Foto: Leo Mathild

Leonie: „Business ist Performance“

Erst Immobilien, dann Schmuck. Leonie Eberlin ist 26 und startet gerade mit ihrer zweiten Karriere durch. Das Wichtigste ist, sich selbst zu vertrauen.

 

Leonie Eberlin: Mit Mut zum Schmuck

Die Geschichte von Leonie Eberlin klingt fast wie der Plot eines Films: Als Teenager verlässt sie ihre Heimatstadt Köln und zieht allein nach Berlin. Dort jobbt sie bei einem Juwelier, um über die Runden zu kommen und träumt von einem besseren Leben.

Mit viel Ehrgeiz und Disziplin erarbeitet sie sich mit den Jahren einen gut bezahlten Job in einer absoluten Männerdomäne, dem Immobilieninvestment, doch irgendwann reicht ihr das nicht mehr. Sie kündigt ihre feste Stelle, um sich den Traum vom eigenen Schmucklabel zu erfüllen. Mit Erfolg. Unter dem Namen Leo Mathild verkauft sie ihren Schmuck heute weltweit. Ein Gespräch über Kündigungen, Investments und die Schmuckindustrie.

Eine feste Anstellung einfach so zu kündigen, das erfordert Mut. Wie schwer ist dir die Entscheidung gefallen?

„Erstaunlicherweise, gar nicht. Ich konnte mich darauf verlassen, auf mein Netzwerk in der Branche zurückgreifen zu können, meine Tätigkeiten im Investmentgeschäft selbstständig weiterzuführen und mich selbst in meinen Vorhaben zu unterstützen. Ich bin ein sehr intuitiver Mensch und weiß, dass wenn man seine Talente nutzt und gleichzeitig hart an sich arbeitet, gute Dinge passieren. Dieses Vertrauen ins Leben muss man haben. Eines Tages bin ich einfach in das Büro meines Chefs gegangen und habe gekündigt.“

Wie hat er darauf reagiert?

„Ich denke, er hat überhaupt nicht damit gerechnet. Er hat mich gefragt, was ich haben will, damit ich in der Firma bleibe. Eventuell eine Auszeit oder neue Verhandlungen über die Vergütung meiner Arbeit, jedoch war das nicht mein Anreiz. Ich wollte selbstständig sein, um mich mehr auf mein Label zu konzentrieren und mit einer Mission aufzuwachen. Ich wollte meine eigene Firma und meiner Arbeit noch mehr Seele und Ausdruck verleihen. Damals hatte ich nicht viele Fürsprecher. Bekannte und Freunde rieten mir ab. Aber mir war das egal, ich habe gesagt: ‚Ich suche keinen Rat, ich habe meine bereits Entscheidung getroffen und ich werde das durchziehen. Mit euch oder ohne euch.’“

Hattest du nie Zweifel?

„Natürlich hatte ich Zweifel. Aber ich finde, dass ist in gewissem Maße sogar wichtig. Ich sehe den Zweifel als eine Art Freund, denn er zeigt Respekt, solange er nicht überhand über Handlungen gewinnt. Man unterschätzt, was es bedeutet, ein Business und eine Herstellung von einem Produkt aufzubauen. Neben einer reibungslosen Produktion, muss Design, Umsetzung und vor allem Qualität stimmen und dann gibt es natürlich noch den Management-Part, der ebenso viele Komponenten hat. Business bedeutet Lösungen zu finden, Prozesse immer weiter zu optimieren. Eigentlich ist das eine Win-Win Situation, denn entweder etwas funktioniert gut oder es zeigt einem, woran man noch arbeiten muss, damit es erfolgreich funktioniert. Es gibt für alles eine passende Lösung, meistens sogar mehrere. Ich habe meine Entscheidung nie bereut.“

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Quelle: Leo Mathild
 

Wie bist du überhaupt im Immobilien-Investment gelandet?

„Ich bin in jungen Jahren alleine nach Berlin gezogen und hatte durch den Tod meines Vaters nicht den finanziellen Backup zu überlegen, was ich machen möchte und an meiner Bildung zu feilen. Ich fing sofort an zu arbeiten und jobbte neben der Ausbildung bei einem Juwelier. Bereits mit 17 fing ich an, meinen ersten Schmuck zu designen und viele Skizzen zu machen. Schon damals war mein größter Wunsch, mir etwas aufzubauen und unabhängig zu sein. Nachdem ich meine Ausbildung abgeschlossen hatte, bekam ich dann kurze Zeit später eine Stelle als Assistentin im Immobilieninvestment angeboten. Für mich war das damals ein Schlüssel zu Struktur und der Solidität, die ich mir sehr wünschte. Fünf Jahre blieb ich in dieser Firma und lernte viel von einer Frau, die sehr erfolgreich in diesem Geschäft ist. Erstaunlicherweise gibt es kaum Frauen in diesem Business. Das hat mich sehr geprägt.“

Woran liegt es, dass es dort so wenige Frauen gibt?

