Foto: Steffen Roth

Katrin Schlotterhose: „Mode ist oberflächlich? Diese Haltung ist naiv“

Die Modebranche hält viele Berufe bereit. Katrin Schlotterhose macht sie fast alle. Auf einmal. Ein Gespräch über Mode, Trends und Zeitgeist.

 

Der Stoff, aus dem die Mode ist

Sie hatte ihren Blog schon, als der Hype gerade losging: Katrin Schlotterhose. Auf Metropolitan Circus dreht sich alles um Mode und Stil. Wer dabei nur an Oberflächlichkeiten denkt, hat jedoch weit gefehlt. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie das Bloggen sie auch beruflich weiterbrachte, was sie macht, wenn ihr das Thema Mode mal auf die Nerven geht und warum es naiv ist, Modethemen nicht ernst zu nehmen. Und wie es dazu kam, dass sie sich eine Zeit lang nur von abgelaufenem Tankstellenessen ernährte.

Katrin, dein Blogazine wird maßgeblich vom Thema Mode bestimmt. Seit wann beschäftigt dich die Materie?

„Ich war eines dieser fanatischen Kinder, welches nie das anziehen wollte, was Mama rausgelegt hat. Ich hatte schon sehr früh eine genaue Vorstellung davon, was ich tragen möchte und was nicht. Wenn ich mich jetzt erinnere, war das immer ein riesengroßes Drama zuhause. In meiner Teeniezeit habe ich die Materie dann wirklich fokussiert und ich wusste, dass ich in diesem Bereich arbeiten möchte. Dazwischen liegen jetzt knapp 20 Jahre. Mit dem Bloggen habe ich vor sieben Jahren begonnen. Eher aus Langeweile heraus, ich war damals noch Studentin und die Welt der Mode so unglaublich groß. Das Thema Bloggen als solches w,ar noch relativ neu und keiner wusste so wirklich, wie man die Thematik einschätzen sollte. Rückblickend eine sehr spannende Zeit.“

Wann hast du dann mit dem Schreiben über Mode begonnen und warum?

„Mit dem Bloggen kam das Schreiben. Zu Anfang habe ich noch sehr wenig geschrieben, mit der Zeit sind daraus Artikel entstanden. Noch vor sieben bis acht Jahren habe ich meine kompletten Inspirationen aus Magazinen und von der Straße geholt. Trotzdem hatte ich immer ein Bedürfnis, dabei zu sein. Es klingt sehr absurd, aber ich wollte etwas sagen, mich mitteilen, meine Sicht auf die Mode abbilden, die sonst in Magazinen so weit weg erschien und auch so unglaublich teuer war. Das Blog hat mir eine Plattform gegeben und auch meine jetzige Arbeitssituation maßgeblich mitbestimmt.“

 

Macht dich das Thema auch manchmal müde – oder langweilt dich?

„Natürlich macht mich das Thema auch mal fertig, gerade jetzt, wo ich Informationen immer und überall abrufen kann. Ich fühle manchmal eine so ungeheure Reizüberflutung, dass ich gar nicht mehr weiß, was mich eigentlich noch interessiert oder über was ich schreiben soll. Wenn ich so etwas bemerke, stelle ich alle Kanäle auf Null. Ich erlaube mir sogar, nicht zu bloggen, nicht zu schreiben und keine Recherche zu machen, weil es einfach nichts bringt. Mein Hirn braucht dann anderes Futter – Literatur, Musik oder ich fange an zu gärtnern. In den Jahren habe ich etwas gelernt: Ich muss nicht auf allen Veranstaltungen sein, ich muss auch nicht jedes Thema covern, ich bin ja auch schlicht und ergreifend nur eine Hobby-Bloggerin, Gott sei Dank. Ich denke jeder, der in der Branche arbeitet und das schon sehr lange, darf das Thema Fashion nicht überhandnehmen lassen. Die Welt hat manchmal sehr viel wichtigere Themen.“

Du bist Stylistin und Trend-Expertin. Kannst du etwas zu deinem Werdegang erzählen?

