Foto: Stefan Reutter

Leidenschaft und Geld – eine gesunde Beziehung?

„Mache deine Leidenschaft zum Beruf.“ Diesen guten Ratschlag haben Sie sicherlich auch zu der Zeit bekommen, als Sie sich für eine berufliche Laufbahn entscheiden mussten. Doch was passiert mit dieser Leidenschaft, wenn sie plötzlich zum Beruf wird?

 

Früher hieß es: „Junge, als Betriebsfachwirt kannst du gutes Geld verdienen. Das ist ein sicherer Beruf über viele Jahre.“ Damit war klar, welcher Weg nach dem Abschluss einzuschlagen ist. Aber heutzutage?

Heutzutage heißt es: „Tu, was du liebst.“ Ein Hype, der immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Generation Y beispielsweise ist fokussiert auf ihre Freizeit, ihre Lebenszeit und ihre Selbstverwirklichung. Jeder träumt in den buntesten Farben davon, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Sei es das Hobby, das sie erfüllt, die Affinität für Zahlen, der sie tagtäglich nachgehen möchten, oder das Faible fürs Texten, das sie fortan professionalisieren.

Aber was passiert wirklich, wenn Beruf und Leidenschaft fließend ineinander übergehen. Das zu tun, was Sie lieben, ist die schönste Sache der Welt und dennoch gibt es einiges zu beachten.

Das eine ohne das andere

Die Leidenschaft zum Beruf zu machen, klingt im ersten Moment hervorragend, klar. Nur gibt es einen Haken an der Sache: Machen Sie Ihre Leidenschaft zum Job, dann machen Sie das, was Sie lieben. Jeden Tag. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass Sie dennoch Pausen oder Abwechslung brauchen. 

Ich liebte einfach nur das Fußballspielen. Es machte mir Spaß ohne Ende. Mit der Zeit wurde ich immer besser und eine Karriere als Fußballprofi wurde zum Greifen nah. Das war ein Traum. Und es fühlte sich immer noch gut an. Doch die Freude wich dem Pflichtgefühl. Das Geld spielte eine immer wichtigere Rolle und die Leidenschaft für mein Hobby rückte immer mehr in den Hintergrund. Das muss nicht sein, doch bei mir war es so. 

Ich habe zunächst Fußball nur aus Leidenschaft gespielt. Bis ich entdeckt wurde und meine Leidenschaft zum Beruf gemacht habe. Ab da änderte sich alles: Verträge und der Gedanke des Geldverdienens kamen ins Spiel und der ganze bürokratische Firlefanz prasselte auf mich ein. 

Und spätestens ab diesem Zeitpunkt konnte ich nicht mehr nur von meiner Leidenschaft sprechen. Meine Leidenschaft hatte sich verändert. Mein Hobby war mein Job – mein Job war mein Hobby.

Verstehen Sie mich richtig: Ich habe es geliebt zu spielen und dabei auch noch meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber wenn Sie etwas lieben, laufen Sie Gefahr, dass Sie ausbrennen: Sie tun, was Sie lieben, lieben, lieben – bis die Luft raus ist, da Sie sich keine Pause gönnen und Ihren Akku nicht mehr aufladen. Verständlich, da wir ja keine Pause von dem brauchen, was wir lieben – meinen wir. Damit liegen wir aber sowas von daneben! Wenn man genauer hinschaut kann es sein, dass Sie weder glücklich noch entspannt sind. Weder in Ihrem Job noch im Privaten.

Nach der rosaroten Brille

Denn einfach nur das, was Sie lieben zu Ihrem Job zu machen, ist zu simpel. Diese Rechnung geht nicht immer auf. Machen Sie Ihre Leidenschaft zum Beruf, dann müssen Sie akzeptieren und sich darüber bewusst werden, dass sich die Liebe zu Ihrer Leidenschaft mit der Zeit verändert.

Diese Liebe lässt sich mit der Liebe in einer Partnerschaft oder Ehe vergleichen. Nach Jahren lieben wir uns immer noch, aber diese Liebe bekommt eine andere Farbe als damals in der Verliebtheitsphase. Mit der Zeit weicht die rosarote Brille, die einen mit Euphorie die Dinge angehen lässt der Lesebrille, mit der wir wieder einen klaren Blick auf die Dinge bekommen.

So verhält es sich auch in der „Partnerschaft“ aus Leidenschaft und Job. Es beginnt alles mit Neugierde, Entdeckerfreude und Spaß an der Sache. Aber irgendwann bekommt die Liebe bei dem, was wir tun, eine andere Farbe und verändert sich. Aus der anfänglichen Motivation und Verliebtheit in den Gedanken, das zu tun, was uns erfüllt. wird auch irgendwann Gewohnheit, Stress und in manchen Fällen sogar Abneigung.

Die Auszeit rettet die Leidenschaft

Genau aus diesem Grund ist es hier enorm wichtig, sich in Selbstmanagement zu üben, auch mal eine Auszeit zu nehmen, Pausen einzulegen um sich nicht zu verrennen. Natürlich darf der Laptop am Abend aufgeklappt sein, aber dann bitte nur für einen guten Film mit einem Gläschen Wein. 

Sie sehen also: „Mache deine Leidenschaft zum Beruf “ ist ein wunderschöner Gedanke und in jedem Fall nicht verkehrt, solange Sie es schaffen Ihre Leidenschaft, im Privaten wie im Beruflichen zu erhalten und Sie die Abende und die Wochenenden ganz bewusst frei zunehmen. Das ehemalige Hobby darf gerne die sinnvollste Arbeit der Welt und somit zum Beruf werden. Um das allerdings zu bewältigen, ist aus meiner Sicht vor allem eins entscheidend: Disziplin sich eine Auszeit zu gönnen und Ausdauer wenn Sie gerade mal nicht lieben, was Sie tun. Denn nur so behalten Sie die Leidenschaft für Ihr Tun und verlieren trotz Stress den Spaß daran nicht.

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