„Das ist eine interessante Frage. Eigentlich ist es ein cooles Business. Ich mag es sehr. Häuser haben Solidität, Beton seinen Wert und Architektur ihren Charme. Aber der Umgangston ist teilweise sehr hart. Man wird nicht mit Samthandschuhen angefasst, nur weil man eine Frau ist. Hier gibt es keinen „Frauen-Bonus.“  Es geht um Assets, hohe Volumina und am Ende des Tages eben um Geldanlagen. Da kommt manchmal viel Testosteron und offensives Verhalten zum Vorschein. Man wird  einem Druck ausgesetzt, mit dem man lernen muss umzugehen.“

Hast du dich ernst genommen gefühlt?

„Aller Anfang ist hart. Wie in jedem Business muss man sich Kontakte und Position erarbeiten, aber nach neun Jahren im Business ist man routiniert. Charisma, Professionalität, und Resultate zählen und das ist am Ende des Tages, womit man sich auf lange Sicht durchsetzt. Neben meinem Schmucklabel Leo Mathild arbeite ich noch immer selbständig im Investment und operiere unter der Flagge der Mähren Gruppe.“

Die Schmuckindustrie ist im Gegensatz dazu ja sehr weiblich prägt…

„Ich liebe die Schmuckindustrie und die erhebliche Rolle des Designs, die natürlich sehr feminin ist, da ich Schmuck für Frauen kreiere. Auf der anderen Seite bin ich dafür verantwortlich, dass mein Business funktioniert. Für mich ist es wichtig, die Firma nach vorne zu bringen, eine Zukunft zu haben und zu wissen, dass es meinen Mitarbeitern gut geht. Das Investment war bislang ein guter Lehrer, das ist ein Geschenk. Ich glaube nicht, dass Leo Mathild ohne das, was man mir dort beigebracht hat, so früh verlässliche Prognosen gehabt hätte. Business ist Performance verbunden mit Verantwortung und Willensstärke. Man muss an sich selbst arbeiten besser zu werden, jeden Tag.“

Und das Schmuckdesignen? Wer hat dir das beigebracht?

„Das habe ich mir selbst beigebracht. Wie gesagt, habe ich als Aushilfe bei einem der renommiertesten Juweliere in Berlin gearbeitet, habe dort viel über Schmuck gelernt und durfte immer über die Schulter schauen. Ich bin nicht ansatzweise eine Frida Kahlo, aber ich habe immer eine genaue Vorstellung davon wie etwas am Ende aussehen soll. Da bin ich sehr perfektionistisch. Manchmal muss ein Schmuckstück eben viele Male überarbeitet werden, bis es meinen genauen Vorstellungen entspricht und wir es in die Kollektion integrieren. Die Produktion hat sich mittlerweile schon daran gewöhnt und nimmt es nicht mehr persönlich.“

Was für einen Schmuck gibt es bei Leo Mathild?

„Mein Label hat zwei Teile. Ich habe die Haute-Diamond-Collection. Das sind  Ringe mit Diamanten, häufig Verlobungsringe, die ich in enger Absprache mit dem Kunden designe. Diese Ringe habe ich schon neben meinem Job im Investment gemacht. Daneben wollte ich aber auch erschwinglichere Schmuckstücke anbieten und habe angefangen, mit günstigeren Edelsteinen als Diamanten zu experimentieren. Das ist die Ready-To-Wear-Collection in 925 Silber und 18k-Goldauflagen mit Steinen wie zum Beispiel Topaz, Saphir und Amethist.“

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

„Ich liebe Bauhaus und Art Déco. Meine Kollektion hat sehr starke grafische Elemente, viel Symmetrie. Natürlich hat mich die Architektur geprägt. Ich denke mein Stil ist eher nüchtern, mit Kitsch kann ich nicht so viel anfangen. Ich lege Wert auf ausgefallene Designs und möchte keine banalen Muster in meiner Kollektion. Herzchen, Sternchen und Peace-Zeichen gibt es zu genüge auf dem Markt.“

Sind das alles Stücke, die du selbst tragen würdest?

„Eindeutig. Ich würde nichts designen, was ich nicht selbst tragen würde. Ich trage immer noch einen Ring, den ich mit 17 gezeichnet habe und heute ist er ist Teil meiner Kollektion. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen esoterisch, aber mir hat der Schmuck so viel Glück gebracht und jedes Schmuckstück von Leo Mathild ist sehr persönlich und offen gestanden ein Stück Liebe. Jenes Gefühl möchte ich weitergeben.“

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