Foto: Flickr I Luca Sartoni I CC BY-SA 2.0

Was macht Gründerinnen erfolgreich?

Eine neue Studie beschäftigt sich mit den Erfolgsrezepten von Gründerinnen. Denn in der Herangehensweise unterscheiden sich Unternehmerinnen deutlich.

 

Nicht repräsentative Studie

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 350.000 Unternehmen gegründet. Hinter 30 Prozent dieser Neugründungen stehen Frauen. Was treibt sie an? Was macht den weiblichen Unternehmergeist aus? Die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation hat hierzu im Auftrag der Hypovereinsbank zum zweiten mal eine Studie über Gründerinnen in Deutschland durchgeführt. Knapp 250 Unternehmerinnen haben in der Onlinebefragung über ihre Motivation und Arbeitsmethoden Auskunft gegeben. Die Studie ist nicht repräsentativ, „ermöglichst aber Tendenzaussagen über Leadership- und Erfolgsfaktoren bei Existenzgründungen von Frauen“, heißt es im Methodenteil. Die Gründerinnen haben sich überwiegend mit Beratungsunternehmen selbstständig gemacht oder sind im Dienstleistungssektor tätig.

Jede zehnte Gründerin hat Erfolg

Die Studie der MHMK hat nach Auswertung der Fragebögen deutsche Jungunternehmerinnen in zwei Gruppen aufteilen können. Als „Top-Gründerin“ gelten diejenigen, die Gewinne machen, deren Unternehmen wächst und die mit den Einnahmen ihres Geschäftsmodells Ausgaben und Lebenshaltungskosten decken zu können. Keinerlei Auskunft gibt die Studie jedoch darüber, nach welcher Zeit die Unternehmen begonnen haben, Gewinne zu machen, und ob die Ziele ihrer Businesspläne realisiert wurden. So lässt sich aus den Ergebnissen der Studie nur schwer ablesen, wie viel Potential in den Ideen der Unternehmerinnen schlummert, die aufgrund der Kriterien noch nicht zu den erfolgreichen Gründerinnen gezählt wurden.

Zehn Prozent der Unternehmerinnen erfüllen die Kriterien der MHMK-Studie und gelten somit als Top-Gründerinnen. Das ist ein ordentliches Ergebnis, mit wackliger empirischer Basis. Dass es bei Gründungen lange dauern kann, bis sie selbst Einnahmen generieren, untermauern die Angaben der Befragten zu ihren Lebenshaltungskosten: Nur 30 Prozent können von den Einnahmen ihres eigenen Business leben. Ihre Konzepte setzen auf langfristigen Erfolg und sind zu Beginn der Gründungskarriere ein zweites Standbein. Zum tatsächlichen Erfolg bei Gründungen wäre hier vor allem eine Langzeitstudie notwendig. 

Top-Gründerinnen haben Teamgeist

Die Gründerinnen, die bereits Umsätze generieren, unterscheiden sich laut Studie von anderen entscheidend in der Art und Weise, wie sie ihre Unternehmen aufbauen und führen. Weniger erfolgreiche Gründerinnen verfolgen eher die Einzelkämpferstrategie. Sie neigen im Schnitt deutlich mehr dazu, ihr Unternehmen komplett alleine zu führen. Lediglich ein Fünftel von ihnen beschäftigt Mitarbeiter. Bei den Top-Gründerinnen sieht das Ergebnis anders aus: Fast die Hälfte von ihnen, nämlich 44 Prozent, vertrauen auf Unterstützung von Angestellten und beschäftigen mindestens eine Person. Arbeit abzugeben, sich auszutauschen und Menschen mit unterschiedlichen Stärken zusammenzubringen ist ihr Erfolgsrezept.

Ein weiterer Unterschied liegt in der bisherigen Berufserfahrung vor dem Zeitpunkt der Gründung. Bei den Top-Gründerinnen sind 95 Prozent der Frauen schon einmal selbstständig gewesen. Bei der restlichen Gruppe sind es ganze 20 Prozent weniger, die Erfahrungen mit eigenen Firmen gemacht haben. Und nicht nur bei der Selbständigkeit haben Top-Gründerinnen mehr Erfahrung vorzuweisen: Viele von ihnen haben außerdem Führungserfahrung aus ihren früheren Unternehmen.

Leadership-Qualitäten sind entscheidend

Führungserfahrung allein macht nicht den Unterschied. Vor allem die Ausprägung der Führungsqualitäten von weiblichen Entrepreneure kann erfolgsentscheidend sein. In allen Leadership-Dimensionen, die die Studie erhob, haben die Top-Gründerinnen stärker abgeschnitten als mäßig erfolgreiche Unternehmerinnen. 80 Prozent der Top-Gründerinnen geben beispielsweise an, „einen Blick für das Große Ganze“ zu haben. Nicht einmal die Hälfte der anderen Gründerinnen trifft diese Aussage über sich selbst. Die Top-Gründerinnen haben zusätzlich eine bessere Übersicht über die Finanzen ihres Unternehmens. Zu den Leadership-Qualitäten zählen außerdem Verhandlungsstärke, ein souveräner Umgang mit Rückschlägen und die eigene Work-Life-Balance. In allen fünf Dimensionen haben die Top-Gründerinnen im Schnitt um 30 Prozent besser abgeschnitten.

Bei den Top-Gründerinnen ist es also nicht eine einzelne Fähigkeit, die als Erfolgsrezept funktioniert. Sie sind Allround-Talente. Eine gute Managerin muss eben von allem etwas verstehen.

Gründungen langfristig beobachten

Der Einblick, den die Studie gibt, bestätigt grundlegende Annahmen über erfolgreiche Managerinnen, die auch das Zeug zur Unternehmerin haben. Spannend wäre jetzt eine langfristig angelegte Studie, die beobachtet, wie sich insbesondere jüngere Gründerinnen mit weniger Berufserfahrung entwickeln, ob Gründerteams ihr Unternehmen erfolgreicher aufbauen als Einzelkämpferinnen, und welche Branchen für Neugründungen ein besonderes Potential bergen. Mit diesen Ergebnissen könnten dann mehr Frauen dafür begeistert werden, ihr eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen. Denn 30 Prozent sind noch lange nicht genug.

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