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Meetings – eine Frage des Anstands?

Soziale Gefüge wie in Unternehmen wo Menschen unterschiedlichster Charaktere zusammentreffen sind zuweilen Zündfeuer

 

Jeder von uns kennt sie. Die einen lieben sie. Die anderen meiden sie eher. Meetings. Erduldetes Übel? Nun über die Effizienz von Meetings, deren strukturierte Führung und die Erarbeitung von Ergebnissen wurde schon vielfach in Artikeln sinniert und persönliche Meinungen zum Besten gegegeben. Mich beschäftigt dieser Tage ein Thema, welches sich auch auf die Rahmenbedingungen dieser Arbeitskreise bezieht. 

Es ist ein typische Situation: Wir haben einen Raum geblockt für eine bestimmte Zeit und das Thema zieht sich in die Länge. Entweder mit internen oder mit externen Gesprächspartnern. Wenn ich diese Zeit überschreite, bekomme ich automatisch ein schlechtes Gewissen. Vor allem dann wenn ich sehe, dass direkt im Anschluss ein Termin stattfindet.

Ich bin mit dieser Einstellung immer ganz gut gefahren, auch wenn ich zuweilen als pedantisch und kleinlich abgetan werde.

Neulich hatte ich diese Situation vice versa. Zwei Kolleginnen von mir hatten ein internes Meeting. Sichtlich vertieft in das Gespräch haben sie vermutlich nicht mitbekommen, dass es an der Zeit war den Raum in den nächsten zwei Minuten zu räumen, damit ihre Kollegen ihre Abreit in Angriff nehmen können.

Mein Mitarbeiter klopfte daraufhin höflich an die schicke Glastüre und wies daraufhin, dass wir die nächsten Nutzer des Raumes wären.

Die Damen registrierten uns, winkten jedoch ab und redeten munter weiter.

Wir hatten einen Termin mit einem externen Partner. Dieser war nicht brisant oder ähnliches, aber es ist eine Sache des Anstandes für mich zu meinen Terminen pünktlich zu erscheinen, da ich zum Einen das Unternehmen nach außen hin repräsentiere und zum Anderen, möchte ich mit der Zeit meines Gegenüber wertschätzend umgehen. 

Mit diesen Gedanken im Gepäck bin ich also um Punkt 10. 00 Uhr in den Raum und habe mich am Tisch platziert. Mein Mitarbeiter folgte mir. 

Die Damen reagierten konsterniert und verständnislos für mein rüdes Verhalten. Ich solle mich nicht so anstellen war eine Reaktion. Eine weitere folgte sogleich und mir wurde erklärt, dass “ sie ein paar Jahre mit einem Italiener zusammen war und da lerne man nicht alles so genau zu nehmen.“ Meine scherzhafte Antwort “ das sei eben deutsche Pünktlichkeit“ um die Situation zu entschärfen, wurde ignoriert und die Damen verließen sichtlich genervt und lästernd den Raum.

Ich fühle mich in solchen Situation sehr unwohl. Ich gehe nicht gern auf Konfrontation und appeliere immer an die Höflichkeit des Anderen. Manchmal eben erfolglos. Im Anschluss dieser Situation merkte ich wie ich sofort nassgeschwitzt und angespannt war.

Allerdings konnten wir unser Meeting püntklich beginnen. Immerhin.

Die Frage, die ich mir im Nachhinein stelle, ist ob meine Reaktion übertrieben war. Vielleicht. 

Mir ist bewusst, dass es in anderen Kulturkreisen andere Verhaltensweisen und Prioritäten gibt. Zeit wird anders wahrgenommen, ebenso wie Termintreue. Mir ist auch nicht daran gelegen Machtkämpfe auszutragen. Ich habe „nur“ die Sache im Blick.

Aber ist es nicht eine Frage des Anstands und Respekts im gemeinsamen Miteinander sich an Regeln zu halten, die gemacht wurden, damit sich an und für sich fremde Menschen auf Augenhöhe begegnen können? 

Ich würde mich über Meinungen und andere Perspektiven über diese Thematik freuen und mich gerne austauschen.

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