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Nachhaltigkeit im Arbeitsleben?

Genieße dein Leben und schlage Wurzeln

 

Wenn du im Strudel des Alltags bist und von einer Aufgabe zur nächsten
hechelst, merkst du meistens erst sehr spät oder vielleicht sogar zu
spät, wenn dir das eigentlich längst zu viel ist. Oder nicht das
Richtige. Sich mit dem ständigen Beschäftigt sein von der eigentlichen
Unsinnigkeit bestimmter Aufgaben abzulenken, das scheinen viele
Tätigkeiten gemein zu haben. Wofür lebst du? Ist es Geld, Ansehen, die
Zukunft, nach der du die ganze Zeit strebst? Oder ist es das Wochenende,
 deine Freunde, deine Familie, Partner, Hobbys, die du dir damit
finanzieren kannst? Hast du das Bedürfnis danach, etwas in der Welt zu
hinterlassen? Möchtest du hoch hinaus? Und wenn ja, was ist dabei dein
wirklich und ganz ehrlicher Hand-aufs-Herz-Antrieb? Bist du ehrlich mit
dir selbst? Machst du, was dich glücklich macht oder hältst du nicht
viel von diesem „glücklich-sein-Gelaber“? Geht es dir bei all den
Dingen, die du tust und für die du dein Gut Zeit verbrauchst um dich
selbst und deine Weiterentwicklung und was machst du damit dann? Lebst
du deinen Traum? Oder lenkst du dich eher von einem Albtraum ab, der
sich Alltag nennt und den du am Wochenende, was leider immer zu kurz
ist, versuchst, regelmäßig zu vergessen?

Nachhaltigkeit – aber was will ich jetzt damit?

Bei den unzähligen Gesprächen, die ich in den letzten Monaten geführt habe,
 lernte ich sehr viel von mir selbst kennen, es waren weit aus mehr als
nur angenehme, schmerzfreie Erkenntnisse.  Manche Erkenntnisse schafften
 die Ebene für eine Weiterentwicklung oder einfach einer Abslösung alter
 Denkmuster. Manchmal musste ich auch feststellen, wie festgefahren und
engstirnig ich teilweise in den letzten Jahren dachte und mich selbst
beschränkt hatte. Sobald wir beginnen, uns in Muster zu pressen,
verliert der eigene Charakter an Kontur, bis er ganz verschwunden ist.
Das führt mich nun zum Punkt der Nachhaltigkeit. Dies kann vieles
heißen.

Alles, was auf Nachhaltigkeit gebaut ist oder darauf setzt, damit arbeitet
oder solche heranzieht, nutzt Ressourcen jeglicher Art, die darauf
ausgelegt sind, lange Zeiten zu bestehen.  Meine
politikwissenschaftlichen Professoren würden sich jetzt einen
Schreikrampf bekommen, da hier keine konkreten Beispiele und auch keine
Definitionen enthalten sind. Dem soll nun Abhilfe geschaffen werden:

Nachhaltiges Wachstum/ Entwicklung

Sehe ich mich selbst in erster Linie als ein Lebewesen, so wird mir bewusst,
 dass alles gesunde seine Zeit des Wachstums benötigt. Wachsen bedeutet
wiederum Entwicklung, also: etwas ausprobieren, es evaluieren, es
verbessern oder anpassen, es konstant zu wiederholen und es irgendwann
zu einem Teil des Selbst werden zu lassen. Um darauf aufbauend dann
etwas Neues zu konstruieren. Wie ein kleiner Baum, der langsam und mit
viel Ruhe seine Wurzeln immer tiefer in die Erde schlägt und so dabei
lernt, wie er selbst bei schlechtem Wetter, Flut, Wind, Hagel, Kälte
oder Schädlingen gesund bleibt und überlebt. Darüber hinaus knüpft der
Baum unsichtbare Verbindungen zu anderen Lebenwesen unter bzw. in der
Erde und in seinem Umfeld und stärkt somit seine Überlebensfähigkeit. Es
 bedarf demnach nicht nur eigener Ruhe, Zeit und Geduld, sondern auch
der eigenen Fähigkeit, sich ein gesundes Kontaktnetzt aufzubauen, über
das das System immer wieder gesund wird, falls es mal etwas fragil sein
sollte (auf Grund diverser Umwelteinflüsse).