„Das stimmt so nicht ganz! Ich arbeite als Stylistin, Dozentin, ich leite eine Redaktion, arbeite als Creative Director und Bloggerin bin ich auch. Es ist einfach sehr schwer, diese vielen Bereiche in ein Wort zu fassen, das es am treffendsten beschreibt. Aber ja, ich bin mit Sicherheit auch ein Experte in meinem Bereich. Angefangen habe ich in Aschaffenburg, ich habe eine Ausbildung zur Bekleidungstechnischen Assistentin und zur Schneiderin gemacht, Dann bin ich nach Berlin gezogen und die Stadt hat mich erst einmal verschluckt. Nach zwei Jahren wilder Jobberei habe ich das Grundstudium in BWL gemacht und dann Modemanagement studiert. Ich habe bereits während meiner letzten Studienjahre als Stylistin und Bloggerin gearbeitet. Nach dem Studium bin ich nach New York und Paris gegangen und habe weiter frei in der PR und als Redakteurin gearbeitet. Ich muss wirklich sagen, die Jahre sind nur so an mir vorbeigezogen.“

Was macht eine Trend-Expertin eigentlich und wo wirst du fündig, wenn du nach neuen Strömungen suchst?

„Zusammen mit Marken und Unternehmen entwickele ich Strategien für neue Corporate-Konzepte oder Magazine. Ich schreibe aber auch ganz klassisch Trend-Forecasts, hauptsächlich für Agenturen. Man sucht Strömungen nicht zwangsläufig. Man muss Menschen einfach gut zuhören und genau hinsehen. Ich bin sehr viel unterwegs und liebe es, mich mit Leuten zu unterhalten, zu beobachten und Fragen zu stellen. Man bekommt dann natürlich schon sehr schnell mit, wo eine Sache hingeht. Natürlich sitze ich auch sehr oft an meinem Schreibtisch und recherchiere online, klicke mich durch Seiten und durchforste Instagram. Ist also kein Teufelswerk.“

Kannst du dich noch an Jobs erinnern, die für dich besonders prägend waren?

„Oh ja, während meiner Ausbildung an einer Privatschule habe ich Nachtschichten an der Tankstelle geschoben, um mir irgendwie meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich glaube, ich habe mich in dieser Zeit nur von abgelaufenem Tankstellenessen ernährt. Ein Gutes hatte es, ich war immer bestens mit Magazinen versorgt, die ich nicht kaufen musste und für Prüfungen lernen kann man auch zwischen vier und sieben Uhr morgens. Während meines Studiums habe ich jahrelang für einen großen Filialisten gearbeitet. Klar war das immer eine Doppelbelastung, aber ich habe in dieser Zeit gelernt, genügsam zu sein und einen eisernen Willen zu entwickeln.“

Was bedeutet Mode für dich?

„Mode ist Kultur und Zeitgeist. Sie wird von so vielen Randdisziplinen beeinflusst und wird so für fast alle Menschen zugänglich. Das ist ja auch das Schöne daran. Jeder hat eine Meinung dazu. Für mich persönlich bedeutet Mode eine Spiegelung der feingeistigen Interessen einer Gesellschaft. Das muss sich nicht zwangsläufig auf Bekleidung beziehen. Es gibt ja nicht nur eine Mode, sondern viele. Wenn man zum Beispiel jemandem sagt, er sei modisch, impliziert das auch eine gewisse moderne Haltung, sprich: er hat einen guten Geschmack.“

Viele empfinden die Beschäftigung mit Mode als oberflächlich. Was würdest du darauf entgegnen?

„Ich würde versuchen, ihnen zu erklären, dass Mode nicht nur Shopping ist und gutes Aussehen, sondern dass sich dahinter ein riesengroßer Wirtschaftszweig verbirgt. Ein schönes Beispiel ist New York: Die wichtigsten Wirtschaftsbereiche in der Metropole sind tatsächlich Finance und Fashion. Abgesehen davon finde ich persönlich diese Denke sehr naiv.“

Welche drei Dinge dürfen in diesem Sommer nicht in deinem Kleiderschrank fehlen?


„Der durchgeknöpfte Jeansrock von Chloé, ein weißes Leinenhemd und ein paar Tassle-Slides ebenfalls von Chloé. Darauf lohnt es sich auch zu sparen.“

Artikelbilder: Steffen Roth

Mehr bei EDITION F

Claire Beermann: „Ich bin eine dickköpfige Selfmade-Frau“. Weiterlesen

Madeleine: „Bewusster Konsum ist auf Instagram kein Thema“. Weiterlesen

Katja: „LesMads nicht zu machen, hätte ich für immer bereut“. Weiterlesen

 

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.