfachen, Partizipation ermöglichen und Transparenz erhöhen?

Was auf den ersten Blick kompliziert und geeky wirkt, ist in den meisten Fällen sehr alltagsnah und praktisch. Die Themen sind vielseitig und umspannen alles, was Stadt, Politik und Bewohner umtreibt: von Umwelt über Infrastruktur und Stadtplanung bis hin zu Verkehrsführung und Finanzplanung. Wo sind noch Kitaplätze frei? Wie viel Geld ist im Haushaltsbudget der Stadt für Kultur reserviert? Welche U-Bahn-Stationen sind barrierefrei und welche Unfallschwerpunkte sollte man als Fahrradfahrer besser umfahren? Das sind nur einige der konkreten Fragestellungen, die sich auf Basis von Daten aus städtischen Verwaltungen beantworten lassen. Damit aus Rohdaten nützliche digitale Werkzeuge entstehen – und so Informationen möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden können – braucht es Programmiererinnen, Designer, Journalisten und Stadtplanerinnen, die Daten interpretieren und aufbereiten. Für Projekte in diesem Bereich hat sich der Begriff ‘Civic Tech’ etabliert – eine Disziplin, die in den USA und England bereits weit bekannter und ausgeprägter ist als in Deutschland. – “Und das brauchen wir auch!” Civic Tech ist Teamarbeit, das Feld ist so breit und interdisziplinär, dass sich eigentlich jeder und jede mit Interesse und Lust auf praktische Umsetzung einbringen kann.

Civic Tech für Städte und Kommunen

Um all diese unterschiedlichen Akteure zu vernetzen und mehr Leute dazu anzuregen, ihre Skills und Fähigkeiten für ihre Städte und Nachbarschaften einzusetzen, hat die Open Knowledge Foundation vor eineinhalb Jahren das Programm Code for Germany gestartet. Code for Germany ist eine deutschlandweites Netzwerk aus lokalen Communities (OK Labs), die sich ehrenamtlich engagieren und in den letzten Monaten einige spannende Anwendungen und Prototypen entwickelt haben.

In Berlin übersetzte das OK Lab im Mai 2014 im Vorfeld des Volksentscheids die vom Senat geplante Teilbebauung des Tempelhofer Felds in eine interaktive 3D-Visualisierung. Dafür wurden die genauen Geokoordinaten aus den Bebauungsplänen übernommen, damit Bürgerinnen eins zu eins nachvollziehen konnten, welche Bebauung wo geplant war. Das Projekt wurde gemeinsam mit der Berliner Morgenpost veröffentlicht und mit dem Infografik-Award der dpa ausgezeichnet.

Das Team des OK Lab München hat es sich zur Aufgabe gemacht Stadtpolitik besser nachvollziehbar zu machen und dafür das Portal „München transparent” gelauncht. Die Plattform bietet freien Zugang zu Informationen aus dem Stadtrat – und den transparenten Einblick in dessen Entscheidungen. Damit ist sie eine benutzerfreundlich und übersichtliche Alternative zum offiziellen Ratsinformationssystem der Stadt.

Das OK Lab in Ulm hat sich mit dem Projekt „Kleiner Spatz“ dem Thema Kitasuche angenommen und Daten von der städtischen Website übersichtlich auf einer Karte dargestellt. Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie etwa Informationen durch einfache technische Anpassungen in der Darstellung leichter zugänglich gemacht werden können.

Im letzten Jahr wurden in den 20 OK Labs über 10.000 Stunden ehrenamtlich programmiert und 300 Meetups abgehalten. Auch in anderen Ländern gibt es zahlreiche ähnliche Initiativen, in den USA bringt Code for America seit vier Jahren Städte und Innovationsteam zusammen um gemeinsam neue Lösungen für städtische Herausforderungen zu entwickeln und in Mexico City wurde mittlerweile sogar ein offizielles städtisches Innovationslab eingerichtet, in dem ein intersdisziplinäres Team eng mit Verwaltungseinheiten der Stadt zusammenarbeitet.

Ein solches Stadtlab ist auch ein notwendiger nächster Schritt für Städte in Deutschland, um besser und schneller auf neue technologische Entwicklungen reagieren zu können und mehr nützliche Werkzeuge für die Demokratie zu entwicklen. Code for Germany und die Civic Tech Community sind bereit – fehlt nur noch die passende Stadt.

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Julias TED-Talk „Let´s build better digital tools for our cities“, Quelle: Youtube

 

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