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Der Feind – die Apothekerin

Oder wie man Schwangeren das Leben unnötig schwer macht

 

Wenn du als Schwangere krank bist, hast du die Arschkarte. Geh in eine Apotheke und frage nach einem Medikament. Du wirst keines bekommen. Auch keine vernünftige Beratung. Du bekommst einfach nichts. Nur ein Nein. Ein Nein zu allem, egal wie schlecht es dir geht. Es gibt auch keine Grautöne für eine Apothekerin oder einen Apotheker, bei Schwangeren gibt es in Sachen Medikamente nur ein Nein. Du gehst genauso schlau wieder aus der Apotheke raus wie du rein gegangen bist. 

Seit Wochen ist dir von morgens bis abends kotzübel, du kriegst keinen Bissen runter und gehst richtig auf dem Zahnfleisch. Alles ist scheiße und du fragst dich, ob du dir das mit der Schwangerschaft wirklich gut überlegt hast, und was zum Teufel das ist, wovon die anderen immer reden, das man an der Schwangerschaft „genießen“ soll. Du hast alle Natur- und Hausmittelchen ausprobiert und bist froh, dass du wenigstens noch genügend Wasser trinken kannst (anderen Schwangeren geht es noch viel schlechter, die müssen sich volle zehn Monate nur übergeben, können nicht einmal Flüssigkeit bei sich behalten, dehydrieren völlig und müssen immer wieder ins Krankenhaus) und schleppst dich als letzte Lösung hilfesuchend in die Apotheke, da empfiehlt dir die dämliche Kuh von Apothekerin doch tatsächlich Ingwertee. INGWERTEE!!! Oder – auch sehr gerne genommen: Ein paar Bissen Brot vorm Aufstehen gegen die Morgenübelkeit. MORGENübelkeit!!! „Welchen Teil von ‚Mir ist seit Wochen von morgens bis abends rund um die Uhr kotzübel‘ haben Sie nicht verstanden??“ Wer hat sich den Begriff MORGENübelkeit überhaupt ausgedacht??? Jemand der wusste, dass dir MORGEN mit Sicherheit wieder übel sein wird?!

Ein bisschen Internetrecherche auf seriösen Seiten und selbst Gespräche mit meiner (sehr verantwortungsbewussten) Frauenärztin zeigen mir innerhalb von Minuten mehr brauchbare Informationen zu diesem Thema als jede Apothekerin. Es gibt Medikamente, die schwangere Frauen nehmen können. Auch gegen die Übelkeit. Medikamente, die schon zehntausende Frauen vor uns genommen haben, ohne dass etwas Schlimmes passiert ist. Medikamente, die dafür sorgen, dass man auch als schwangere Frau nicht das Gefühl hat, das es niemanden mehr interessiert, wie es einem geht, weil sich alles nur noch um den ungeborenen Fötus dreht. Dass jegliches Abwägen, in Relation oder Prioritäten setzen,  jede Risiko-Nutzen-Analyse von Vornherein ein absolutes No Go ist. Selbst wenn ich mich schon informiert und dazu entschieden habe, mir ein bestimmtes Schmerzmittel aus der Apotheke zu holen, und nicht einmal nach einer Beratung frage, ernte ich schockierte, skeptische Blicke und mütterliche Vorträge. „Also ICH würde das nicht nehmen wollen, wenn ich schwanger wäre.“ – „Schön für Sie, das müssen SIE ja auch nicht machen. Aber ich bin nicht hier, um mir Ihre persönliche Meinung anzuhören, sondern eine fachliche. In Ihrer Schwangerschaft dürfen Sie das dann ja gerne anders entscheiden.“ 

Das beste Mittel gegen Schwangerschaftsübelkeit gibt es nur noch im Ausland (Frankreich und der Schweiz), und das aus finanziellen Gründen. Weil der Wirkstoff so günstig ist, dass sich eine Produktion bzw. der Antrag auf Zulassungsverlängerung nicht weiter gelohnt hat. Man kann es sich mit Leichtigkeit im Ausland bestellen, da es sogar rezeptfrei und nicht teuer ist. Leider wissen das die wenigsten und ich finde das ist eine Schande. Wieviele Frauen quälen sich durch ihre Schwangerschaft und erleben, dass die angeblich schönste Zeit ihres Lebens zur absolut schlimmsten wird, weil es ihnen einfach nur dreckig geht. Und das einfachste, wirksamste Medikament dagegen hält man ihnen vor, weil es sich wirtschaftlich nicht rentiert.

„Schwangerschaft ist keine Krankheit“ ist ein toller Spruch. Nur fühlt es sich leider manchmal genauso an, während der Rest der Welt erwartet, dass du den ganzen Tag freudestrahlend durch die Gegend läufst, weil du in freudiger Erwartung bist. 

Und dann diese Apothekerinnen…!

Ich habe beschlossen, entweder nur noch meinen Mann in die Apotheke zu schicken oder einfach zu behaupten die Medikamente seien für meine Oma. So wie bisher geht es auf jeden Fall nicht weiter, sonst kann ich für die Sicherheit der Apothekerin nächstes Mal nicht garantieren!

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