Nachhaltiges Arbeiten

In Einklang mit dem oben beschriebenen Wachstum sollte auch das Arbeiten
stehen. Nachhaltiges Arbeiten bedeutet aus meiner Sicht, in einem
menschenfreundlichen Umfeld zu agieren. Menschenfreundlich meint
konkret: dass ich darin ich selbst sein kann und den anderen sich selbst
 sein lasse, dass es keine Ungleichheit gibt und keine Unterscheidung
aufgrund von Geschlecht, sexuelle Orientierung, Alter, Herkunft,
Religion etc. gemacht wird. Doch gleichzeitig darf der Mensch nicht zur
Maschiene umfunkioniert werden. Bei nachhaltigem Arbeiten sollte der
Schwerpunkt 1. auf der eigenen Entwicklung, 2. auf der intrinsischen
Motivation des Einzelnen liegen.  „Einfach als kleines Rädchen im
System“ zu funktionieren kann genauso intrinsisch motiviert sein, wie
absolut selbstbestimmt, freiberuflich und eigenständig zu arbeiten. Ein
jeder muss sich, möchte er nachhaltig arbeiten, bewusst werden über
genau jene oben im ersten Abschnitt angesprochenen Fragen: Wofür Lebst
du? Was treibt dich bei der Arbeit an? Was macht für Dich Sinn? Wie
kannst Du dich selbst annehmen und welche Tätigkeit ist in diesem Sinne
genau Die Richtige für dich? Und ja ich weiß, es kann sehr weh tun, sich
 solche Fragen zu stellen, denn möglicherweise wird einem bewusst: ich
kann so, wie ich es bisher tue, nicht mehr leben, nicht mehr arbeiten,
so passt das nicht mehr für mich. Und dann fühlt es sich erst so an, als
 würde man vor einem riesigen Haufen Scherben stehen. Doch glaubt mir,
das ist die Angst vor dem Neuen, dem Unsicheren. Wenn Du weißt, was du
brauchst, dann wirst du dafür auch einen Weg finden. Glaube an dein
inneres Mantra und schenke diesem Gehör.

Nachhaltigkeit im Unternehmen bzw. Nachhaltige Unternehmen

Wir leben in einer Zeit, in der Produkte in kürzester Zeit produziert
werden (können), es an jeder Ecke gefühlt alles gibt, jeder mit einem
Coffée-to-go durch die Gegend rennt und sich dabei keine Gedanken um die
 Verpackung dessen macht, Handys werden in Lichtgeschwindigkeit
weggeworfen und durch neue Geräte ausgetauscht. Das alles ist nicht
nachhaltig und zu all diesen Modellen gibt es Gegenmodelle. So
produziert ein Unternehmen aus den Niederlanden ein Fairphone,
 was auf Nachhaltigkeit setzt. Nachhaltige Unternehmen steht hier jedoch
 für mehr als nur nachhaltigen Konsum. Es steht für die Art und Weise,
wie es wächst, wie es seine Mitarbeiter behandelt und ihnen den Raum und
 die Möglichkeiten gibt, die jeder einzelne des Großen und Ganzen
erhält. In meiner Bewerbungsphase ist mir ein Phänomen über den Weg
gelaufen, was mich zuerst sehr vewundert und dann stutzig gemacht hat:
sehr junge Unternehmen (= Start-Ups), die sehr
 schnell wachsen und ihren Mitarbeitern gleichzeitig recht wenig Lohn
auszahlen. Das Argument war fast ausschließlich, dass sie ja noch in der
 Wachstumsphase seien und dementsprechend sich nach oben entwickeln
wollen, jedoch noch nicht ausreichend Kapazität haben, entsprechendes
Honorar zu zahlen. Anders betrachtet kam mir die Frage: Wieso muss man
denn so schnell wachsen? Und ist es gesund für ein Unternehmen,
innerhalb von ein bis zwei Jahren exponentiell im Bereich Mitarbeiter zu
 wachsen? Start-Ups können scheitern und oftmals, weil sie zu schnell
wachsen, weil sie ab einer bestimmten Größe nicht mehr marktfähig sind
oder vielleicht auch aus der Veränderung heraus, die die Chefetage durch
 das
 Wachstum durchläuft.  In jedem Fall ist ein langsameres Wachstum
weitaus gesünder, da dies allen Beteiligten ein ebenso gesundes
persönliches Wachstum „an der Sache“ ermöglicht. Denn Unternehmen werden
 schließlich von Menschen getragen und nicht umgekehrt, sprich: diese
müssen genauso Wurzeln schlagen, wie betreffender Rahmen (= das
Unternehmen).

Nachhaltigkeit hat nichts mit Komfortzone zutun

Was hier nicht verwechselt werden darf: Wenn man sich für ein nachhaltiges
Leben entscheidet, entscheidet man sich für ein Leben voller
Wahlfreiheit, denn es geht nicht um feste Muster, Strukturen oder
Vorgaben und auch um keine Komfortzone. Vielmehr geht es darum, das für
Sich Selbst Richtige zu tun und danach zu leben. Und da Leben
Entwicklung und Wachstum einschließt, ist das Verlassen der Komfortzone
immer wieder eine neue Herausforderung, an der sich entwickelt werden
kann.

In diesem Sinne appeliere ich ganz frei nach Schnauze für Nachhaltigkeit,
sie betrifft uns alle. Wenn wir mit ausreichend Muße und Geduld ein
gesundes Netzwerk aufbauen und auf das innere Mantra hören, kann selbst ein schlimmer Sturm keine dramatischen Schäden verursachen.

Dieser Artikel ist bereits auf Lauras Blog erschienen.

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