Foto: Governor Tom Wolf | Flickr | CC by 2.0

Ob Teil der LGBT-Community oder nicht: Das Massaker von Orlando betrifft uns alle

Am vergangenen Wochenende wurden 49 Menschen in einem queeren Club in Orlando getötet. Und das sollte uns nicht alleine wegen der Zahl der Toten, sondern vor allem wegen dem Hass auf Homosexuelle und damit dem Hass auf ein freies Leben durch Mark und Bein gehen.

 

Warum uns das Massaker in Orlando alle etwas angeht

Am Morgen des 12. Juni ging Omar Mateen in den queeren Club „Pulse“ in Orlando, eröffnete mit einer halbautomatischen Waffe das Feuer, tötete 49 Menschen, verletzte 53 weitere und verübte damit das tödlichste Attentat in der US-Geschichte. Ob der Mann, den Augenzeugen als Stammgast des Clubs benannten, das im Auftrag des sogenannten IS gemacht hat oder nicht, ist noch nicht geklärt – was aber sicher ist, ist das diese Tat aus Hass gegen die LGBT-Community begangen wurde. Damit ist es ein Attentat, das sich gegen das freie Leben richtet. Und das macht es zum Anschlag gegen alle, die diese Werte vertreten, sollte all jene erschüttern. Vor allem aber muss das ganz klar benannt werden.

Barack Obama findet klare Worte dafür, so heißt es in seinem Statement zur Tat:

“This is a reminder that attacks on any American, regardless of race, religion, or sexual orientation, is an attack on all of us, and on the fundamental values of integrity and dignity that help us as a country.”

Auch Hillary Clinton äußert sich nicht nur zu einem Akt des Terrors, sondern dem Terror gegen eine ganz bestimmte Gruppe.


Während hierzulande Angela Merkel auf einer Pressekonferenz das Ziel des Täters lediglich im Subtext erwähnt. So sagte sie: „Wir sind fest entschlossen, auch wenn solche mörderischen Anschläge uns in tiefe Trauer versetzen, unser offenes und tolerantes Leben fortzusetzen.“ Gegen wen sich die Tat explizit richtete, sagte Merkel nicht.

Doch wenn der Hass, woher er auch rührt, sich so eindeutig gegen eine bestimmte Community richtet und sich dann noch in tödlicher Waffengewalt äußert, müssen auch eindeutigere Worte gefunden werden, die jeder versteht, verinnerlicht und jedem zeigt, was ein demokratisches, freies Miteinander bedeutet und welche Werte hier von Staatsseite vertreten werden.

Auch Deutschland ist in Sachen Akzeptanz und Toleranz noch ganz am Anfang

Denn auch das Deutschland muss 2016 immer noch – auch wenn wir das gerne mal verdrängen – noch schwer an Respekt, Toleranz und Akzeptanz gegenüber der LGBT-Community arbeiten. Und da müssen wir gar nicht erst nach Einzelschicksalen suchen, sondern können einfach Fakten sprechen lassen. Denn mal davon abgesehen davon, dass Homosexuelle immer noch nicht heiraten oder Kinder adoptieren können, so ist „schwul“ noch immer ein Schimpfwort und ist die Suizidrate unter homosexuellen oder Trans* Jugendlichen um ein Vielfaches höher, als unter heterosexuellen.

Welchen Ressentiments wir hier innerhalb unserer Gesellschaft noch gegenüberstehen, zeigt auch die aktuell erschienene „Mitte-Studie“ der Universität Leipzig, die regelmäßig rechtsextreme und antidemokratische Einstellungen in der Bevölkerung untersucht. In ihr finden sich für das Frühjahr 2016 Zahlen, wie etwa, dass 40 Prozent der rund 2.400 Befragten es ekelhaft finden, wenn sich Homosexuelle auf der Straße küssen. Prozentzahlen, die sich ebenso wenig fassen lassen, wie die des Fremdenhasses gegen Sinti und Roma (58 Prozent erklärten, sie haben ein Problem damit, wenn diese sich in ihrer Gegend aufhalten), jene zu antisemitischen Gedankengut (der Aussage, „die Juden arbeiten mehr als andere Menschen mit üblen Tricks“ stimmten 9,5 Prozent zu) und chauvinistischen Parolen (jeder Fünfte ist der Ansicht, es sollte das oberste Ziel deutscher Politik sein, Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht.) bei uns derzeit steht. Eine Studie, die zeigt, in welche Richtung wir uns bewegen. Und die muss Anlass dazu sein, uns damit zu beschäftigen, etwas dagegen zu unternehmen.

Denn wir rümpfen gerne die Nase, wenn wir in die USA und auf die Politik der Ausgrenzung von Trump schauen – doch auch hier in Deutschland wird genau diese Haltung und die Ablehnung gegen einzelne Gruppen immer stärker. Und das nicht an irgendeinem Rand, sondern aus unserer gesellschaftlichen Mitte heraus. Genau gegen diese rechten Tendenzen müssen wir ebenso angehen, wie gegen die Intoleranz, dem Hass und dem Misstrauen gegenüber der LGBT-Community. Denn wer sie angreift, greift uns alle an.

Artikelbild: Governor Tom Wolf | Flickr | CC by 2.0

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