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Mahlzeit mit Tainá: „Wer vorbeikommt, wird eingeladen“

Tainá Guedes verbindet in ihrer Galerie Essen mit Kunst. Mittags kocht sie oft inmitten der ausgestellten Arbeiten.

 

Kunst und Essen sind die zwei Herzen, die in der Brust von Tainá Guedes schlagen. Sie ist Künstlerin und Köchin und hat vor kurzem die Entretempo Kitchen Gallery eröffnet. Dort stellt sie Eat Art aus, Kunst aus Essen oder über Essen, und sie veranstaltet in Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern und Kreativen Workshops, spezielle Dinner, Kochkurse für Kinder und viele weitere Events. In der Eröffnungsausstellung war unter anderem die Arbeit „Strawberry Canon“ von Anne Duk Hee zu sehen, ein umgebautes Fahrrad, aus dem man mit Erdbeeren schießen kann, und „Food Way“ von Tainá selbst, eine Installation bestehend aus Bindfäden, die für den Weg stehen, den Lebensmittel vom Anbaugebiet zum Teller hinter sich legen. Essen ist für die Galeristin weit mehr als nur Nahrungsaufnahme. Es ist eine Philosophie. Aufgewachsen ist Halbjapanerin Tainá in Brasilien als Tochter eines Künstlers. Erst arbeitete sie als Journalistin, dann eröffnete sie ein japanisches Restaurant, machte eine Ausbildung zur Chefköchin, reiste um die Welt, beschäftigte sich mit vegetarisch-buddhistischer Küche, mit Rohkost und mit Lebensmittelverschwendung und begann Kunstinstallationen über Essen zu schaffen. Seitdem sie in Berlin ist, versucht sie all das zu verbinden und schrieb unter anderem das Buch „Kochen mit Brot“, indem es darum geht, Brotreste in leckere Mahlzeiten zu verwandeln.

Tainá, Entretempo ist Kunstgalerie und Kochstudio in einem. Machst du dir hier auch dein Mittagsessen?

„Ich bin ein wenig demotiviert zu kochen, wenn ich alleine bin. Aber wenn jemand von meinen Kollegen da ist oder einer der Künstler, dann essen wir hier.“

Und was machst du, wenn du gerade kochst oder isst und jemand vorbeikommt, um die Ausstellung zu sehen?

„Dann lade ich ein, mitzuessen. Das ist bei uns anders als in einer normalen Galerie. Bei vielen Galerien in Mitte ist es sehr unangenehm, wenn man hineingeht. Da sitzt dann jemand am Tisch, schaut dich nicht an und hat keine Lust, deine Fragen zu beantworten. Ich freue mich immer sehr, wenn Leute reinkommen, biete ihnen einen Kaffee an und frage sie, ob sie mehr wissen wollen.“

Was gibt es dann bei dir zu Mittag?

„Im Moment ist das ein bisschen chaotisch, weil wir gerade aufgemacht haben. Normalerweise koche ich immer zweimal pro Tag. Brasilianer machen das so, die essen nicht so viel Brot. Ich esse gerne japanisch, weil ich Halb-Japanerin bin, viel Gemüse und Getreide. Da ich Vegetarier bin, sind mir auch Hülsenfrüchte sehr wichtig. Ich habe ein Gemüseabo beim Landwirtschaftsprojekt Speisegut. Jeden Freitag bekomme ich etwas und muss mir überlegen, was ich damit machen kann. Manchmal bekomme ich Sachen, die ich noch nie gesehen habe. Neulich waren zum Beispiel weiße Radieschen darin. Die waren scharf, deswegen habe ich sie nach japanischer Art eingelegt. Es gibt sie dann zu Reis, zu japanischem Omelett oder zu Tofu mit Gemüse. Mein Sohn isst das sehr gerne. Im Sommer liebe ich außerdem japanische Somen-Nudeln, kalt mit Eiswürfeln. Das ist so lecker.“

Wie geht das?

„Man kocht die Nudeln und schreckt sie mit Wasser ab. Dann werden sie in Eiswürfel gelegt und dazu gibt es eine Soße auf Sojasoßenbasis mit Ingwer, Schnittlauch, Sesamöl und Zucker. Den Zucker ersetze ich mit Agavendicksaft. Ich versuche immer, wenn es geht, keinen Zucker zu benutzen.“

Ich habe gelesen, dass du jeden Tag ein anderes Getreide isst. Warum machst du das?

„Das ist das biodynamische Ernährungskonzept. Die Getreidesorten werden mit dem Rhytmus der Planeten in Einklang gesetzt. Ich bin Waldorfschülerin und ich habe das von Rudolf Steiner und der antroposophischen Philosophie übernommen. Das ist nichts Esoterisches, sondern macht total Sinn. Der Mond beeinflusst uns. Die meisten Menschen sind nur zu beschäftigt, das zu bemerken. In der Landwirtschaft sieht man, wie das wirkt, alles ist verbunden. Als ich in Elternzeit war, konnte ich das besser planen. Jetzt versuche ich das weiter einzuhalten, aber es ist schwer, vor allem, wenn man unterwegs ist. Wo findet man zum Beispiel Mais oder Weizen oder Sushi mit Vollkornreis? Niemand macht das, das kann man sich nur zu Hause selbst machen.“

Was machst du dann? Was isst du, wenn du unterwegs bist?

„Meistens japanisch. Jetzt gibt es noch diesen Mexikaner um die Ecke, wo wir manchmal hingehen. Oder ich esse Reis mit Tofu beim Asiaten. So spezielles Essen, wie ich es mir normalerweise zu Hause koche, ist schwer zu finden. Vielleicht sollte ich lieber ein Restaurant aufmachen.“

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