Foto: privat

Noch ein Mamiblog? – Nein, danke!

Unsere Community-Autorin Bettina empfindet die Welt der Mütter-Blogs als rosarote oder quietschbunte Scheinwelt, die das Muttersein auf ungute Weise glorifizieren. Sie findet: Viele Mütter würden ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten ihrer Kinder vernachlässigen.

 

Vor allem Helikoptereltern-Gedöns?

„Ich liebe Kinder!“ Das ist die Kernbotschaft all dieser tollen, rosaroten oder quietschbunten Mamiblogs, auf die wir alle momentan so richtig abfahren.

Alle? Nun, ich ehrlich gesagt nicht. Klar gibt es zwischen diesem ganzen Helikoptereltern-Gedöns ein paar wirklich tolle, denen ich auch selbst folge, aber der Rest – ganz ehrlich, mir wächst davon schon fast 

Babypuder aus den Ohren. Diese oft Anfang/Mitte 40-jährigen Spätgebärenden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihren lang ersehnten Kinderwunsch und die damit folgenden Mutter(vor)freuden mitsamt den ganzen guten Ratschlägen (bei Gott, davon gibt es tonnenweise) mit der halben Welt zu teilen – Hilfe! 

Zum „Glück“ gibt es da noch diese ganzen selbsternannten  „Frauenzeitschriften“, die jeden dieser „hilfreichen“ Beiträge fleißig auf allen möglichen Social-Media-Plattformen teilen – man kommt kaum noch daran vorbei – noch mehr Hilfe!

Wenn man da nicht pro In-der-Öffentlichkeit-Stillen ist oder seine Dehnungsstreifen zeigt, dann hat man eh schon verloren. „Was bin ich für eine Rabenmutter, da nicht mitzudiskutieren! Bin ich denn gar nicht stolz darauf, mein kleines Wunder daheim sitzen zu  haben? Klar! Aber muss ich mein Kind dafür benutzen, um meine körperlichen Veränderungen oder „Makel“ zu rechtfertigen? Ganz nach dem Motto: Schaut her, ich habe Schwangerschaftsstreifen – ich werde Mutter des Jahres! Diese Art von Profilierung geht spätestens dann in die Hose, wenn man plötzlich feststellt, dass manche Frauen genetisch einfach mit einem spitzen Bindegewebe gesegnet sind (Hier! Hurra!). Hm. Für die wird es wohl keinen Stempel „Mutter des Jahres“ geben.

Manchmal frage ich mich wirklich, wie ich es damals nur geschafft habe, mit meinen blutjungen 21 Jahren (und vor allem: ganz ohne Sagrotan im Haus!) die Schwangerschaft (und mittlerweile auch die letzten acht Jahre) zu überleben?

Damals!

Ja, damals! – habe ich einfach mit dickem Bauch die Unbekannte „X“ auf mich zukommen lassen und gedacht: Yes, mein Mutterinstinkt und ich, wir wuppen das! Gut, ich wusste auch nicht wirklich, was auf mich zukommen würde, aber trotzdem habe ich mich nie verrückt machen lassen von all diesen guten Ratschlägen wie: „Geh‘ zum Schwangerschaftsyoga“, „Melde dich auf jeden Fall zur Babymassage an!“, „In welche Mutter-Kind-Gruppe wirst du gehen?“, „Freu‘ dich auf die ganzen schlaflosen Nächte“ und „Warte ab, bis sie krabbeln kann und dir alle Schubladen ausräumt!“.

Klar, kaum ist man schwanger, darf man sich von allen Seiten diese „Horrorgeschichten“ anhören. Tu dies, mach das, tu jenes nicht. Möglicherweise habe ich deswegen schon damals einfach abgeschaltet, wenn dieses Kinder-Gequatsche losging. Nichts ist anstrengender als diese Mütter mit all ihren „gut gemeinten“ Ratschlägen. Nimmt man es genau, wirkt das doch eher abschreckend als anregend. Jep, da freut man sich doch richtig auf’s Kinderkriegen!

Familienidylle

Vermutlich basiert meine sarkastische Einstellung zum „Familienidyll“ darauf, dass ich schon immer ein Freigeist war. All diese familiären „Zwänge“, dieses „Spießbürgertum“, das war noch nie was für mich. Es ist verwunderlich, aber man sieht es, wenn man mal genauer hinblickt. Kaum ist das Kind da, wird aus den tollen Beachwaves ein praktischer (Long)Bob. Gut, ist ja momentan eh DIE Trendfrisur. (Warum wohl?). Partneraktivitäten tendieren (meist) gegen Null. Nicht, weil man keine Zeit mehr mit seinem Partner verbringen möchte. Wohl eher deswegen, weil es sonst aus dem Umfeld wieder heißen wird: „Ihr habt es schön, so oft können wir uns keinen Babysitter leisten“, „Was? Der/die Kleine schläft das ganze Wochenende bei der Oma? Ich könnte das nicht. Viel zu viel  Sehnsucht!“ – Klar, Kinder sind wie Chihuahuas, die man sich permanent unter den Arm klemmen muss…auch hier gilt meiner Meinung nach: Leine lassen! Und zwar beiden Seiten.

All diese Dinge, die mich selbst mehr gestört als geprägt haben, haben wohl mein mein Bild von einer „idyllischen Familie“ vernichtet. Weil es mir immer das Gefühl vermittelt hat, ich müsste plötzlich jemand anderes sein. Eine bessere, fürsorglichere Version meines eigentlichen Ichs.

Ich will ich bleiben

Das will ich gar nicht. Ich denke, meine Familie fährt sehr gut damit, dass wir alle „wir selber“ sind. Dass wir keinen Spaß auslassen und trotz Kind das tun, wonach uns der Sinn steht. Ob mal mit oder mal  ohne. Außerdem, zeigt mir mal das Kind, das nicht gerne „Urlaub bei Oma“ macht. Selbst auf Fragen wie: „Schiebst du dein Kind am Wochenende (schon wieder) ab?“ reagiere ich heute viel gelassener. „Nein, ich schiebe mein Kind nicht ab. Ab und an brauche ich einfach auch Auszeit für mich. Quality-Time mit meinem Mann. Weil wir auch einfach nur Menschen und vor allem auch ein Paar sind.“

Und genau diese Lockerheit zu bewahren, das Leben nicht nur darauf auszurichten, die ersten acht Lebensjahre im Indoorspielplatz oder zwischen Mami-Treff, Mutter-Kind-Turnen oder Englischfrühförderung zu verbringen, das ist es. Genau das. Und dann das Kind einfach mal einpacken und aufs Konzert von der Lieblingsband fahren. Ganz spontan. Auch wenn es am Sonntagabend ist. Hauptsache, es macht uns allen Spaß.

Fakt ist: Natürlich sind Kinder was Tolles. Aber bitte, bleibt trotzdem immer ihr selbst.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bettinas Blog. Wir freuen uns, dass sie ihn auch bei uns veröffentlicht. 


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